Die zwei Gesichter des Winters
Donnerstag, den 9. Dezember 2010Da stellt sich bei so manchem Mitbürger ein leicht ungläubiges Kopfschütteln ein, wenn der Wetterexperte im Fernsehen davon spricht, dass 2010 voraussichtlich das mit Abstand kälteste Jahr in Deutschland im zugegebenermaßen noch recht jungen 21. Jahrhundert wird, dass bereits seit Ende November ein beachtlich kalter Winter uns wieder fest im Griff hat und sich zur gleichen Zeit im mexikanischen Cancún die an der Klimakonferenz teilnehmenden Staaten mit den Maßnahmen zur Eindämmung einer zunehmenden Erderwärmung beschäftigen.
Das zeigt aber wieder auch einmal, dass Deutschland nicht der Nabel der Welt ist und somit die Wettererscheinungen bei uns nicht unverzerrt die weltweite Klimaentwicklung widerspiegeln.
So sorgen nun hierzulande ein seit Tagen anhaltender Flockenwirbel und Temperaturen im Minusbereich wieder einmal für Verkehrsbehinderungen, Stromausfälle und Unfälle auf der einen Seite und zunehmend idealere Bedingungen für Wintersport und Winterurlaub auf der anderen.
All das zeigt sich im Freistaat Thüringen auf engem Raum dicht nebeneinander.
Da ist der Triptiser Berg im Verlauf der Autobahn A9 trotz Dauereinsatz des Winterdienstes zeitweise unpassierbar, die A4 zwischen Jena und Erfurt wird zum Großraumparkplatz liegen gebliebener LKW´s und die Bundesstraße B 281 wird wegen Schnee und umgestürzter Bäume voll gesperrt.
Gleichzeitig berichten die meisten Krankenhäuser vom Hochbetrieb in ihren Notaufnahmen infolge Sturzverletzungen und Unfällen und vorgesehene Fußballspiele werden wegen Unbespielbarkeit der Plätze abgesagt.
Stromausfall, verursacht durch Schnee und Eisregen ist im Saale-Orla-Kreis und der Region Saalfeld und Rudolstadt zu verzeichnen und schließlich verzichten angereiste Diplomaten der UNESCO auf einen Besuch der Wartburg, weil sie sich bei diesen Wetterkapriolen in Weimar besser aufgehoben fühlten.
Nun wird es aber Zeit, das andere Gesicht des frühen Wintereinbruchs ins rechte Licht zu rücken.
Schauen wir nach Oberhof - da warten allein am kommenden Wochenende Thüringens längste Naturrodelbahn mit durchschnittlich zehn Prozent Gefälle, Ice-Rafting auf der Rennschlitten- und Bobbahn und Abfahrts- und Snowboardkurse am Fallbachhang auf möglichst viele Besucher und aktive Teilnehmer.
In Schmiedefeld ist die Abfahrtspiste am Eisenberg präpariert und für Snowboarder wurde eine Halfpipe zur geflissentlichen Benutzung errichtet. Und der Snowpark Heubach kann schon einmal inspiziert werden, obwohl der neue Lift wohl erst zu Weihnachten in Betrieb genommen wird.
Zu hoffen ist jetzt lediglich, dass die zwei Gesichter des Winters sich nicht so entgegengesetzt zeigen, dass Kälte, Schnee und Eis das Vergnügen an den Hängen, auf den Loipen und an den Bahnen nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen zulassen. Schau´n wir mal…, vielleicht wird ja alles gut!

