Schicken wir künftig nur noch unsere Computer zur Schule?
Donnerstag, den 27. Januar 2011Zugegeben, ich habe schon seit einiger Zeit keine Schulbank mehr gedrückt und damit ist meine Meinung zu einer Meldung aus dem Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, an dessen Spitze Herr Matschie steht, sicher auch nicht repräsentativ. Aber mich würde schon interessieren, ob mein Standpunkt - sicher altersbedingt - so völlig daneben liegt.
Worum geht es also?
Die unlängst verbreitete Nachricht aus dem Ministerium beinhaltet die Festlegung, dass ab dem neuen Schuljahr an den Thüringer Schulen ab der Doppelklassenstufe 9/10 die Grafikrechner CAS eingeführt werden. Gleichzeitig wird darüber informiert, dass zum Abitur ab 2014 die CAS-Rechner in ganz Thüringen verwendet werden können.
CAS steht dabei für Computer-Algebra-Systeme und mit Rechnern dieser Generation lassen sich Rechenaufgaben aus den verschiedensten Bereichen der Mathematik lösen. Das Umstellen von Gleichungen oder das Ableiten von Funktionen führen sie ebenso aus wie das Arbeiten mit Variablen oder Matrizen.
In der Erläuterung dieser und anderer Funktionen, die der CAS-Rechner übernimmt, findet sich dann auch der Hinweis: “Ermöglicht selbständiges Lernen”. Weiter heißt es: “Die Unterrichtszeit kann effektiver genutzt werden, da Nebenprobleme vom CAS-Rechner übernommen werden können.”
Die zwei Zitate habe ich der Internetseite www.casio-schulrechner.de entnommen.
Nun kommt - unabhängig vom Kaufpreis des Gerätes, der bei 120 Euro liegen soll und der sicher durch das Bildungspaket ganz bequem zu finanzieren ist (vorausgesetzt es ist bis zum Jahr 2014 auf den Weg gebracht) - bei mir die Frage auf, ob damit nun ein ähnlicher “Erfolg” angestrebt wird, wie mit der Verwendung des Taschenrechners im Unterricht, bei der nach kurzer Zeit kaum mehr ein Schüler das kleine Einmaleins beherrschte. Wo blieb da die Selbständigkeit?
Tun wir denn gut daran, immer mehr logisch ablaufende Denkvorgänge nicht mehr zu trainieren und nur noch den Computer zu überlassen? Entwickeln wir uns damit nicht weg von unserer bisherigen Fähigkeit, durch Denken unsere Weiterentwicklung zu sichern?
Wenn immer mehr ein Knopfdruck oder der Touchscreen den komplexen Denkvorgang ersetzen, und wir nur noch wissen müssen, wohin unser Finger und das Auge zu bewegen ist, machen sich zumindest bei mir Zweifel an der Sinnhaftigkeit dieser neuen Wege breit.
Sollte es zu meiner Meinung Antworten geben, die mich eines bessern belehren, bin selbst ich noch lernfähig.

