Auf der Burgruine Brandenburg

27. Juli 2014

Erst wenige Wochen ist es her, dass auf der Ruine der Brandenburg das im Zwei-Jahres-Rhythmus durchgeführte Mittelalterfest wieder Tausende Besucher aus nah und fern hierher nach Westthüringen gelockt hat.
Hier, wo zwischen dem Gerstunger Ortsteil Lauchröden und Herleshausen die Werra mit ihren beeindruckenden Mäandern den Grenzverlauf zwischen Thüringen und Hessen markiert, erhebt sich auf einem Bergrücken die Ruine der Brandenburg.


Erbaut von Vertretern des Geschlechts der Grafen von Wartburg sicherte sie vermutlich bereits ab etwa 1200 einen bedeutenden westlichen Zugang nach Thüringen. Am Beginn des 14. Jahrhunderts bildeten sich auf dem Burgberg zwei durch Felsen und Gräben getrennte eigenständige Burganlagen. Durch einen ständigen Besitzerwechsel und ihre abnehmende Bedeutung zum Ausgang des Mittelalters wurde die Burg gegen Ende des 16. Jahrhunderts aufgegeben. Wie auch bei anderen Burgen dienten danach ihre Steine als Baumaterial in den umliegenden Orten, sodass noch bis heute so manches Gebäude in Lauchröden zumindest teilweise aus den Steinen der Brandenburg besteht. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzten danach umfangreiche Sanierungsmaßnahmen ein, die die Brandenburg zu einem beliebten Ausflugsziel werden ließen.

Durch ihre grenznahe Lage und das damit verbundene Besuchsverbot zu Zeiten des Bestehens der DDR verfiel die Burganlage erneut. Nach der Wende gründete sich eine Interessengemeinschaft, die unter dem Namen Brandenburgverein erste Sicherungsmaßnahmen realisierte. Einige Jahre später wurde die Burgruine Brandenburg von der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten übernommen.

Heute führen zahlreiche schöne Wanderwege auf das Gelände der östlich von Lauchröden gelegenen zwei Burganlagen. Während von der jüngeren West- oder Niederburg nur der Bergfried und Teile des Torhauses und der Ringmauer erhalten sind, hat die ältere östliche Burg noch eine nahezu komplette Ringmauer, einen sechseckigen Bergfried, den Wohnturm sowie zahlreiche Kellergewölbe und zwei Höfe zu bieten.
Letztere dienen als Veranstaltungsorte des Mittelalterfestes aber auch von in den Sommermonaten stattfindenden Konzerten.

Neben einer herrlichen Aussicht, die sich von der Terrasse der Burganlage über das Werratal und weite Teile des westlichen Thüringer Waldes ergibt, lohnt auch der Besuch des Burgmuseums. Dieses ist allerdings nur in den Monaten von April bis September jeweils mittwochs und von Freitag bis Sonntag geöffnet.
Dabei ist in den Ausstellungsräumen der Kemenate so manches Interessante über die Geschichte und Bedeutung der Brandenburg im Mittelalter und den Jahrzehnten danach zu erfahren. Einblicke werden auch in das Leben der damaligen Burgbewohner gewährt.
Im zugehörigen Außenbereich geben Informationstafeln aber auch interessant gestaltete Führungen Auskunft über das damalige Bauhandwerk und die, die Anlagen sichernde Wehrtechnik.

Meine Meinung zur Wahlverdrossenheit

18. Juli 2014

Gastbeitrag von Herrn Scholze:
Man möge es mir verzeihen, dass mit meiner Meinungsäußerung auf diesem so gar nicht politischen Internetportal heute wieder mal ein die Landespolitik tangierender Beitrag erscheint.
Ausgangspunk meiner Betrachtung ist das vor wenigen Tagen veröffentlichte Ergebnis einer aktuellen Umfrage zur politischen Stimmung in Thüringen, die von infratest-dimap im Auftrag des MDR durchgeführt wurde.

Danach könnten nach gegenwärtigem Stand lediglich vier Parteien in Landtag einzieher, der ja bekanntlich in circa zwei Monaten gewählt wird. Berücksichtigt man eine angenommene zu erwartende Wahlbeteiligung von etwa 60 Prozent bedeutet dies, dass etwa 23% aller in Thüringen wahlberechtigten Bürger der CDU, 19% der Linken, 12% der SPD und etwa 4% den Grünen einen tatsächlichen Auftrag zum Regieren geben würden.
Etwa 40% der Thüringer sind demnach von einer angeblichen Wahlverdrossenheit betroffen.

Mein Problem besteht nun darin, dass ich als Wähler, der beispielsweise die SPD wählt, mir eine von der CDU links gerichtete Politik erhoffe. Doch was passiert sicher wieder? Da die Linke in der Öffentlichkeit regelrecht diffamiert dargestellt wird, indem ihr unterstellt wird, sie wolle Verhältnisse einführen, wie sie in den schlechtesten Jahren in der DDR vorzufinden waren, ist doch wieder nur eine „große” Koalition in Sicht.
Nun sage ich mir, dass ein derartiges Verhalten, dem zweitstärksten Bereich der Wähler jede Chance einer Regierungsbeteiligung zu nehmen und dem drittstärksten Bereich nur eine - völlig ungeliebte - Alternative zu bieten, völlig undemokratisch ist. Warum sollte ich wählen, wenn ich von vornherein weiß, dass die Vertreter meiner Interessen sich sowieso denen anschließen werden, die ich nicht wähle? Ist das denn Wahlverdrossenheit oder nicht vielmehr eher die Einsicht in eine Form der Regierungsbildung, die meinem Demokratieverständnis völlig widerspricht?

Ist eine derartige Wahl überhaupt erforderlich, wenn praktisch bereits vorher feststeht, dass eine oder mehrere zugelassenen Parteien trotz eines hohen Stimmenanteils keine Chance erhalten, ihre Wähler in den nächsten fünf Jahren so vertreten zu können, wie diese es eigentlich wollen?
Da wird Frau Lieberknecht, die der von voraussichtlich nur etwa einem Viertel aller Wahlberechtigten gewählten CDU angehört, zwar wieder stolz verkünden, sie habe von der Mehrheit der Bevölkerung den Auftrag zur Regierungsbildung bekommen. Da ich zu dieser „Mehrheit” jedoch nicht gehören will, da sie nun mal keine ist, bleibe ich lieber als „Wahlverdrossener” zu Hause.

Seit 1997 heißt es nun schon: Fahrt frei nach Wiehe

4. Juli 2014

Damals hat alles noch bescheidener angefangen, als es sich heute darstellt und trotzdem sprach man 1997 bereits von der Eröffnung Europas größter Modellbahnanlage. Für das im Osten des Kyffhäuserkreises liegende kleine Städtchen Wiehe begann eine bewegte Zeit, denn mit der von nun an weiter wachsenden Anlage, die auch größere Ausstellungshallen erforderte, setzte ein zunehmender Touristenverkehr ein, der bis heute nicht abgeebbt ist.


Heute beherbergen die Hallen A bis F sowie die Kaiserhalle mit einem Foyer ein Ausstellungsgelände von insgesamt 12.000 Quadratmeter Fläche, auf der sich den Besuchern eine faszinierende Miniaturwelt verschiedener Modellbahnanlage präsentiert.
In der Spurgröße HO kann dabei die Fahrt des legendären Orientexpresses nachvollzogen werden, dessen Züge über eine circa 40 Meter lange Gleisbrücke nach Thüringen umgeleitet werden können. Dabei entsteht in Verbindung mit der HO-Anlage „Thüringen” eine transeuropäische Modellbahnanlage, in der die Züge von London nach Istanbul und zurück rollen und dabei hin und wieder einen Abstecher nach Thüringen machen.

Natürlich bietet gerade diese Thüringen-Anlage eine Menge bekannter und interessanter Erlebnisbereiche, die sich liebevoll und detailgetreu gestaltet auf der Anlage wiederfinden. So fahren die Züge von insgesamt 125 Zuggarnituren auf rund zwei Kilometer Gleisen unter anderem über die Lengenfelder Brücke, steuern bei Bedarf das Bahnbetriebswerk Meiningen an, lassen im Erfurter Bahnhof einen ICE passieren und bieten in der Nähe von Eisenach freie Sicht auf die Wartburg.

Großes Interesse findet auch die Modellbahnanlage, die die Harz-, Brocken- und Selketalbahn im Miniaturformat verkehren lassen. Hauptattraktionen auf dieser Anlage sind zweifellos die spiralförmige Auffahrt der Züge auf den Brocken, der Bahnhof Alexisbad mit seiner Doppelausfahrt und die Nachgestaltung der Westerntorkreuzung in Wernigerode.
Im Maßstab einer Gartenbahn durchqueren in der Halle F die Züge die USA von Ost nach West und bieten dabei Einblicke in die verschiedenen Landschaftsformen und auf markante Städte in den Staaten.
Schließlich wird auf der modernsten Anlage der Ausstellung in der Modellbaugröße TT, die früher vorrangig in der DDR verbreitet war, ein Teil des Streckennetzes des ICE-Verkehrs vorgestellt.

Ein besonderer „Leckerbissen” für alle Freunde von Modellbauten ist das in einer gesonderten Schauanlage vorgestellte Schloss Linderhof - eines der Märchenschlösser König Ludwigs von Bayern. Und falls sich während der sicher höchst interessanten Betrachtung all der Modelle und Anlagen bei dem einen oder anderen Hunger oder Durst regen, so können diese in einem kleinen Restaurant, dass ähnlich eines Eisenbahnwagens gestaltet ist, gestillt werden.

Teufelslöcher statt Riesending

23. Juni 2014

Nach nunmehr 12 Tagen konnte vergangenen Donnerstag die Rettung des verunglückten Höhlenforschers Westhauser aus dem „Riesending” erfolgreich abgeschlossen werden. Die damit verbundenen täglichen Berichte über diese Aktion, die in dieser, über riesige Dimensionen verfügenden Höhle ablief, hat bei mir irgendwie eine Assoziation zu den bei Jena liegenden „Teufelslöchern” ausgelöst.
Zwar haben diese fast gar nichts mit Deutschlands längsten und tiefsten Höhle gemeinsam, doch eine kleine Faszination geht auch von diesen, in den Jenaer Kernbergen liegenden Steinformationen aus.


Immerhin schmücken sich die Teufelslöcher mit der Bewertung, zu den ersten, urkundlich erwähnten Höhlen in Deutschland zu gehören. Ihre Entdeckung fällt in das Jahr 1319 und nur die Entdeckung des „Volkmarskellers” in Blankenburg wurde bereits 363 Jahre früher urkundlich datiert.
Der Sage nach wurden die Teufelslöcher von Studenten entdeckt, die hier einen siebenköpfigen Drachen fanden, der immerhin als eines der „7 Wunder” Jenas in dessen Stadtgeschichte einging.

Die zwei Höhlen liegen im Stadtgebiet Jenas am Fuße des Muschelkalk-Bergzuges der Kernberge. Entstanden sind sie durch die Auswaschungen von Gips und eine spätere Erweiterungen infolge des Abbaus von Alabaster, der um das Jahr 1800 erfolgte und für den Bau des neuen Residenzschlosses in Weimar zum Einsatz kam. Die heute verschlossenen Höhlen liegen in einer grotesk anmutenden Steinformation, die sich durch ihre markante Schichtung auszeichnet. Wie aus einigen vorliegenden Beschreibungen hervorgeht, dürften die Gänge und Höhlen etwa hundert Meter in den Berg hinein reichen.

Neben einem der Höhleneingänge entspringt eine kleine Quelle. Hier ist auch ein Gedenkstein zu finden, der an Alexander von Humboldt erinnert, der 1792 die Teufelslöcher in seiner damaligen Funktion als Assessor der preußischen Bergbauverwaltung aufsuchte. Nur zehn Jahre später beschäftigte sich Johann Wolfgang von Goethe mit den Teufelslöchern, der sie für einen eingeschränkten Besucherverkehr zugänglich machen wollte.

Heute sind die Teufelslöcher zum Lebensraum bedrohter Fledermausarten, wie der Kleinen Hufeisennase, dem Großen Mausohr und der Mopsfledermaus geworden. Sie finden über Fluglöcher Zugang zu den Höhlen, die aus Sicherheitsgründen ansonsten verschlossen sind. Auch Steinmarder nutzen sie tagsüber als Schlafplätze.
Das Gebiet rund um die Höhlen ist als Flächennaturdenkmal unter Naturschutz gestellt.

Was treibt der Teufel in Mühlhausen?

16. Juni 2014

Verlor der Teufel seinen Poncho tatsächlich in der Historischen Wehranlage von Mühlhausen? Vielleicht wird diese Frage anlässlich der am heutigen 13. Juni eröffneten Sonderausstellung beantwortet, die bis auf Weiteres in den zu den Mühlhäuser Museen gehörenden Historischen Wehranlagen zu sehen ist.

Die Stadt Mühlhausen besitzt als eine der wenigen Städte in Deutschland einen gut erhaltenen mittelalterlichen Stadtmauerring. Schon im 13. Jahrhundert wurde ihr etwa drei Kilometer langer Bau in Angriff genommen, der in den folgenden Jahrhunderten allerdings einige Veränderungen erfuhr. Noch bis heute sind rund 2,2 Kilometer der Stadtmauer und mit dem Frauentor immerhin eines der ursprünglichen vier Haupttore erhalten geblieben. In der Nähe des Tores bietet der Rabenturm einen schönen Ausblick auf die Stadt und ihre Umgebung.


Der in der Nähe des Frauentores befindliche Bereich der Stadtmauer kann nicht nur von außen besichtigt werden, sondern beherbergt auch einen Ausstellungsbereich der Mühlhäuser Museen, der jährlich von Mitte April bis Mitte November zum Besuch einlädt.
Neben der Dauerausstellung zur Wehrgeschichte und zur Festkultur der Stadt und zu den zahlreichen Stadtbränden wurde am 13. Juni eine Sonderausstellung mit Fotografien eröffnet, die von der 1988 in Mühlhausen geborenen Mareen Ledebur angefertigt wurden.
Sie arbeitet heute als freiberufliche Journalistin und hat sich in Verbindung mit ihrem fast zweijährigen Aufenthalt in Chile nun vor allem der lateinamerikanischen Sozialpolitik, den dort anzutreffenden Menschen und auch der anzutreffenden einzigartigen Natur zugewandt.

Die mit ihren Fotos gestaltete Ausstellung führt den Besucher durch verschiedene lateinamerikanische Länder, besucht das Feuerland und die Ruinenstadt Machu Picchu und bringt Eindrücke von ihrem Besuch auf der Osterinsel mit. Dabei wechseln sich die Aufnahmen von Landschaften mit Porträts der dort lebenden Menschen ab und führen den Betrachter so in eine ihm fremde Region „wo der Teufel seinen Poncho verlor”.
Wer mehr davon erfahren möchte, sollte wie ich diese Ausstellung besuchen und sollte dann in der Lage sein, die eingangs gestellte Frage sachkundig zu beantworten.