Monatsarchiv für Mai 2010

Wenn im Leutratal die Orchideen blühen

Dienstag, den 25. Mai 2010

Es ist wieder einmal soweit – im Leutratal blühen die zu den botanischen Kostbarkeiten zählenden Orchideen. Manche versteckt, klein und unscheinbar, andere wiederum von einer schon von weither sichtbaren Schönheit. Ungefähr von Anfang Mai bis teilweise in den Monat Juli hinein sind vor allem am südlich liegenden Talhang eines der ältesten Naturschutzgebiete Deutschlands, dem Leuratal, circa 25 Arten der immer seltener werdenden Pflanzen zu beobachten. Um zumindest einen Teil von ihnen auch tatsächlich zu Gesicht zu bekommen, lohnt auf alle Fälle die Teilnahme an einer der in den Monaten Mai und Juni jeweils Samstag, Sonntag und an Feiertagen durch das NABU-Infozentrum Leutratal angebotenen Orchideenführungen.

Hier, wo sich das unscheinbare Flüsschen der Leutra ihren Weg durch den grauweißen Muschelkalk hin zur Saale gesucht hat, sind durch den kalkreichen Untergrund und das Vorhandensein der zum Überleben der Orchideen notwendigen Wurzelpilzgeflechte die Voraussetzungen gegeben, das Arten wie das Brand-Knabenkraut, die Korallenwurz, die Weiße Waldhyazinthe oder das Große Zweiblatt heimisch geworden sind. Manche Art trägt auch einen etwas seltsam klingenden Namen, denkt man beispielsweise an das Weiße Waldvögelein, den Europäischen Frauenschuh, die Bienenragwurz oder gar die Bocksriemenzunge. Letztere hat ihre Bezeichnung wohl der Tatsache zu verdanken, dass sie nachts einen nach Ziegenbock riechenden, ziemlich streng wirkenden Duft verbreitet.

Die Führungen, die sich als erfrischende Abwechslung während eines Urlaubs in Jena anbieten, führen durch das etwa fünf Kilometer lange Tal der Leutra, dauern zwei bis drei Stunden und werden sowohl für Einzelpersonen als auch für Gruppen angeboten. Treffpunkt ist das NABU-Informationszentrum Leutra. Dabei sind bei den Touren auf mancherorts recht steilen Pfaden neben den Orchideen in dem teils dichten Buschwerk der Hänge auch Vertreter unserer gefiederten Freunde wie Dorn- und Gartengrasmücke, Zilpzalp oder die Feldlerche zu beobachten.
Favoriten bleiben jedoch die an Farben und Formen so vielfältigen Blüten der Orchideen, die hier wie auch in einigen anderen Gebieten Thüringens hoffentlich noch lange beheimatet sind und die damit dazu beitragen können, allen Naturfreunden einen erlebnisreichen Start in den jährlichen Sommer, der hoffentlich etwas wärmer ausfällt als der bisherige Frühling, zu ermöglichen.

Koalitionsstreit über Gemeinschaftsschulen in Thüringen

Dienstag, den 18. Mai 2010

Wieder einmal ist es soweit - die Koalitionäre von Schwarz und Rot haben die Fehdehandschuhe erneut geworfen, um sich gegenseitig Vorwürfe zu machen, anstatt ein bereits im Koalitionsvertrag geregeltes Projekt einer zügigen und gemeinsamen Lösung zuzuführen.
Nach den Koalitionsstreit um die Kindergarten-Reform im Dezember 2009, bei dem es um die verzögerte Umsetzung des Familien-Volksbegehrens ging und dem Streit um den Haushalt 2010, bei dem die Einsparvorschläge der CDU von der SPD nicht akzeptiert wurden, ist nun im Bereich der Bildung ein neuer Streit um das Schulsystem entbrannt.

Nicht mehr und nicht weniger als die Zukunft des Thüringer Schulsystems ist Gegenstand des Streits zwischen den Landtagsfraktionen von CDU und SPD. Dabei schien der einzuschlagende Weg bereits klar zu sein, da im Koalitionsvertrag die Einführung der Gemeinschaftsschule in Thüringen vereinbart war. Nun aber will die CDU - wie bereits beim Streit um die termingerechte Durchführung des Familien-Volksbegehrens - den gemeinsam vereinbarten Weg verlassen und schlägt das Konzept einer Oberschule vor.
Dabei solle die Regelschule zu einer Oberschule ausgebaut werden, in der die Schüler neben dem Haupt- und Realschulabschluss ebenfalls das Abitur ablegen könnten. Bei diesem vom CDU-Landtagsfraktionschef Mohring vorgeschlagenen Konzept wäre eine zusätzliche Prüfung für den erfolgreichen Realschulabschluss erforderlich, nach deren Bestehen an einem beruflichen Gymnasium oder in der Oberstufe der Oberschule das Abitur erworben werden könne. Damit will die CDU das frühere System der Auswahl der Schüler nach bereits vier Klassen fortsetzen.
Das von der SPD und ihrem Bildungsminister Matschie favorisierte, im Koalitionsvertrag vereinbarte Projekt der Gemeinschaftsschule soll dagegen neben der Regelschule und dem Gymnasium etabliert werden und sieht ein gemeinsames Lernen bis zur achten Klasse vor. In der Gemeinschaftsschule sollen alle drei Abschlüsse erworben werden können.

Dabei wird die Verwirrung um Inhalte und Bedeutung der vielen Schultypen für so manchen braven Durchschnittsbürger langsam zum Problem. Real- und Hauptschule, Regel- und Gesamtschule, Förder- und Sonderschule, Grundschule sowie Gymnasium und Fachgymnasium bilden mittlerweile ein nahezu unentwirrbares Konglomerat von Schulen, dessen Inhalte nur noch die sogenannten Experten verstehen.
Da scheint die Kritik der Fraktion der Linken nicht ganz unangebracht, die der Koalition und besonders der CDU mit ihrem Streit eine weitere Verunsicherung von Eltern, Lehrern und Schülern vorwirft, anstatt ein vernünftiges, gemeinsames Konzept für das Thüringer Schulsystem zu entwickeln.

Nicht nur alle Fußballfans jubeln….

Montag, den 17. Mai 2010

Aus gegebenem Anlass wollen wir heute mit einer Meldung aus dem Nachbarbundesland Sachsen in den tag starten. Schließlich hat die Mannschaft von Erzgebirge Aue mit einem furiosen Endspurt ihr Ziel erreicht, mit dem Belegen des zweiten Platzes in der 3. Liga den direkten Aufstieg in die 2. Bundesliga zu schaffen.
Damit gehört man nun wieder zur kleinen Schar der Spitzenmannschaften in den neuen Bundesländern, für die finanzielle Mittel, das Management und die entsprechende Lobby scheinbar nicht ausreichen, um wieder einmal den Sprung nach ganz oben - sprich in die erste Bundesliga zu vollziehen.
Dabei hätte es ein solch traditionsreicher Club wie der in Aue durchaus verdient, einmal die Bayern oder Bremen im Bergmannsrevier zu empfangen.

Als 1989 nach 39 Jahren ununterbrochener Zugehörigkeit zur Oberliga der DDR die “Veilchen”, wie sie wegen ihrer lilafarbenen Trikots auch genannt wurden und werden, erstmals in den sauren Apfel des Abstiegs beißen mussten, ging für sie eine Ära zu Ende, die ihre Höhepunkte bereits in den fünfziger Jahren hatte. Damals noch als SC Wismut Karl-Marx-Stadt agierend, sorgten Spieler wie Willy Tröger, Bringfried Müller, die Brüder Karl und Siegfried Wolf und der Spielmacher Manfred Kaiser dafür, dass die Mannschaft zwischen 1956 und 1959 dreimal DDR-Meister wurde. Internationale Gegner wie Rapid Wien, IFK Göteborg oder Ajax Amsterdam fürchteten damals das heimische Otto-Grotewohl-Stadion, in dem die Mannschaft trotz ihres ihr “zuerkannten” Namens spielen durfte.

Allerdings ging die Leistungskurve der ab 1964 wieder unter dem Namen BSG Wismut Aue spielenden “Veilchen” danach leider nach unten. Die besten Spieler konzentrierten sich in den Fußballzentren Berlin, Dresden, und Leipzig, so dass vorrangig mit Kampfgeist und Zweikampfhärte versucht werden musste, diesen Teams Parole zu bieten.
Allerdings reichte dies nicht aus, um weiter die Spitze der DDR Oberliga mit zu gestalten und gegen prominente internationale Vereine antreten zu dürfen.
So kam es, wie es kommen musste - der Abstieg war Ende der 80er Jahre nicht mehr zu vermeiden und kurz darauf ereilte auch Aue das Schicksal der anderen Fußballclubs der DDR. Wismut fand sich plötzlich im Amateur-Bereich wieder. 1993 erfolgte die Umbenennung des Vereins in Erzgebirge Aue. Nach mehreren Jahren Zugehörigkeit zur Regionalliga gelang 2003 der Aufstieg in die zweite Bundesliga, die Erzgebirge Aue nach einigen Jahren im Mittelfeld 2008 für zwei Jahre wieder verlassen musste.

Nun hat der Verein die erneute Chance, sich neben Energie Cottbus, Union Berlin und vielleicht auch Hansa Rostock in der 2. Bundesliga zu beweisen und vielleicht irgendwann einmal wieder dafür zu sorgen, dass eine “Ost-Mannschaft” wieder erstklassig wird. Träumen ist doch erlaubt - oder?

Mühlhäuser Musiktage mündeten unmittelbar in die Mühlhäuser Marienkonzerte 2010

Donnerstag, den 6. Mai 2010

Sozusagen mit dem Abschluss kam der Beginn - eine Aussage, die für das hochkarätige Konzert am 1. Mai dieses Jahres in der Mühlhäuser Marienkirche unter Mitwirkung des Blechbläserensemble des Gewandhauses und des MDR-Sinfonieorchesters Leipzig sowie des Stadtorganisten Denny Ph. Wilke voll zutraf. Während mit der “Festlichen Musik für Blechbläser, Pauken und Orgel” die vom 10. April bis 01. Mai 2010 stattfindenden Mühlhäuser Musiktage ihren Abschluss und zugleich ihren Höhepunkt erfuhren, begann gleichzeitig die Reihe der sieben Konzerte im Rahmen der Mühlhäuser Marienkonzerte 2010.

Der Blick zurück auf die 15 Veranstaltungen der diesjährigen Mühlhäuser Musiktage lässt uns noch einmal an das Musik- und Kneipenfestival “Honky Tonk” in den angesagtesten Lokalen der Stadt unter Mitwirkung von 13 Bands, die mit Pop, Rock, Jazz und Soul die zahlreichen Besucher des Eröffnungstages in Stimmung brachten, erinnern. Nicht minder stimmungsvoll verlief der Boogie-Woogie-Abend am 17. April im Puschkinhaus, während eine Woche danach die Sängerin Katja Ebstein in der Kulturstätte Schwananteich ein kritisch-satirisches und teilweise auch besinnliches Konzert bot. Am gleichen Abend klang auch das Nachwuchsfestival “Rock oder Flop” im Mehrgenerationenhaus aus.
Eine Besonderheit der diesjährigen Musiktage war die Tatsache, dass sechs Veranstaltungen für die Schüler der Mühlhäuser Schulen reserviert waren. So erlebten rund 120 von ihnen eine interessante Orgelführung mit dem Stadtorganisten, andere erlebten ihre erste Oper und das Kennenlernen von Geschichtenliedern. Auch ein Ausflug in die Geschichte des Jazz war weiteren Schülern vorbehalten.

Vor den Mühlhäuser Bürgern und ihren Gästen, die häufig extra aus dem Umland wie Bad Langensalza oder Eisenach anreisen, stehen dagegen nun noch sechs weitere Marienkonzerte. Stattfinden werden sie alle in der zweitgrößten Kirche Thüringens, die als ein Meisterwerk gotischer Baukunst gleichzeitig den höchsten Kirchturm des Freistaates besitzt und in der bereits Thomas Müntzer als Pfarrer wirkte. Die Konzerte verteilen sich auf den Zeitraum von Juni bis Dezember und werden von der Mühlhäuser Museumsnacht am 05. Juni bis einschließlich Silvester ein abwechslungsreiches Programm bieten. Dabei wird der Sauer-Orgel der Marienkirche stets eine hervorragende Rolle zuteil werden, wenn der Stadtorganist Denny Ph. Wilke oder mehrere Gastorganisten ihr Können an diesem Instrument unter Beweis stellen. Werke von J. S. Bach oder Robert Schumann stehen dabei ebenso auf dem Programm wie ein Sommerliches- und ein Weihnachtliches Orgelkonzert.

Mühlhausen und seine Bürger können sich wahrlich glücklich schätzen, so vielfältige musikalischen Ereignisse erleben zu dürfen.