Thüringens größtes Musikfestival

17. April 2014

Gegenwärtig befinden wir uns bereits mittendrin in Thüringens größtem Musikfestival, das im Freistaat mit den Thüringer Bachwochen zwischen dem 11. April und 04. Mai dieses Jahres stattfindet.
Begonnen haben die damit im Zusammenhang stehenden Veranstaltungen bereits am 08. März, als in Weimar eine zwölfstündige Hommage zu Ehren des 300. Geburtstages von Carl Philipp Emanuel Bach stattfand. Carl Philipp Emanuel war der zweite der überlebenden Söhne Johann Sebastian Bachs, der durch seine Weltoffenheit und Bildung, vor allem aber durch seine Lehrtätigkeit und seine Kompositionen von Werken für Tasteninstrumente zum berühmtesten Sohn des noch viel berühmteren Vaters wurde.


Einige seiner Werke, die größtenteils in der langen Zeit entstanden, in der Carl Philipp Emanuel Bach im Dienste Friedrichs des Großen stand und natürlich auch Werke seines Vaters wurden am 08. März bei insgesamt 11 hintereinander veranstalteten Konzerten von verschiedensten Künstlern in Weimar dargeboten. Veranstaltungsorte waren die Stadtkirche St. Peter und Paul, der Festsaal des Fürstenhauses und das Schießhaus. Alle Auftritte erfolgten gratis, wobei die Erlöse nun dem Projekt „Bachhaus Weimar” zugutekommen.

Nun laufen seit dem 11. April die Thüringer Bachwochen, die am Abend des gleichen Tages zur langen Nacht der Hausmusik einluden. Diese Veranstaltungen fanden in zahlreichen Städten aber auch in kleineren Orten wie beispielsweise in Themar, Lemnitz oder Greußen statt.
Ab diesem Tag ist nun mit Weimar der Ort zum Zentrum dieses Festivals geworden, in dem Johann Sebastian Bach über 30 seiner Kantaten komponierte und auch die Frühfassung seiner Brandenburgischen Konzerte entstand. Darüber hinaus wird auch an das Jahr 1714 erinnert, in dem Bach Konzertmeister der Weimarer Hofkapelle wurde und sein Sohn Carl Philipp Emanuel das Licht der Welt erblickte. Zahlreiche Werke dieser beiden großen Komponisten und weitere Werke aus dieser barocken bis romantischen Epoche kommen nun in den Spielorten der Bachwochen zur Aufführung. Neben Weimar, Erfurt und Meiningen gehören Dornheim, Mühlhausen, Ettersburg, Gotha, Ohrdruf, Wilhelmsthal und Waltershausen dazu. Und selbstverständlich werden auch Eisenach, wo sich das Bachhaus und die Taufkirche Bachs befinden sowie Dornheim mit der Traukirche des Komponisten dazugehören.
Wer mehr über das Leben und die Wirkungsstätten der beiden Bachs erfahren möchte, der hat im Verlaufe des Festivals die Möglichkeit, sich einer der durch Weimar, Erfurt, Eisenach, Ohrdruf oder Mühlhausen verlaufenden Führungen anzuschließen. Einige davon finden auch an den Osterfeiertagen statt.

Eine besondere Würdigung erfährt schließlich die Bachstadt Weimar mit dem die Thüringer Bachwochen beschließenden, vom 30. April bis zum 04. Mai veranstalteten Bachfest Weimar.

Auf den Spuren des Pummpälz nach Moorgrund

11. April 2014

Schon mal vom Pummpälz gehört? Wenn nicht dann lohnt sich eine Wanderung auf dem 28 Kilometer langen Wanderweg zwischen der Wartburg bei Eisenach und der künstlich geschaffenen Ruine Frankenstein bei Witzelroda ebenso als wenn Ihnen dieser kleinen Kobolt schon längere Zeit bekannt ist. (Über eine Wanderung zur Ruine Frankenstein haben wir bereits berichtet.)
Wie die Sage berichtet, bestand die Aufgabe dieses kleinen, aber sehr agilen Kobolds darin, den Menschen dabei zu helfen, auf den richtigen Weg zu kommen. Heute gelangt man bei einer Wanderung auf dem Pummpälzweg an 22 sagenhafte Orte, an denen liebevoll gearbeitete Holzskulpturen von den Taten dieses Kobolds berichten, die sich unter anderem auch in einer Sage von Ludwig Bechstein wiederfinden.


Wer diese Strecke zu Fuß oder per Rad bezwingt, dem bietet sich dabei die Möglichkeit, mittels eines über das Internet bestellten oder an einer Auslesestation erworbenen Chips sich an fünf Kontrollstationen einzuloggen und danach an einer der Auslesestationen eine Urkunde über diese durchgeführte Vital-Tour ausdrucken zu lassen.

Südlich des Hubertushauses bei Ruhla führt der zweite Teil des Weges weitestgehend durch das Gebiet der Einheitsgemeinde Moorgrund. Bei ihr handelt es sich um einen Gemeindeverbund, in dem etwa 3.500 Einwohner zu Hause sind und der aus Gemeinden wie Möhra, Witzelroda, Gräfen-Nitzendorf oder dem, als die Wiege des Pummpälz bezeichneten Gumpelstadt besteht. Alle zur Einheitsgemeine Moorgrund gehörenden Orte sind übrigens mit einem gut ausgebauten Radwegenetz verbunden, auf denen sich durchaus auch Inlineskater wohlfühlen.

Einst war der Moorgrund als ein großes Feuchtgebiet bekannt, in dem sich auch ein später entwässertes Moor befand. Damals wurden in dem Tal Kupferminerale gefunden, von deren Abbau heute noch einige mittelalterliche Bergwerksstollen zeugen.
In der Gemeinde Möhra befindet sich seit dem Jahr 1861 ein Lutherdenkmal. Auf einem Sockel, der von Motivtafeln mit Szenen aus dem Leben des Reformators eingesäumt wird, thront ein großes Standbild Martin Luthers, dessen Vorfahren einst hier wohnten. Neben dem Denkmal erinnern daran auch das Lutherstammhaus, die Lutherkirche und ein Lutherweg, der von Möhra zum Ort seiner Gefangennahme nahe des Bergdorfes Steinbach führt.
In Möhra befindet sich außerdem ein sehenswerter Geflügelpark, der sich vor allem den thüringer Geflügelrassen widmet. Nähere Infos gibt es hier.

Neben den schönen Fachwerkhäusern, die ebenfalls in Möhra zu entdecken sind, befindet sich mit dem Jagdhaus Kissel ein beachtenswertes Baudenkmal, in dem als beliebtes, vom Pummpälzweg aus erreichbares Ausflugsziel eine schöne Gaststätte zur Einkehr einlädt.

Salzquellen und Salinen

4. April 2014

Der Zufall wollte es, dass ich vor einiger Zeit auf eine kleine Sage stieß, die von der Petersquelle in der Nähe von Greiz erzählt. Bei dieser Quelle handelt es sich um eine sogenannte Kluftquelle, bei der Wasser aus Gesteinsspalten quillt. Dass es trüber wirkt als normales Grundwasser ist deutlich in dem Auffangbecken nahe des Wasseraustritts zu sehen. Das hier an die Oberfläche gelangende Wasser gilt nicht als Trinkwasser und besitzt einen dreifach höheren Salzgehalt als Mineralwasser.


Auf der Suche nach weiteren Salzquellen im Freistaat Thüringen stieß ich zunächst auf eine Quelle, die westlich von Sülzenbrücken, einem zur Wachsenburggemeinde gehörenden Ort entspringt. Sie befindet sich am Rande des Apfelstädter Rieds an der die Drei Gleichen mit dem Geopark Inselsberg verbindenden Burgenroute. Bei ihr, die bereits vor Jahrhunderten als Jungbrunnen und Heiligtum verehrt wurde, tritt das salzhaltige Wasser aus einer Kalksteinspalte hervor. Heute ist ihr Salzgehalt jedoch kaum noch wahrnehmbar, da das unterirdische Salzdepot inzwischen wahrscheinlich erschöpft ist. Der als Salzquelle von Sülzenbrücken bekannte Ort hat sich jedoch mit einer an ihm befindlichen Sitzgelegenheit einen Namen als Ausflugsziel gemacht.

An die einst im Werratal reichlich vorhandenen Salzquellen erinnert auf Thüringer Territorium die Saline Salzungen. Neben Bad Sulza ist hier eines der beiden Letzten in Thüringen in Betrieb befindlichen Gradierwerke zu besichtigen. Heute ist es Teil des Keltenbades der Kurstadt.
Das Werratal wurde bereits seit etwa der Zeitenwende für seine Salzquellen geschätzt und zeitweise deshalb sogar umkämpft. Bereits im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung kämpfte der damals hier ansässige Volksstamm der Hermunduren um den Besitz derartiger Quellen.
Spätestens im 8. Jahrhundert wurde in der Saline Salzungen kostbares Salz gewonnen, das damals noch im Verfahren des Pfannensiedens aus der Steinsalzsole gewonnen wurde. Erst Jahrhunderte später erfolgte die Umstellung auf Gradierhäuser und das zugehörige Gradierverfahren. Zu Spitzenzeiten wurden in Salzungen mit diesem Verfahren jährlich bis zu 15.000 Tonnen Salz erzeugt.

In Sad Sulza zeugt neben dem Gradierwerk „Luise” das Saline- und Heimatmuseum von den Spuren der Förderung der Sole aus teilweise recht tiefen Schächten.
Zeugnisse weiterer ehemaliger Salinen finden sich im Erfurter Stadtteil Stotternheim, am Standort der erst 1999 stillgelegten Saline Oberilm sowie in Form der ehemaligen Fabrikgebäude einer seit 1964 außer Betrieb genommenen ehemaligen Saline in Artern.

Ursprüngliche Dörfer am Rande der Hohen Schrecke

28. März 2014

Der Höhenzug der Hohen Schrecke erstreckt sich auf einer circa 30 km² großen Fläche auf der Thüringer Seite entlang der Landesgrenze zu Sachsen Anhalt. Vom im Nordwesten gelegenen Ort Braunsroda, einem Ortsteil der Stadt Heldrungen bis kurz vor Lossa im Südosten ist diese Region zu weiten Teilen von geschlossenen Buchenwäldern bedeckt. In diesen haben unter anderem Wildkatzen und Schwarzstörche einen Lebensraum gefunden.


Jetzt wurde vor wenigen Tagen ein bereits schon längere Zeit geplantes Naturschutzprojekt gestartet, das von Bund, Land und einer Naturstiftung finanziert in den kommenden zehn Jahren insgesamt 12,1 Millionen Euro dafür bereitstellen wird. Hauptziel soll es dabei sein, Artenschutz, Erholung, Forstwirtschaft und nachhaltige Energiegewinnung zu fördern und in Übereinstimmung zu bringen. Etwa ein Drittel der Region am Rande des Thüringer Beckens soll sich dabei wieder zu einem Urwald verwandeln. Näheres über das Förderprojekt findet sich auf der offiziellen Website des Projekt unter Hohe-Schrecke.net.

Umgeben ist das umfangreiche Waldgebiet, in dem auch einige Freiflächen wieder aufgeforstet werden sollen von Gemeinden, die oft etwas zu Unrecht im Schatten der bekannteren Urlaubsregionen Thüringens stehen.
So befindet sich ganz im Süden der Hohen Schrecke die Gemeinde Großmonra, die zu den ältesten Orten in Deutschland gehört. Ihr Ortsbild wird von einigen größeren Höfen und hübschen Fachwerkhäusern geprägt. Im Norden der als Startpunkt für Ausflüge in das Waldgebiet geeigneten Gemeinde sind noch die Reste einer frühgeschichtlichen Wallburganlage, der Monraburg zu erkennen.

Einige Kilometer weiter östlich liegt der zur Stadt Rastenberg gehörende Ort Bachra. Durch das mit einem kleinen Schloss und einer Heimatstube aufwartenden Bachra führen der Finne- und der Mühlenwanderweg. In drei Kilometer Entfernung vom Ort beginnt ein erst 2009 eingeweihter Kreuzweg, der auf 14 Stationen den Leidensweg Jesus nachvollziehbar werden lässt und der zu einer Barmherzigkeitsgrotte führt.
Am südwestlichen Ende der Hohen Schrecke liegt mit der Gemeinde Gehofen ein Ort, in dem zahlreiche ansässige Vereine viele Veranstaltungen organisieren. Vom Ort aus lässt sich das Unstruttal sowohl auf dem Wasser als auch per Rad erkunden und auch der Kyffhäuser befindet sich sozusagen vor der Haustür.

Im Westen grenzt die Schmücke an das Waldgebiet der Hohen Schrecke. Ganz in deren Nähe ist die Gemeinde Beichlingen zu finden, die mit ihrer Schlossanlage, in der sich heute ein Hotel befindet und einer kleinen Dorfkirche ein attraktives Dorfbild zu bieten hat. Hier finden Sie nähere Infos und Fotos von Schloss Beichlingen. Im Ortsteil Altenbeichlingen kann eine restaurierte Turmholländer-Windmühle bestaunt werden.
Mit Ostramonda, Reinsdorf oder Nausitz verdienen weitere Orte in der Umgebung der Hohen Schrecke eine Erwähnung, in denen manche Entdeckung gemacht werden kann und die sich gleichzeitig als ideale Ausgangspunkte für Wanderungen oder Radtouren durch diese landschaftlich schöne Gegend anbieten.

Kommt sie oder kommt sie nicht?

21. März 2014

Die Beantwortung dieser Frage bezieht sich auf den geplanten aber wohl noch nicht 100-prozentig in „trockenen Tüchern” befindlichen Neubau der im Jahr 1945 zerstörten Linkenmühlenbrücke. Diese schloss einst die Lücke im Verlauf der Landstraße 1100, die nahe der Linkenmühle den oberen Bereich der Hohenwartetalsperre in Richtung Altenroth überquerte.

Nachdem eine aus dem Jahr 1889 stammende Brücke im Zuge des Baus und der Inbetriebnahme der Talsperre abgerissen wurde, verzögerte sich ein vorgesehener Neubau bis in die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Erst im Jahr 1944 wurde die eiserne Linkenmühlenbrücke im Betrieb genommen, jedoch bereits im April 1945 wie manch andere Brücke über die Saale wieder gesprengt.
Während nach Kriegsende die meisten dieser Brücken wieder erneuert wurden, ist die Überquerung der angestauten Saale bei der Linkenmühle bis heute lediglich auf einer Fähre möglich.


Dies tat zwar der Entwicklung der Linkenmühle zu einem beliebten Ausflugslokal kaum Abbruch, jedoch wirkte sich das Fehlen einer Saaleüberquerung an dieser Stelle fortan recht negativ auf die Versorgungslage der in dieser Region vorhandenen Dörfer aus.

Nun hat vor einiger Zeit der Unternehmer und Landrat des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt Hartmut Holzhey die Idee wieder aufgegriffen, und einen Neubau der Linkenmühlenbrücke angeregt. Als dann im September 2013 Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht verkündete, dass der Freistaat deren Wiederaufbau mit bis zu vier Millionen Euro fördern wolle, schienen die Tage der Mühlenfähre bereits gezählt.

Nun aber scheint einiges doch noch zu klären. So die Problematik des Baurechts, für das beabsichtigt ist, einen bereits vor rund 80 Jahren erwirkten Planfeststellungsbeschluss zugrunde zu legen. Weiterhin scheint die erforderliche Zusammenarbeit mit dem benachbarten Saale-Orla Kreis, der die Hoheit über das südliche Ufer der Talsperre besitzt, noch offene Fragen zu haben. Denn beide Landkreise müssten sich wohl zumindest auch an der Finanzierung entstehender Folgekosten aus dem Bauvorhaben beteiligen.
Schließlich bleibt abzuwarten, welche Einwände noch bestimmte Verbände und Vereine aus dem Ärmel zaubern, denn Kleine Hufeisennasen (eine Fledermausart) oder bunte Schmetterlinge soll es nicht nur an Dresdens Waldschlösschenbrücke geben.

Mit dem Bekanntwerden der Brückenbaukosten in Höhe von 5,6 Millionen Euro, die von einem Weimarer Ingenieurbüro veranschlagt werden, ist außerdem noch eine Finanzierungslücke von 1,6 Millionen Euro zu schließen.
Entstehen soll nach dem Abbruch der Reste der alten Brücke letztendlich eine als „Vierfeldbrücke als Stahlverbundquerschnitt” bezeichnete Brücke, über die neben der Fahrbahn auch ein Wander- und Radweg führen soll.