Monatsarchiv für August 2010

Das diesjährige Kunstfest Weimar hat begonnen

Mittwoch, den 25. August 2010

Nun sind wir schon mittendrin - mittendrin im “pelerinages” Kunstfest Weimar 2010, das sich in diesem Jahr unter dem Motto “Irrlichter” der Grenze zwischen Genie und Wahnsinn widmet.
Eröffnet wurde es mit der Konzertreihe “Gedächtnis Buchenwald” und der prächtig aufgelegten Staatskapelle Weimar unter ihrem Dirigenten Michael Boder am 20. August und der Eröffnungsmatinee am darauf folgenden Tag, an der auch Nike Wagner zu Wort kam. Sie, als Urenkelin von Franz Liszt und Richard Wagner, lenkt ja die Geschicke des Weimarer Kunstfestes bereits seit 2004, das sicher auch in diesem Jahr bis zum 12. September in Weimar und Erfurt wieder ein breites Publikum begeistern wird.

In den Wallfahrten, die dem Begriff “pelerinages” entsprechen, zu den über 30 Veranstaltungen kommen dabei Musik, Theater, Tanz und Bildende Kunst zu ihrem Recht und loten jeweils auf ihre Art und mit ihren Mitteln die Grenzen zwischen Genie und Wahnsinn aus.
Da ist zum einen das Filmfest im Kunstfest 2010, für das Volker Schlöndorff als Schirmherr gewonnen werden konnte, in dem in schaurig schönen Bildern die Irrlichter der Filmgeschichte mit der Faszination des früheren Horror-Kinos wieder zum Leben erweckt werden. Präsentiert werden sie vom Bauhaus Film-Institut Weimar.
Im Genre Musik werden Werke vom “Hausheiligen” des Kunstfestes, Franz Liszt, von zwei äußerst namhaften russischen Pianisten gespielt. Eine TanzMedien-Performance wird im Gebäude des zum Weltkulturerbe gehörenden Bauhaus vorbereitet und in einer öffentlichen Abschlusspräsentation am 29. August einem sicher interessierten und fachkundigen Publikum vorgestellt.

Neben einigen beliebten Veranstaltungen mit Kinderbetreuung erhalten Kinder und Jugendliche die Möglichkeit, ihre eigene Erfahrungen mit den verschiedenen Kunstgattungen zu machen. Diesem Anliegen dienen auch einige Angebote für die Schulen in der Region.
Gemeinsam mit der Thüringischen Landeszeitung veranstaltet “pelerinages” Kunstfest Weimar auch sommerliche Gesprächsrunden zu den Projekten und Themen dieser Saison.

Aus der breiten Palette der zahlreichen Veranstaltungen sollen drei Ereignisse, die sicher zu den Höhepunkten des Kunstfestes zählen werden, diese kurze Betrachtung des Kunstfestes Weimar 2010 abschließen. Da wäre zum einen die am 5. September am Treffpunkt Wittumspalais beginnende literarische Nachtwanderung unter dem Motto “Irrgehen” zu nennen.
Zum anderen besteht an verschiedenen Veranstaltungsorten die Möglichkeit, eines von vier Kammerkonzerten, unter anderem mit den mehrfach preisgekrönten Geschwistern Widmann (Violine und Klarinette) zu besuchen. Und schließlich gehören mehrere Filmabende der Merce Cunnigham Dance Company in verschiedenen Häusern zu den sicher herausragenden Programmpunkten des diesjährigen Kunstfestes.

Wer kurzfristig noch eine der Veranstaltungen besuchen möchte und noch auf der Suche nach einer ansprechenden Unterkunft in Weimar ist, findet nachfolgend beispielsweise ein Hotel in Weimar oder eine Ferienwohnung in Weimar.

Lutherkirche in Apolda und das Lutherjahr 2017

Donnerstag, den 19. August 2010

Als ein welthistorisches und ökumenisches Großereignis bezeichnete der Vizepräsident des Kirchenamtes der EKD unlängst das 500. Reformations-Jubiläum im Jahr 2017. Damit wird gleichzeitig der Höhepunkt der gegenwärtig laufenden Lutherdekade erreicht, der sich neben der Hauptstadt Berlin und dem sachsen-anhaltinischen Wittenberg auch auf seinen thüringischen Geburts- und Sterbeort Eisleben und die Wartburg bei Eisenach konzentrieren wird.
Nun macht jedoch seit Dienstag ein riesiges, 40 Quadratmeter großes Banner mit dem Porträt Martin Luthers und einer Inschrift am Glockenturm der Lutherkirche im thüringischen Apolda auf das Lutherjahr 2017 aufmerksam. Unter großen Mühen bei Dauerregen entfaltet, wirft es natürlich sofort die Frage nach einem direkten Bezug Apoldas zum Leben und Schaffen Martin Luthers auf. Doch egal wo man sucht, dieser Bezug lässt sich außer auf den Namen der evangelischen Kirche nicht herstellen. Luther hat wohl niemals seinen Fuß auf das Territorium der Stadt gesetzt.

Und trotzdem entwickelten der Pfarrer der Lutherkirche, Dr. Felix Leibrock und der MDR-Moderator Willi Wild die Idee, den Standort Apoldas zwischen den Thüringer Lutherstädten und denen von Sachsen-Anhalt zum Anlass zu nehmen, die Lutherkirche Apolda im Jahr 2017 zu einer Spielstätte für ein Spiritual der besonderen Art werden zu lassen.
Dazu sollte man wissen, dass die im Baustil der Neugotik und als Backsteinbau errichtete und im Jahr 1894 geweihte Kirche am Melanchtonplatz bereits seit Jahrzehnten durch Dach- und Putzschäden verfiel. Dies konnte zwar seit der Zeit der Wende aufgehalten und in gewisser Weise überdeckt werden, jedoch blieb ihre Nutzung weiterhin eingeschränkt. Daran konnte auch eine der ältesten Apoldaer Glocken aus dem Jahr 1722 und die wertvolle Sauer-Orgel, auf der hin und wieder Konzerte stattfinden, nichts entscheidendes ändern.

Dies soll sich nun aber aus Anlass des Lutherjahres ändern. Der desolate Zustand im Inneren der mächtigen Kirche soll beseitigt werden, der entkernte Innenraum danach hell und besucherfreundlich ausgestattet werden.
Dem Ganzen soll dann im Jahr 2017 das geplante Musiktheater neues Leben einhauchen, das die Gestalt Martin Luthers in einer Mischung aus Musik und szenischer Darstellung ohne Verherrlichung als Mensch mit Licht und Schatten darstellen soll.
Szenen wie Luthers mutiges Auftreten vor dem Reichstag in Worms, seine Heirat mit Katharina von Bora oder sein Ringen um die Wahrheit im Wittenberger Turm soll das Spiritual in unterhaltender Weise wiedergeben. 800 Besucher werden dann voraussichtlich auch in den Genuss neuer Technologien, wie der Laser-Display- Technologie oder einer weiterentwickelten Stereo-Technik kommen.
Schließlich soll das geplante Spiritual die tiefe Schuld der evangelischen Kirche gegenüber dem jüdischen Volk zum Ausdruck bringen und auf seine Weise gleichzeitig um Vergebung bitten.
Betrachten wir also die Vorbereitung auf dieses Ereignis weiter mit Interesse und hoffen gemeinsam mit den fleißigen Initiatoren auf einen großen Erfolg dieses nicht alltäglichen kulturellen Highlights. Und wer seinen Kurzurlaub in Thüringen nicht “kurzfristig” sondern mit etwa 7 Jahren Vorlauf planen möchte, der sollte sich schon jetzt eine entsprechende Unterkunft in Apolda oder in der Umgebung sichern ;-)

Umgestaltung des Markplatzes un Altenburg

Dienstag, den 3. August 2010

Die Gemüter sind erhitzt - wieder einmal um ein städtebauliches Projekt, das dieses Mal den zugegebenermaßen sehr attraktiven Marktplatz der thüringischen Stadt Altenburg betrifft. Allerdings ist diese Attraktivität gegenwärtig zumindest erheblich gestört durch die an der oberen Westseite des lang gezogenen Martplatzes langsam verfallenden Bürgerhäuser, die noch aus dem 18. und 19. Jahrhundert stammen.

Nun besteht die feste Absicht, diese abzureisen und durch ein kleines Geviert überwiegend dreistöckiger neuer Häuser zu ersetzen, die auf der Webseite der SWG Altenburg präsentiert werden.
Im Erdgeschoss sollen Verkaufs-, Gastronomie- und Büroflächen entstehen. Die oberen Etagen sollen für Wohnungen genutzt werden.
Die Gegner des Projektes, deren Standpunkt sich vordergründig an etwa 600 Quadratmeter Verkaufsfläche für einen Konsum fest macht und die die Rekonstruktion der Altbausubstanz fordern, sprechen dabei von einer Verschandelung des Altenburger Marktplatzes und verunglimpfen zu Recht oder Unrecht die geplante architektonische Gestaltung der Neubauten. Sie in einen Topf zu werfen mit “brutalem Billigbau” und den Innenstadtvisionen der DDR-Oberen ist meiner Meinung nach allerdings ungerecht und entspricht nicht der Realität.

Übrigens wurde in den ersten Jahren nach der Wende zwar der oft heruntergekommene Zustand so mancher Immobilie und manches Altstadt-Viertels als Relikt der untergegangenen DDR gegeiselt, gleichzeitig wurde jedoch auch fast immer darauf verwiesen, dass im Unterschied zu vielen westdeutschen Städten im Osten wenigstens noch viel alte Bausubstanz vorhanden sei. Diese musste in so mancher Stadt der BRD bereits Jahre vorher der Abrissbirne weichen und moderneren Neubauten Platz machen.
Nun hier im Osten zu fordern, dass alles Alte wieder erstehen solle und dabei publizistisch wirksame Vergleiche mit der Vorwendezeit zu verknüpfen, dürfte wohl kaum bei allen Bürgern auf Verständnis stoßen.

Während gegenwärtig an vielen innerstädtischen Standorten wo neue Bauten entstehen oder bereits entstanden sind, quaderförmige Betonkolosse, die im besten Fall noch verglast sind, die Baulücken füllen, versucht man in Altenburg eine durchaus zu akzeptierende architektonische Anpassung des Neuen an die umgebenden Bauten vorzunehmen. Unterschiedliche Höhen, verschieden gestaltete Fassaden und Dächer sowie eine differenzierte Farbgestaltung geben dem Ganzen einen durchaus freundlichen, dem Antlitz des Marktplatzes Rechnung tragenden Charakter. Und wenn es wirklich billiger als eine Rekonstruktion des Alten sein sollte, wäre das wiederum auch kein stichhaltiger Grund, das neue Projekt schlecht zu reden.