Monatsarchiv für Oktober 2010

Wie wär´s mit einer Thüringer Bratwurst?

Dienstag, den 19. Oktober 2010

Obwohl noch kein anerkannter Wissenschaftszweig, gebührt der Forschung um Herkunft, Zusammensetzung, Zubereitung und Geschmack der Thüringer Bratwurst die inzwischen gebührende Anerkennung.
Schließlich ist, was dem Wiener Würstchen oder dem Dresdner Stollen recht ist, der Thüringer Bratwurst nur billig - wobei das sogar im wörtlichen Sinn verstanden werden kann, denn teuer ist so eine Bratwurst nun wahrlich nicht.

Was ihre Geschichte anbetrifft, so ist wohl ihr erstes Erscheinen mit einem Eintrag in eine Arnstädter Probsteirechnung vom 20. Januar 1404 verbürgt, während ihr “Reinheitsgebot” - nämlich mit der Pflicht zur ausschließlichen Verwendung von frischem und reinem Fleisch - aus dem Jahr 1432 datiert.
Schließlich liegt aus dem Jahr 1797 das erste gedruckte Rezept für Thüringer Bratwürste im “Thüringisch-Erfurtischem Kochbuch” vor.
Aus ihrer jüngeren Vergangenheit ist auf alle Fälle die Veröffentlichung der Zuerkennung der geografisch geschützten Angabe “Thüringer Rostbratwurst” im Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaft im Dezember des Jahres 2003 und die Eröffnung des 1. Deutschen Bratwurstmuseums in Holzhausen in der Nähe von Arnstadt im Mai 2006 zu erwähnen.

Die Herstellung der Thüringer Bratwurst verlangt einen Mindestanteil von 51 Prozent an verwendeten Rohstoffen, die aus der Region Thüringen stammen müssen. Fein gehacktes Fleisch, meist vom Schwein aber auch Kalb- und Rindfleisch sind erlaubt, wird mit einer Gewürzmischung vermengt und in feinen Schweine- oder Schafdarm gefüllt.
Die rohen Rostbratwürste müssen am Tag ihrer Herstellung, beziehungsweise bis zum Ende einer nach 24 Uhr liegenden Öffnungszeit von Gaststätten verbraucht werden. Gebrühte Würste sind bis zu 15 Tage lagerfähig.
Gewürzt wird regional recht unterschiedlich. Neben Salz und Pfeffer wird eine wenig fetthaltige Masse im Osten Thüringens überwiegend mit Kümmel gewürzt. Dagegen sorgen Knoblauch und Muskat in der südlichen Region und kräftig-minziger Majoran in Nordthüringen für den richtigen Geschmack. Und um Erfurt und Gotha wird sogar feingehackte Zitronenschale zum Bestandteil einer Thüringer Bratwurst.
Für den Verzehr ist das Grillen über Holzkohle wohl die schmackhafteste Zubereitungsart.

Während auf dem Marktplatz von Suhl jährlich ein Bratwurstkönig gekrönt wird, widmet sich das 1. Deutsche Bratwurstmuseum schwerpunktmäßig der Geschichte ihres thüringer Vertreters.
Neben Herstellungs-Rezepturen und Geräten zur Schlachtung und Herstellung der Bratwurst wird im Nachbau eine klösterlichen Küche gezeigt, wie diese um 1404 hätte aussehen können. Und letztlich dokumentieren Fotos aus zahlreichen Ländern die mittlerweile weltweite Verbreitung der Bratwurst, die von den USA über Australien und Vietnam bis zum Kap Sao Vicente in Portugal reicht.

Dann also “Guten Appetit” und soll´s mit Senf oder Ketchup sein?

Frisches Obst und Gemüse für Thüringens Schulkinder

Montag, den 11. Oktober 2010

Bereits zu Beginn des Schuljahres 2009/2010 wurde auf der Grundlage eines Vorschlages der Kommission für ein europaweites Programm für die Abgabe von Obst und Gemüse an Schulkinder das EU-Schulobstprogramm gestartet.
Damit wurde eine wichtige Maßnahme zur perspektivischen Bekämpfung von Übergewicht und Fettleibigkeit bei Kindern in den EU-Staaten in Gang gesetzt, um die Zahl der geschätzten 22 Millionen übergewichtigen Kinder nicht weiter anwachsen zu lassen und schrittweise zu verringern.
Damit verbunden ist die gesundheitsfördernde Wirkung von einer täglich ausreichenden Menge von frischem Obst und Gemüse vor allem in Hinsicht auf die Vorbeugung gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Diabetes Typ 2.

Da es unstrittig ist, dass sich die Ernährungsgewohnheiten bereits in der Kindheit heraus bilden, kann die kostenlose Abgabe von Obst und Gemüse dazu beitragen, diese positiv zu beeinflussen. Zusätzlich wird damit der Tatsache entgegen gewirkt, dass Kinder in Familien mit geringem Einkommen weniger Obst und Gemüse essen als andere, so dass von der Realisierung des Europäischen Schulobstprogramms gerade die Kinder unterprivilegierter Familien am meisten profitieren sollten.

Vor wenigen Tagen gab nun die Thüringer Ministerin für Soziales, Familie und Gesundheit, Heike Taubert, den Start des EU-Schulobstproramms in Thüringen bekannt. Ab sofort können sich interessierte Grund- und Förderschulen bei ihrem Schulträger für eine Teilnahme bewerben und damit die Versorgung ihrer Schülerinnen und Schüler in den Jahrgangsstufen 1-4 mit frischem Obst und Gemüse kurzfristig in die Wege leiten. Die Teilnahme ist freiwillig und kann entweder als Schuljahresbelieferung oder nur für bestimmte Projekttage beantragt werden.
Für das laufende Schuljahr 2010/2011 stehen dafür im Freistaat rund 800.000 Euro zur Verfügung, die zu 75 Prozent von Fördermitteln der EU abgedeckt werden.

Für die vertraglich zu vereinbarende Belieferung der teilnehmenden Schulen sind regional angebaute Erzeugnisse und Bioware zu bevorzugen. Erzeugnisse mit zugesetzten Stoffen wie Zucker oder Fett sind ausgeschlossen.
Mit diesem Angebot verfolgt die Landesregierung neben der positiven Beeinflussung der Verzehrgewohnheiten und einer verbesserte Nährstoffversorgung auch das Ziel, einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der Kinderarmut zu leisten.

Nun bleibt abzuwarten und gleichzeitig zu hoffen, dass die Versorgung der Kinder abwechslungsreich und gut organisiert durchgeführt wird. Nur wenig wäre erreicht, wenn die Lehrer in den Unterrichtspausen die Verteilung von halben Gurken, einer Möhre und einer weichen Tomate vornehmen müssten und Produkte wie Clementinen, Bananen oder ein rotbackiger Apfel weiterhin nur im Supermarkt erhältlich wären.
Hierauf sollten die Leitungen der teilnehmenden Schule und sicher auch die Elternvertreter von Beginn an ein waches Auge haben.

Neue touristische Ausrichtung für Oberhof im Thüringer Wald

Montag, den 4. Oktober 2010

Seit wenigen Tagen ist es nun veröffentlicht - das so genannte Handlungskonzept für Oberhof. Dessen Zielstellung ist die Entwicklung Oberhofs zu einem überregional anerkannten Wintersportort und einer touristischen Hochburg. Vorgestellt wurde das Konzept vom Wirtschaftsminister des Freistaates Thüringen. An seiner Entstehung haben neben den Vertretern der Landesregierung auch Vertreter verschiedener regionaler Organe teilgenommen.
Grundlage des vorgelegten Konzepts ist eine Analyse, die die bisherigen Schwachstellen deutlich beim Namen nennt. Fehlende innovative Aktiv- und Sportangebote, ein inhomogenes Stadtbild, Qualitäts- und Auslastungsprobleme bei den Beherbergungen und in der Gastronomie sowie die zu schwache Leistungsfähigkeit der kommunalen Verwaltungsstrukturen stehen dabei im Vordergrund.

Damit Oberhof künftig im Wettbewerb mit anderen bekannten Wintersportorten mithalten kann und einer der führenden Orte für einen Winterurlaub im Thüringer Wald bleibt, muss zur schrittweisen Beseitigung der erkannten Schwachstellen kräftig investiert werden. Die Höhe der bei der Vorstellung des Handlungskonzepts angekündigten Investitionen wurde mit “deutlich über zehn Millionen” angegeben, wobei der Schwerpunkt der Aussage bei Betrachtung der vorgesehenen Maßnahmen und deren veranschlagten Kosten bei “deutlich über” liegen dürfte.

Vorläufiger finanzieller Spitzenreiter ist die vorgesehen energetische Sanierung und die Maßnahmen zur Wiedereröffnung der gegenwärtig brach liegenden Rennsteigtherme. Aber auch Maßnahmen wie die Entwicklung eines attraktiven Ortszentrums, das bis 2013 entstehen soll, die Weiterführung der Sanierung der Rennschlitten- und Bobbahn, der Neubau einer Trainingsschanze und der Ausbau eines Skigebiets für vorrangig den alpinen Skisport, die bei weitem nicht den gesamten Vorhaben-Komplex widerspiegeln, werden den Haushalt der vorrangig an der Finanzierung beteiligten vier Ministerien des Landes spürbar belasten.

Zwei strukturelle Probleme scheinen darüber hinaus von großer Bedeutung für die Bewältigung der künftigen Aufgaben sein.
Da besteht zum einen die Aufgabe, die derzeitigen dezentralen Organisationsstrukturen unter einer zentralen Führung zu bündeln. Unter deren Leitung sollten künftig das Tourismuszentrum und die zugehörigen sportlichen Events organisiert und vermarktet werden. Dabei muss die Tätigkeit des Wintersport-Fördervereins und die der unzähligen ehrenamtlichen Helfer bei der Durchführung von Großveranstaltungen mehr als bisher anerkannt und gefördert werden.
Zum zweiten wird die Stadt Oberhof mit ihren rund 1.500 Einwohnern auf Dauer nicht in der Lage sein, der Lösung aller anfallenden Aufgaben in der erforderlichen Qualität gerecht zu werden. Daher ist vorgesehen, Oberhof bis Ende 2012 in eine neue kommunale Struktur einzugliedern. Als Partnerstädte könnten dafür Zella-Mehlis oder Steinbach-Hallenberg in Frage kommen.

Das nun vorliegende Handlungskonzept wird die Grundlage für die Arbeit in den nächsten Jahren sein, wobei Ergänzungen beziehungsweise Erweiterungen durchaus denkbar sind. Von der Landesregierung soll ein Gremium eingerichtet werden, was die Aktivitäten der Beteiligten koordiniert und kontrolliert. Jährlich soll darüber hinaus über den erreichten Realisierungsstand und über den Fortgang der Maßnahmen Rechenschaft abgelegt werden.