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Jagdanlage Rieseneck bei Kahla / Thüringen

 

Eine Jagdrevolution ist zwar nicht allgemein bekannt, doch sie hat stattgefunden. Und zwar in jener Gegend, wo sich noch heute die unter Denkmalschutz stehende Jagdanlage Rieseneck befindet. Diese war Anfang des 18. Jahrhunderts unter dem jagdbegeisterten Herzog von Sachsen-Altenburg an der Stelle eines hölzernen Vorgängerbaus errichtet worden, um in ihr das in einem großen Gatter gehaltene Wild bequem zu bejagen. Als etwa hundert Jahre später in der Region um die Stadt Kahla eine Wildplage entstand, da das in Freiheit lebende Wild nur ungenügend bejagt wurde, protestierten die Anwohner der umliegenden Dörfer gegen die bisherigen Jagdmethoden und die dadurch entstehenden zunehmenden Wildschäden. Die energischen Proteste führten dazu, dass 1830 ein Erlass zur Durchführung von Jagden auf den freien Wildbestand erging - die Jagdrevolution hatte zum Erfolg geführt und die Jagdanlage Rieseneck verlor an Bedeutung.

Erst nach 1987, als sich ein Freundeskreis bildete, der den eingetretenen Verfall der Jagdanlage stoppte und kaputte Teile der Anlage erneuerte, wurde die Anlage zu dem, was sie heute ist - ein über die Grenzen Thüringens hinaus bekanntes touristisches Ausflugsziel.
Wenige Kilometer nördlich von Kahla kann die barocke Jagdanlage jederzeit kostenlos besichtigt werden. Eine wichtige Funktion nahm in früherer Zeit das Blasehaus ein. Von ihm aus wurde durch den Wildwart regelmäßig vor der Fütterung ins Jagdhorn geblasen, so dass eine Gewöhnung des Wildbestands an dieses Signal erfolgte.
Dies wurde für die Jagden in der Anlage genutzt, indem die Jagden angeblasen wurden und damit das Wild den herzoglichen Jägern fast vor die Flinten lief. Die Jäger bewegten sich in aus Stein gebauten Pirschgängen, die ober- und unterhalb der Erdoberfläche verliefen und konnten sich so unbemerkt den Tieren nähern.
Weiter befanden sich auf der Jagdanlage ein sogenanntes Grünes Haus, welches als Wirtschaftshaus diente, eine steinerne Wagenremise und ein Blockhaus als Wohngebäude für den Wildwart. Eine steinerne Mauer umgab das weitläufige Gelände.

Vom benachbarten Ort Kleinleutersdorf führt ein Rund-Wanderweg, von dem aus mehrfach schöne Ausblicke in das mittlere Saaletal möglich sind, zur Jagdanlage Rieseneck. Dort sind die geschilderten Anlagen zu besichtigen und einem persönlichen Pirschgang, allerdings ohne Waffe, steht nichts im Weg. Ein architektonisches Kleinod befindet sich am Rande der Jagdanlage. Dabei handelt es sich um den unter Herzog Ernst II. in den Jahren 1915 bis 1917 erbauten Herzogsstuhl. Dieses im Fachwerkstil erbaute Schlösschen, das auf einem hohen Steinsockel ruht, ist allerdings nur von außen zu besichtigen.
Nicht weit von der Jagdanlage befinden sich mit dem Alten und Neuen Jagdschloss Hummelshain und dem zugehörigen idyllischen Park, dem Wasserschloss Wolfersdorf und der Königin des Saaletals, der Leuchtenburg, eine Reihe weiterer sehenswerter Ausflugsziele.

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