Monatsarchiv für Juli 2010

Eindrücke vom MDR-Sommernachtsball in Bad Salzungen

Donnerstag, den 29. Juli 2010

Am vergangenen Freitag, dem 24. Juli war die Festwiese am Bad Salzunger Burgsee der zweite Veranstaltungsort der diesjährigen MDR-Sommernachtsbälle.
Nach Steinach und vor den weiteren Stationen in Sömmerda, Weida und Bad Blankenburg wurden dieses Mal Bühne und Tanzfläche auf keinem Marktplatz, sonder auf der Festwiese mit Seeblick errichtet. Und da auch der Wettergott ein Einsehen hatte und den Regen rechtzeitig in andere Gebiete umleitete, standen Tanz und einer anspruchsvoller Unterhaltung in einer lauen Sommernacht nichts mehr im Wege.
Annähernd 3000 Gäste, von denen viele bestimmt ihren Urlaub in Bad Liebenstein verbringen, nahmen dann auch dankend die Einladung unter dem Leitthema “Schick anziehen und tanzen” - ohne Eintritt - auf der Festwiese im Kurpark an dem romantischen Burgsee in Bad Salzungen an, um bei einer kessen Sohle auf der leider etwas klein ausgefallenen Tanzfläche eine der beliebten Open-Air-Nächte des MDR zu genießen.

Natürlich fehlten auch Vertreter von MDR 1 Radio Thüringen und dem MDR Thüringen Journal nicht. So plauderten Peter Rüberg und die Wetterfee Sandra Voigtmann mit ihrem Publikum, während die “Pallas Show Band” mit ihrem Sound für eine exzellente Ball-Stimmung sorgte. Eröffnet wurde der Sommernachtsball von einem frisch vermählten Brautpaar, das mit der ganzen Hochzeitsgesellschaft auf dem Ball vorbei schaute. Dadurch war von Beginn an die Tanzfläche gut gefüllt und so mancher versuchte sich aus Platzmangel auch in der seltenen Disziplin des Rasentanzes.
Begeisterung lösten sowohl die Darbietungen eines Meister-Tanzpaares als auch die des Diabolo Duos “Golden Time” aus. Letzteres ermutigte auch einige Nachahmer unter den Zuschauern zu einigen mehr oder weniger gelungenen und mit donnerndem Applaus belohnten Versuchen.

Als ein gelungener Höhepunkt des MDR-Sommernachtsballs gestaltete sich die Suche nach einer angeblich vor 400 Jahren, von keinem geringeren als Till Eulenspiegel, im Burgsee versenkten Glocke.
Erst war es die erfolgreiche Suche nach einer von zwei Ratsherren versteckten Miniaturausführung derselben und zu später Stunde wurde begleitet von einem imposanten Feuerzauber die historische Glocke vom Grund des Sees geborgen.
Das leibliche Wohl kam bei all dem ebenfalls nicht zu kurz und so wurde diese Ball-Nacht zu einem rundum gelungenen Ereignis, das den zahlreichen Besuchern sicher noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Mit einem gemeinsam gesungenen Schlusslied klang der MDR-Sommernachtsball 2010 in Bad Salzungen schließlich aus.

Gibt es denn nichts Wichtigeres?

Dienstag, den 20. Juli 2010

Ja, das ist so eine Sache, in der heutigen Zeit darf es nun mal nichts geben, wofür nicht auch ein paar dagegen sind - oder? Das ist eigentlich ein ganz normaler Zustand, wenn da nicht immer gleich ganze Aktionen losgetreten würden, bei denen der Eindruck erweckt wird, das ganze Vaterland oder zumindest entscheidende Bereiche der Menschenrechte seien in Gefahr.

Nehmen wir mal das Beispiel des Schleizer Dreiecks, einer Naturrennstrecke die vor 88 Jahren ins Leben gerufen wurde und die gemeinsam mit inzwischen hunderttausenden Besuchern auf eine wechselvolle aber auch durchaus erfolgreiche Vergangenheit zurückblicken kann. Höhepunkte wie ein Lauf der Motorradklassen zur ersten Gesamtdeutschen Meisterschaft im Jahr 1950 oder die späteren Formel 3-Rennen und Namen wie die von Heinz Rosner, Uli Melkus oder dem Ungarn Janos Drapal sind zumindest den älteren Motorsportfreunden noch immer ein Begriff.

Natürlich musste der ursprüngliche Streckenverlauf mehrfach den veränderten Bedingungen angepasst werden, bis schließlich 2004 die neueste, auf reichlich 3,8 Kilometer Länge verkürzte Strecke, die nach wie vor entgegen dem Uhrzeigersinn befahren wird, wieder eröffnet werden konnte.
Und viele Menschen finden es sicher auch der heutigen Zeit entsprechend, dass eine solche Rennstrecke nur wirtschaftlich betrieben werden kann, wenn jährlich nicht nur eine oder zwei Veranstaltungen auf ihr stattfinden.

Aber spätestens an dieser Stelle schlug die Stunde der Protestanten und Neinsager. Unter dem Aushängeschild von Ökologie, Lärmschutz und Mitspracherecht begann der Kampf mit Demos, Anfechtungen und Klagen gegen das von vielen geliebte Dreieck. Und da wurden trotz moderner Schallschutzmaßnahmen die übrig gebliebenen Geräusche, die mancher eben trotzdem nicht mag, zu Lärm stilisiert und aus Abgasen werden gefährliche Feinstaubwolken gegen all das es sich lohnt, ausdauernd anzugehen.

Und spätestens an diesem Punkt entstehen einige Fragen.
Müssten da nicht Bewohner von vielen Städten, die ihren Wohnsitz an Durchgangsstraßen oder in der Nähe von Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel haben, permanent protestieren und demonstrieren?
Oder warum stehen heutzutage friedliche Bürger mit einer Unterschriftenliste vor unserer Haustür, mit der Bitte, mit unserer Unterschrift gegen etwas zu protestieren, was noch lange keine beschlossene oder ausgereifte Sache ist?
Und warum wird dieser “Volkeswille” nicht dazu genutzt, um Missstände ganz anderer Art anzuprangern, die da heißen könnten Gesundheitsreform, Sparen an der falschen Stelle oder Umverteilung von unten nach oben?
Bleiben diese Angelegenheiten Sache der Parteien, obwohl der normale Bürger mit ihnen mindestens genau so konfrontiert wird, wie die Schleizer mit einigen Motorsportveranstaltungen auf dem Schleizer Dreieck oder manchmal ein paar Fledermäuse mit dem Neubau einer Straße?

Vielleicht ist es einfach bequemer, kleinere und unbedeutendere Anlässe dazu zu nutzen (oder zu missbrauchen?) seinen Frust abzulassen, als sich für Dinge einzusetzen, deren Veränderung zumindest aus meiner Sicht notwendiger und sinnvoller wäre.

Zur 555. Wiederkehr des legendären Kidnapping von Altenburg

Mittwoch, den 14. Juli 2010

Was waren das wohl für Zeiten, als Ritter Kunz von Kauffungen hoch zu Ross im Dienste seines Herren Friedrich des Sanftmütigen Mitte des 15. Jahrhunderts in dessen mehrjährigem Krieg gegen seinen Bruder aus dem kurfürstlichen Hause Wettin, Herzog Wilhelm III. ins Feld zog. Wie sich später noch oft wiederholen sollte, wurde dessen ritterliches Handeln jedoch nicht belohnt - im Gegenteil, er verlor dabei Teile seiner bescheidenen Ländereien, Sachwerte und auch seines Geldes. Und als er für diesen Verlust den Ersatz des Schadens vom Kurfürsten forderte, erhielt er nichts als Hohn und böse Worte.
Wen wundert es da, dass der gute Kunz mit einigen seiner Getreuen zum letzten Mittel griff, um seinen mehr oder weniger berechtigten Forderungen Nachdruck zu verleihen und in der Nacht vom 7. zum 8. Juli 1455 die beiden Söhne Friedrichs II., Ernst und Albrecht kurzerhand entführte?
Damals wusste übrigens noch keiner, dass die beiden Prinzen Ernst und Albrecht Jahre später zu Begründern der beiden Länder Thüringen und Sachsen wurden. Die Entführung aber ging - wie auch immer - schief, der Ritter Kunz wurde gefasst und nur wenige Tage danach in Freiberg hingerichtet.

So weit, so gut - viel Zeit ging danach ins Land, bis sich 1955 einige Laiendarsteller in der damaligen DDR dieser spektakulären Geschichte annahmen und diese am Originalschauplatz, im Altenburger Schlosshof zur Aufführung brachten.
Weitere 50 Jahre vergingen, bis schließlich unter professioneller Leitung der heutigen Theater & Philharmonie Thüringen eine jährliche Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen wurde, die sich inzwischen riesiger Beliebtheit und großen Zuspruchs erfreut.

Vor wenigen Tagen, am 11. Juli 2010, ging nun die diesjährige Veranstaltungsreihe mit insgesamt 15 Aufführungen zu Ende. Wie immer in den letzten Jahren mit großem Erfolg und wie immer stand im Mittelpunkt der Aufführungen der legendäre Prinzenraub, der jedoch jährlich unter einem anderen Aspekt der Geschichte betrachtet wird und damit immer auch etwas neues bietet.
Auf der 60 mal 60 Meter großen Bühne, die dieses Mal in Richtung des Altenburger Hausmannsturms bespielt wurde, konnten die begeisterten Zuschauer wieder großartige Massenszenen, tolle Stunts und Tier-Aktionen sowie gepfefferte Dialoge erleben.
Rund 450 Mitwirkende, davon etwa 200 aus der Region um Altenburg gestalteten die Aufführungen, zu denen wieder auch ein attraktives Rahmenprogramm, gestaltet von Hofnarr, Marketenderinnen, Akrobaten und Schwertkämpfern und den Rabenbrüdern gehörte. Und auch die Händler aus der Region trugen ihren Teil zum Gelingen des Ganzen bei.

Die Zahl der professionellen Aufführungen seit 2005 hat sich nunmehr auf 69 erhöht. Rund 75.000 Zuschauer haben mittlerweile das Spektakel verfolgt und der auch dieses Jahr wieder zu verzeichnende Erfolg der Veranstaltungen wird sicher mit dazu beitragen, dass es nicht die letzten waren. Zahlreiche Besucher unternehmen extra für dieses Schauspiel eine Kurzreise nach Thüringen, um sich Jahr für Jahr die neue Inszenierung anzusehen.

Possi will wohl keine zwei Männer…

Mittwoch, den 7. Juli 2010

Wenige Kilometer südlich von Sondershausen, auf einer Hochfläche der Hainleite, befindet sich der Freizeit- und Erholungspark Possen. Ein denkmalgeschütztes Ensemble von Gebäuden und eine Parkanlage, errichtet und angelegt im 18. und 19. Jahrhundert, bildet sozusagen den Kern dieses beliebten Ausflugsziels, das um ein Bungalowdorf, verschiedene Tiergehege und ein schmuckes Restaurant mit Biergarten im und am Jagdschloss erweitert wurde.
Außer dem teilweise noch barock ausgestatteten Jagdschloss befinden sich auf dem Gelände des Freizeit- und Erholungsparks noch ein 1762 erbauter, 38 Meter tiefer Schaubrunnen, der Possenturm, der mit 42 Meter Höhe und seinem Entstehungstermin von 1781 höchste und älteste Fachwerkturm Europas und schließlich noch ein Bärenzwinger.

Und eben dieser Bärenzwinger, der bereits seit 1867 besteht, jedoch im Jahr 1998 entsprechend der gesetzlichen Vorgaben umgestaltet wurde, ist seit 14 Jahren die Heimatadresse der gleichaltrigen Bärendame Possi, die hier das Licht der Welt erblickte. Bis vor wenigen Tagen lebte Possi gemeinsam mit dem Braunbären Balou in harmonischer Eintracht in diesem Zwinger und ließ sich dabei von den zahlreichen Besuchern gern bewundern und manchmal wohl auch ein bisschen verwöhnen.
Doch das hat sich vorerst einmal geändert - nämlich als vor wenigen Tagen ein fescher Braunbärenmann aus Spanien, namens Pepe die traute Zweisamkeit beendete. Nun hat Possi den lieben, langen Tag damit zu tun, dem zweiten männlichen Bewohner der Anlage fauchend ihre Drohgebärden zu zeigen und auch schon mal nach ihm zu schnappen. Und manchmal fühlt sich Balou dann noch dazu veranlasst, sie dabei zu unterstützen.
Zwar zeigt sich der körperlich überlegene Pepe bis jetzt recht duldsam und reserviert und erwidert gleiches nicht mit gleichem. Wie lange noch, das wird sich zeigen - es sei denn Possi gibt ihre eigentlich unbegründete Haltung auf und sagt sich, dass eigentlich zwei Männer besser sind als einer oder gar keiner.

Dabei bleibt eine Frage bestehen: Gibt es da etwa einen Zusammenhang mit dem Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen die Spaniens am heutigen Mittwoch in Durban an der Ostküste Südafrikas ? Ob etwa Pepe schon ahnt, dass er als Spanier gegen eine deutsche Übermacht chancenlos bliebt? Na, warten wir es ab, wer gewinnt und welche Position Pepe danach gegenüber Possi bezieht!