Meine Meinung zur Wahlverdrossenheit

18. Juli 2014

Gastbeitrag von Herrn Scholze:
Man möge es mir verzeihen, dass mit meiner Meinungsäußerung auf diesem so gar nicht politischen Internetportal heute wieder mal ein die Landespolitik tangierender Beitrag erscheint.
Ausgangspunk meiner Betrachtung ist das vor wenigen Tagen veröffentlichte Ergebnis einer aktuellen Umfrage zur politischen Stimmung in Thüringen, die von infratest-dimap im Auftrag des MDR durchgeführt wurde.

Danach könnten nach gegenwärtigem Stand lediglich vier Parteien in Landtag einzieher, der ja bekanntlich in circa zwei Monaten gewählt wird. Berücksichtigt man eine angenommene zu erwartende Wahlbeteiligung von etwa 60 Prozent bedeutet dies, dass etwa 23% aller in Thüringen wahlberechtigten Bürger der CDU, 19% der Linken, 12% der SPD und etwa 4% den Grünen einen tatsächlichen Auftrag zum Regieren geben würden.
Etwa 40% der Thüringer sind demnach von einer angeblichen Wahlverdrossenheit betroffen.

Mein Problem besteht nun darin, dass ich als Wähler, der beispielsweise die SPD wählt, mir eine von der CDU links gerichtete Politik erhoffe. Doch was passiert sicher wieder? Da die Linke in der Öffentlichkeit regelrecht diffamiert dargestellt wird, indem ihr unterstellt wird, sie wolle Verhältnisse einführen, wie sie in den schlechtesten Jahren in der DDR vorzufinden waren, ist doch wieder nur eine „große” Koalition in Sicht.
Nun sage ich mir, dass ein derartiges Verhalten, dem zweitstärksten Bereich der Wähler jede Chance einer Regierungsbeteiligung zu nehmen und dem drittstärksten Bereich nur eine - völlig ungeliebte - Alternative zu bieten, völlig undemokratisch ist. Warum sollte ich wählen, wenn ich von vornherein weiß, dass die Vertreter meiner Interessen sich sowieso denen anschließen werden, die ich nicht wähle? Ist das denn Wahlverdrossenheit oder nicht vielmehr eher die Einsicht in eine Form der Regierungsbildung, die meinem Demokratieverständnis völlig widerspricht?

Ist eine derartige Wahl überhaupt erforderlich, wenn praktisch bereits vorher feststeht, dass eine oder mehrere zugelassenen Parteien trotz eines hohen Stimmenanteils keine Chance erhalten, ihre Wähler in den nächsten fünf Jahren so vertreten zu können, wie diese es eigentlich wollen?
Da wird Frau Lieberknecht, die der von voraussichtlich nur etwa einem Viertel aller Wahlberechtigten gewählten CDU angehört, zwar wieder stolz verkünden, sie habe von der Mehrheit der Bevölkerung den Auftrag zur Regierungsbildung bekommen. Da ich zu dieser „Mehrheit” jedoch nicht gehören will, da sie nun mal keine ist, bleibe ich lieber als „Wahlverdrossener” zu Hause.

Seit 1997 heißt es nun schon: Fahrt frei nach Wiehe

4. Juli 2014

Damals hat alles noch bescheidener angefangen, als es sich heute darstellt und trotzdem sprach man 1997 bereits von der Eröffnung Europas größter Modellbahnanlage. Für das im Osten des Kyffhäuserkreises liegende kleine Städtchen Wiehe begann eine bewegte Zeit, denn mit der von nun an weiter wachsenden Anlage, die auch größere Ausstellungshallen erforderte, setzte ein zunehmender Touristenverkehr ein, der bis heute nicht abgeebbt ist.


Heute beherbergen die Hallen A bis F sowie die Kaiserhalle mit einem Foyer ein Ausstellungsgelände von insgesamt 12.000 Quadratmeter Fläche, auf der sich den Besuchern eine faszinierende Miniaturwelt verschiedener Modellbahnanlage präsentiert.
In der Spurgröße HO kann dabei die Fahrt des legendären Orientexpresses nachvollzogen werden, dessen Züge über eine circa 40 Meter lange Gleisbrücke nach Thüringen umgeleitet werden können. Dabei entsteht in Verbindung mit der HO-Anlage „Thüringen” eine transeuropäische Modellbahnanlage, in der die Züge von London nach Istanbul und zurück rollen und dabei hin und wieder einen Abstecher nach Thüringen machen.

Natürlich bietet gerade diese Thüringen-Anlage eine Menge bekannter und interessanter Erlebnisbereiche, die sich liebevoll und detailgetreu gestaltet auf der Anlage wiederfinden. So fahren die Züge von insgesamt 125 Zuggarnituren auf rund zwei Kilometer Gleisen unter anderem über die Lengenfelder Brücke, steuern bei Bedarf das Bahnbetriebswerk Meiningen an, lassen im Erfurter Bahnhof einen ICE passieren und bieten in der Nähe von Eisenach freie Sicht auf die Wartburg.

Großes Interesse findet auch die Modellbahnanlage, die die Harz-, Brocken- und Selketalbahn im Miniaturformat verkehren lassen. Hauptattraktionen auf dieser Anlage sind zweifellos die spiralförmige Auffahrt der Züge auf den Brocken, der Bahnhof Alexisbad mit seiner Doppelausfahrt und die Nachgestaltung der Westerntorkreuzung in Wernigerode.
Im Maßstab einer Gartenbahn durchqueren in der Halle F die Züge die USA von Ost nach West und bieten dabei Einblicke in die verschiedenen Landschaftsformen und auf markante Städte in den Staaten.
Schließlich wird auf der modernsten Anlage der Ausstellung in der Modellbaugröße TT, die früher vorrangig in der DDR verbreitet war, ein Teil des Streckennetzes des ICE-Verkehrs vorgestellt.

Ein besonderer „Leckerbissen” für alle Freunde von Modellbauten ist das in einer gesonderten Schauanlage vorgestellte Schloss Linderhof - eines der Märchenschlösser König Ludwigs von Bayern. Und falls sich während der sicher höchst interessanten Betrachtung all der Modelle und Anlagen bei dem einen oder anderen Hunger oder Durst regen, so können diese in einem kleinen Restaurant, dass ähnlich eines Eisenbahnwagens gestaltet ist, gestillt werden.

Teufelslöcher statt Riesending

23. Juni 2014

Nach nunmehr 12 Tagen konnte vergangenen Donnerstag die Rettung des verunglückten Höhlenforschers Westhauser aus dem „Riesending” erfolgreich abgeschlossen werden. Die damit verbundenen täglichen Berichte über diese Aktion, die in dieser, über riesige Dimensionen verfügenden Höhle ablief, hat bei mir irgendwie eine Assoziation zu den bei Jena liegenden „Teufelslöchern” ausgelöst.
Zwar haben diese fast gar nichts mit Deutschlands längsten und tiefsten Höhle gemeinsam, doch eine kleine Faszination geht auch von diesen, in den Jenaer Kernbergen liegenden Steinformationen aus.


Immerhin schmücken sich die Teufelslöcher mit der Bewertung, zu den ersten, urkundlich erwähnten Höhlen in Deutschland zu gehören. Ihre Entdeckung fällt in das Jahr 1319 und nur die Entdeckung des „Volkmarskellers” in Blankenburg wurde bereits 363 Jahre früher urkundlich datiert.
Der Sage nach wurden die Teufelslöcher von Studenten entdeckt, die hier einen siebenköpfigen Drachen fanden, der immerhin als eines der „7 Wunder” Jenas in dessen Stadtgeschichte einging.

Die zwei Höhlen liegen im Stadtgebiet Jenas am Fuße des Muschelkalk-Bergzuges der Kernberge. Entstanden sind sie durch die Auswaschungen von Gips und eine spätere Erweiterungen infolge des Abbaus von Alabaster, der um das Jahr 1800 erfolgte und für den Bau des neuen Residenzschlosses in Weimar zum Einsatz kam. Die heute verschlossenen Höhlen liegen in einer grotesk anmutenden Steinformation, die sich durch ihre markante Schichtung auszeichnet. Wie aus einigen vorliegenden Beschreibungen hervorgeht, dürften die Gänge und Höhlen etwa hundert Meter in den Berg hinein reichen.

Neben einem der Höhleneingänge entspringt eine kleine Quelle. Hier ist auch ein Gedenkstein zu finden, der an Alexander von Humboldt erinnert, der 1792 die Teufelslöcher in seiner damaligen Funktion als Assessor der preußischen Bergbauverwaltung aufsuchte. Nur zehn Jahre später beschäftigte sich Johann Wolfgang von Goethe mit den Teufelslöchern, der sie für einen eingeschränkten Besucherverkehr zugänglich machen wollte.

Heute sind die Teufelslöcher zum Lebensraum bedrohter Fledermausarten, wie der Kleinen Hufeisennase, dem Großen Mausohr und der Mopsfledermaus geworden. Sie finden über Fluglöcher Zugang zu den Höhlen, die aus Sicherheitsgründen ansonsten verschlossen sind. Auch Steinmarder nutzen sie tagsüber als Schlafplätze.
Das Gebiet rund um die Höhlen ist als Flächennaturdenkmal unter Naturschutz gestellt.

Was treibt der Teufel in Mühlhausen?

16. Juni 2014

Verlor der Teufel seinen Poncho tatsächlich in der Historischen Wehranlage von Mühlhausen? Vielleicht wird diese Frage anlässlich der am heutigen 13. Juni eröffneten Sonderausstellung beantwortet, die bis auf Weiteres in den zu den Mühlhäuser Museen gehörenden Historischen Wehranlagen zu sehen ist.

Die Stadt Mühlhausen besitzt als eine der wenigen Städte in Deutschland einen gut erhaltenen mittelalterlichen Stadtmauerring. Schon im 13. Jahrhundert wurde ihr etwa drei Kilometer langer Bau in Angriff genommen, der in den folgenden Jahrhunderten allerdings einige Veränderungen erfuhr. Noch bis heute sind rund 2,2 Kilometer der Stadtmauer und mit dem Frauentor immerhin eines der ursprünglichen vier Haupttore erhalten geblieben. In der Nähe des Tores bietet der Rabenturm einen schönen Ausblick auf die Stadt und ihre Umgebung.


Der in der Nähe des Frauentores befindliche Bereich der Stadtmauer kann nicht nur von außen besichtigt werden, sondern beherbergt auch einen Ausstellungsbereich der Mühlhäuser Museen, der jährlich von Mitte April bis Mitte November zum Besuch einlädt.
Neben der Dauerausstellung zur Wehrgeschichte und zur Festkultur der Stadt und zu den zahlreichen Stadtbränden wurde am 13. Juni eine Sonderausstellung mit Fotografien eröffnet, die von der 1988 in Mühlhausen geborenen Mareen Ledebur angefertigt wurden.
Sie arbeitet heute als freiberufliche Journalistin und hat sich in Verbindung mit ihrem fast zweijährigen Aufenthalt in Chile nun vor allem der lateinamerikanischen Sozialpolitik, den dort anzutreffenden Menschen und auch der anzutreffenden einzigartigen Natur zugewandt.

Die mit ihren Fotos gestaltete Ausstellung führt den Besucher durch verschiedene lateinamerikanische Länder, besucht das Feuerland und die Ruinenstadt Machu Picchu und bringt Eindrücke von ihrem Besuch auf der Osterinsel mit. Dabei wechseln sich die Aufnahmen von Landschaften mit Porträts der dort lebenden Menschen ab und führen den Betrachter so in eine ihm fremde Region „wo der Teufel seinen Poncho verlor”.
Wer mehr davon erfahren möchte, sollte wie ich diese Ausstellung besuchen und sollte dann in der Lage sein, die eingangs gestellte Frage sachkundig zu beantworten.

Erlebnisreise auf einer kleinen Teilstrecke der Kanonenbahn

28. Mai 2014

Der Begriff der „Kanonenbahn” wurde vom Volksmund geprägt und fand Verwendung für militärstrategische Eisenbahnstrecken. Als deren bekannteste gilt die circa 800 Kilometer lange Strecke zwischen Berlin und der französischen Stadt Metz, die in zahlreichen Teilabschnitten erbaut wurde und ab 1882 durchgehend befahrbar war.
Allerdings erhielt der durchgehende Verkehr auf dieser Strecke nie eine große Bedeutung, da sie kaum an industriellen Ballungszentren vorüberführte. So entwickelten sich die einzelnen Abschnitte der Strecke recht unterschiedlich und teilweise Einstellungen des Verkehrs führten schließlich zur Unterbrechung eines durchgehenden Verkehrs.


Auch Abschnitte des durch Thüringen führenden Streckenteils, der in den Tälern von Lutter und Frieda durch Bereiche des heutigen Naturparks Eichsfeld-Hainich-Werratal führt, sind inzwischen stillgelegt. So fand 1992 auch eine letzte Sonderfahrt auf der Strecke zwischen Dingelstädt und Geismar statt. Allein auf diesem Abschnitt führte die Strecke durch fünf Tunnel und über vier Viadukte. Zu Letzteren gehört auch ein den Ort Lengenfeld am Stein in einer Höhe von 24 Metern überspannender Viadukt.

Im Jahr 2002 gründete sich in diesem Ort ein Kanonenbahnverein, der Teile der inzwischen stark verwachsenen Strecke schrittweise wieder freilegte und befahrbar gestaltete. Heute sind im Sommerhalbjahr auf der Strecke Lengenfeld über dem Stein nach Großbartloff und zurück oder bis ins 13,6 Kilometer entfernte Küllstedt Fahrten mit Fahrraddraisinen möglich, die jeweils vier oder sieben Personen Platz bieten. Von denen müssen jeweils zwei beziehungsweise drei kräftig in die Pedalen treten.
Für kleinere Gruppen bis zu zwölf Personen kann seit Kurzem auch eine Elektrodraisine angemietet werden.

Sofort nach dem Start wird das Lengenfelder Viadukt überquert. Vorüber am Barockschloss Bischofstein fährt man dann durch den ersten, als Entenbergtunnel bezeichneten Tunnel. Auf dem weiteren Weg nach Küllstedt, der übrigens recht stetig bergauf führt, verläuft die Strecke durch eine idyllische Mittelgebirgslandschaft und vorüber an einigen Haltepunkten. Drei weitere Tunnel folgen und die Umgebung zeigt sich nun etwas felsiger.
Dann wartet die dunkle Passage des 1530 Meter langen Küllstedter Tunnels auf die Besatzungen der Draisinen. Dieser Tunnel wird von zwei schönen Portalen eingefasst. Kurz hinter dem dann folgenden Büttstedter Viadukt endet die Tour am Bahnhof in Küllstedt.

Die Rückfahrt verläuft danach wesentlich kräfteschonender fast ausschließlich bergab. Maximal vier Stunden Zeit stehen den Draisinebesatzungen für die Absolvierung von Hin- und Rückfahrt und ein insgesamt einmaliges Erlebnis zur Verfügung.
Wer dagegen weniger Zeit und Kraft aufbringen will, der kann die wesentlich kürzere Tour per Draisine zwischen Lengenfeld und Geismar in Angriff nehmen.