Scheiden tut weh - oder doch nicht?
Dienstag, den 27. April 2010Nun wird also in wenigen Tagen der letzte Schritt vollzogen - am 30. April wird der ehemalige Thüringer Ministerpräsident Dieter Althaus letztmalig an einer Plenarsitzung des Thüringer Landtages teilnehmen. Gleichzeitig vollzieht sich an diesem Tag die endgültige Niederlegung seines Mandats als CDU-Abgeordneter.
Damit verabschiedet sich der über sechs Jahre als Ministerpräsident Thüringens fungierende und als treuer Weggefährte unserer Bundeskanzlerin geltende Dieter Althaus vorläufig oder auch endgültig von der politischen Bühne und wechselt wie schon viele Politiker vor ihm in die ertragreichen Gefilde wirtschaftlicher Chefetagen.
Wobei sich betreffs geäußerter Schuldgefühle die Meinungen zum Verhalten von Herrn Althaus nach seinem schweren Skiunfall mit tödlichem Ausgang und der erlittenen eigenen Verletzung bereits recht differenziert gestalteten. So manchem wäre damals sicher ein an den Tag gelegter Wesenszug wie der der ehemaligen Bischöfin Käßmann zumindest sympathischer und irgendwie auch moralisch notwendiger erschienen.
Nachdem er im Zusammenhang mit der letzten Landtagswahl in Thüringen von den Anhängern seiner eigenen Partei mehr oder weniger demontiert wurde und er die erlittene Niederlage nur mit einem Rücktritt vom Rücktritt verkraftete, wird er nun beim österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna als Verantwortlicher für Marketing und Absatz für alle VW-Gruppen in ein neues Betätigungsfeld einsteigen. Kritik an seinem unmittelbaren Wechsel von einer verantwortungsvollen Position in der Politik in eine solche in der Wirtschaft wurde von Dieter Althaus in bereits bekannter Manier als “Neid” abgetan.
Nun sollen diese kritisch gefärbten Bemerkungen in keiner Weise die Verdienste von Dieter Althaus als Ministerpräsident des Freistaates Thüringen schmälern. Das betrifft seine zumindest teilweise erfolgreichen Bemühungen um die zukunftsfähige Gestaltung der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik ebenso wie seine Rolle als Vorsitzender im Kolping-Bildungswerk, das die Förderung benachteiligter junger Menschen in den Mittelpunkt seiner Tätigkeit stellt.
Gönnen wir also dem nach eigener Aussage körperlich und geistig wieder fit gewordenen Dieter Althaus ohne eine Spur von Neid sein neues Amt und wünschen ihm dabei noch mehr Erfolg als in anderen Lebenslagen.

