Monatsarchiv für Juni 2010

Liegt Südafrika in Thüringen?

Mittwoch, den 30. Juni 2010

Eigentlich eine ganz klar zu beantwortende Frage - trennen doch Thüringen und Südafrika nicht nur der Äquator, sondern auch an die 8.500 Kilometer. Und doch ist bei genauerem Betrachten ein Umstand zu entdecken, der die aufgeworfene Frage nicht ganz so abwegig erscheinen lässt.
Man denke nur an die Berichterstattung hinsichtlich von Kriminalität und allgemeiner Sicherheit im Land der Fußballweltmeisterschaft, bevor das Ereignis begann. In Zeitungsberichten, Reportagen und Fernsehbeiträgen wurde den ach so braven Bürgern unseres Landes von den Zuständen in Südafrika ein düsteres, ja oft sogar gefährliches Bild gemalt. Diebstahl, Raub und Belästigungen seien in diesem unsicheren Land Südafrika an der Tagesordnung - auch wenn die meisten Vorkommnisse in der Nacht geschehen würden.
Und da seien ja auch die vielen Schwarzen, deren Absichten und Beweggründe der eventuell nach Südafrika Reisende schon gar nicht mit Sicherheit zu erkennen vermöge…

Nachdem nun fast drei Wochen das Fußballspektakel auf der Südhalbkugel unseres Erdballs beachtliche Teile der Bevölkerung in aller Welt in seinen Bann zieht, wobei viele Spieler und auch Schiedsrichter sich wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert haben, sei doch auch einmal die Frage erlaubt, welche und wie viele der vorhergesagten beängstigenden Ereignisse nun die gut vorgewarnten Besucher Südafrikas erdulden mussten.
Aus meiner Sicht und der mir vorliegender Informationen kann ich da nur urteilen, es muss wohl nicht so dramatisch verlaufen sein, wie uns vorher suggeriert wurde. Niemand entführt, kaum ein beachtenswerter Diebstahl bekannt geworden, keine Meldung über Ausschreitungen - in dieser Hinsicht war die ganze Fußballweltmeisterschaft augenscheinlich eine recht harmlose Geschichte.

Aber halt, hat sich da vielleicht etwas ohne unsere Wahrnehmung verändert? Hat sich ein Teil von Südafrika doch nach Thüringen verlagert?
Schauen wir doch mal in die lokalen Nachrichten aus unserem Bundesland Thüringen und beschränken wir uns dabei auf die Tage vom 28. bis zum 30. Juni.
Da rauben zwei falsche Polizisten in Erfurt einen Passanten aus. Buntmetalldiebe stehlen aus einem Schacht der Oberhofer Bob- und Rennschlittenbahn 500 Meter Kupferkabel. Einem jugendlichen Einbrecher-Duo, das bereits im Mai gestellt wurde, konnten mittlerweile 37 Straftaten nachgewiesen werden. Und vor dem Suhler Waffenmuseum wurden ein Fußballfan attackiert.

Kann da nicht so ein klitzekleiner Verdacht aufkommen, dass Südafrika vielleicht doch…?

Weitere Ungewissheit um das Geraer Arboretum - fehlt der Wille oder der Sachverstand?

Dienstag, den 22. Juni 2010

Man möchte es kaum glauben, als Folge der Schließung der Berufsschule in Gera-Liebschütz zum 31.07.2010 hat das Arboretum Gera-Liebschütz plötzlich keine Zukunft mehr. Weder der Landkreis Greiz, noch die Stadt Gera oder auch das Land Thüringen haben bisher ernsthafte Bemühungen gezeigt, um diese einzigartig zu nennende Gehölzsammlung am Leben zu erhalten.
Da sich an dieser Stelle so manch einer fragen wird, warum auch, soll das Arboretum hier kurz vorgestellt werden.

Unter Leitung des Agrarpraxislehrers Siegfried Holzschuher wurde in den vergangenen zehn Jahren unter aktiver Mitarbeit der Schüler, die in der Berufsschule unter anderem als Gärtner, Florist/-in oder Mechaniker für Land- und Baumaschinentechnik ausgebildet wurden, eine großflächige Gehölzsammlung angelegt. Grundlage hierfür waren Pflanzen aus eigener Anzucht, Tausch von Saat- und Pflanzmaterial sowie der Ankauf seltener Gehölze, der größtenteils durch Spenden finanziert wurde. Partnerschaften mit anerkannten Institutionen wie dem Forstbotanischen Garten Tharandt oder der Bayerischen Landesversuchsanstalt für Wein- und Gartenbau Veitshöchheim unterstützten wirkungsvoll die Zunahme des Bestandes und dessen überregionale Bedeutung. Ein 23 Meter tiefer Brunnen für die eigene Wasserversorgung wurde angelegt und schließlich erreichte das Arboretum auf circa 1,5 Hektar Fläche einen Bestand von über 1.400 Arten und Sorten von Laub- und Nadelgehölzen.
Seit 2005 steht die Anlage bei regelmäßigen Führungen für interessierte Besucher offen.

Die Gera-Liebschwitzer Anlage übertrifft damit alle anderen Thüringer Gehölzsammlungen, so auch den Botanischen Garten Jena oder den Forstbotanischen Garten Wasungen. Besonders die Sammlungen spezieller Gehölzgattungen, wie die 71 Varietäten des Ginkgo, als deren umfangreichste Sammlung in Europa oder die 120 Arten und Sorten von Magnolien mit bisher unbekannten Farbvarianten und Blütengrößen ragen dabei noch heraus. Japanische Kaisereichen, die strauchartige Heidelbeerblättrige Eiche oder eine Stein-Eiche gehören zu den 137 Exemplaren von Eichen und zahlreiche verschiedene Mammutbäume setzen Laien und Fachpublikum in Erstaunen.

Nun aber gab es am zurückliegenden Sonntag, den 20. Juni, die vorerst letzte Führung für etwa 250 Besucher.
Denn seit dem 2. März dieses Jahres ist die Frage der weiteren Nutzung des Geländes unbeantwortet, die Zukunft dieser großartigen Anlage völlig ungewiss.
Nun will man versuchen, im internationalen Jahr der Artenvielfalt mittels Petitionen an die zuständige EU-Kommission in Brüssel und an verschiedene Landes- und Bundespolitiker Aufmerksamkeit und Verständnis dafür zu erreichen, dass dieses Arboretum es wert ist, trotz Schließung der Schule erhalten zu werden um mit seinen Raritäten und Beständen den Spezialisten und den interessierten Laien weiter zur Verfügung zu stehen.

Als abschließende Frage sei auf die gewählte Überschrift verwiesen!

Wie steht es um den Tourismus in Thüringen?

Donnerstag, den 17. Juni 2010

Erholung in herrlicher Natur in der Mitte Deutschlands, Wandern auf gut ausgebauten Wegen eines rund 16.000 Kilometer langen Wegenetzes, eintauchen in die Kultur eines Luther, Goethe, Schiller oder Bach, erkunden imposanter Burgen und Schlösser und nicht zuletzt entspannen und relaxen in romantischen Kurorten oder historischen Städten - all dies bietet das Reiseland Thüringen seinen zahlreichen Gästen.

Doch wie steht es um den Tourismus am Rennsteig, dem Kyffhäuser, im Nationalpark Hainich oder in Weimar, Eisenach oder Bad Langensalza?
Eigentlich nicht schlecht, auch wenn die alte Weisheit gilt, dass alles immer noch etwas besser sein könnte.
Deshalb soll zuerst einmal die Statistik bemüht werden. 2009 hatte der Thüringer Tourismus zum dritten Mal in Folge einen Zuwachs zu verzeichnen. So stieg die Zahl der Übernachtungen gegenüber dem Vorjahr um 1,9 Prozent, während die Anzahl der Gäste um 2,4 Prozent stieg. Dabei ist allerdings ein leichter Rückgang der ausländischen Gäste zu verzeichnen. Er ging auf 227.000 Besucher um ein Prozent zurück, wobei deren Zahl an Übernachtungen aber stieg. Den Löwenanteil aller ausländischen Gäste stellten mit über 22 Prozent unsere niederländischen Nachbarn, denen mit deutlichem Abstand die Schweizer und Österreicher folgten. Mit 5 Prozent waren unter den “Top 10″ die Touristen aus den USA die einzigen außereuropäischen Vertreter.

In der Entwicklung der ostdeutschen Tourismuswirtschaft ist eine ähnliche Tendenz in allen fünf Bundesländern zu verzeichnen, in denen insgesamt im Jahr 2009 22,8 Millionen Gäste empfangen wurden, wobei der dabei zu verzeichnende Zuwachs ausschließlich durch Gäste aus dem Inland resultiert.
Bei der Zunahme an Übernachtungen rangiert Thüringen an zweiter Stelle. Dazu leisten die vier Städte Erfurt, Weimar, Eisenach und Jena und einige Landkreise einen überdurchschnittlichen Beitrag. Erfreulich ist, dass sich die Gästezahlen im zurückliegenden Jahr auch in einigen bisher weniger frequentierten Gebieten spürbar erhöhten. Dazu zählen der Landkreis Eichsfeld, der Kyffhäuser- und der Saale-Holzland-Kreis, das Weimaer Land und Teile des Altenburger Landes.

Nun wird es sich zeigen, wie reisefreudig die Menschen das Jahr 2010 bestreiten werden und welche Rolle dabei der Freistaat Thüringen spielen wird. Zumindest haben die vorzüglichen Wintersportbedingungen in den Monaten Januar und Februar zu einer ersten, vergleichbaren Steigerung des Gästeaufkommens geführt.
Damit ist der Anfang gemacht für ein für alle erfolgreiches touristisches Jahr 2010.

Rückläufige Beteiligung an der Wahl der BürgermeisterInnen in Thüringen

Freitag, den 11. Juni 2010

Nachdem im Herbst 2008 die damals regierende CDU-Landesregierung die Stichwahl abgeschafft hatte, führte diese Maßnahme zumindest zu keiner Erhöhung der Wahlbeteiligung. Im Gegenteil, im Vergleich zur Wahlbeteiligung vor sechs Jahren, lag die vom 06. Juni dieses Jahres mit 53,2 Prozent um 10,2 Prozent unter der der zurückliegenden Wahl.
Bei der Suche nach möglichen Ursachen für diese unbefriedigende Tendenz kann die so gern benutzte These von der allgemeinen Politikverdrossenheit diesmal nicht überzeugend ins Feld geführt werden. Gehörten doch mehr als zwei Drittel der circa 900 zur Wahl stehenden Kandidaten keiner Partei an, sondern bewarben sich Vertreter von freien Wählergemeinschaften, von Vereinen oder der Feuerwehr um die meist ehrenamtlich zu besetzende Funktion eines Bürgermeisters. Eher könnte als eine Hauptursache die bescheidene Anzahl von Bewerbern gelten. So trat in rund 500 der knapp 700 Thüringer Kommunen, in denen gewählt wurde, jeweils nur ein Bewerber zur Wahl an.
Etwa 600 Bürgermeister traten für eine Verlängerung ihrer Amtszeit an und in 28 Kommunen suchte der Wähler vergeblich nach einem Namen auf dem Stimmzettel.
Damit war nur in etwa 160 der Gemeinden eine echte Wahl zwischen mehreren Bewerbern möglich, während in den meisten Orten nur nach der Zustimmung oder Ablehnung für einen einzigen Kandidaten beziehungsweise eine Kandidatin gefragt werden konnte.Dabei kommt doch auch und gerade in den kleineren Gemeinden der Funktion des Bürgermeisters als Verantwortlichem für die Vorbereitung und Umsetzung von Beschlüssen des Gemeinderates, als Chef der Verwaltung und Repräsentant und gesetzlichem Vertreter der Gemeinde eine nicht zu unterschätzende Bedeutung zu. Allerdings scheint diese als auszuübende ehrenamtliche Tätigkeit nicht gerade erstrebenswert zu sein - anders ist die mangelnde Bereitschaft sich dafür zur Wahl zu stellen, kaum zu erklären.
Ein Blick auf die gewählten Mandatsträger aus den Reihen der Parteien zeigt eine eindeutige Dominanz der CDU. Sie konnte 133 Mandate erringen, während SPD, FDP und Linke zusammen nur 36 Mandate erhielten.

Nun heißt es abwarten, wie sich Wahlbeteiligung und Anzahl der Kandidaten bei weiteren Kommunalwahlen und der nächsten Wahl in sechs Jahren gestalten. Sicher ist gegenwärtig nur, dass dann wieder Stichwahlen möglich sind, die im Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung von CDU und SPD vorgesehen sind.