Monatsarchiv für Februar 2011

Museen - ein Auslaufmodell?

Freitag, den 25. Februar 2011

Einer am gestrigen 24.02.2011 nachzulesenden Meldung sind einige interessante Angaben zum Zustand der thüringer Museen und zur Entwicklung ihrer Besucherzahlen im Jahr 2010 zu entnehmen.
Die 210 zum Thüringer Museumsverband gehörenden Museen verzeichneten danach mit etwa 4,2 Millionen Besuchern eine ähnliche Zahl wie im Jahr zuvor. Interessant dabei ist, dass davon die 13 Museen, die jeweils mehr als 50.000 jährliche Besucher aufweisen können, zusammen mit rund 2,6 Millionen mehr als die Hälfte aller Besucher empfingen.

Die fünf am besten besuchten Einrichtungen sind dabei die Klassik Stiftung Weimar mit circa 840.000 Besuchern, gefolgt von der Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald/Mittelbau Dora, der Wartburg, dem Gothaer Schloss Friedenstein und der Heidecksburg Rudolstadt mit immerhin noch etwa 103.000 Besuchern.

Ebenfalls aufschlussreich ist ein Blick auf die zahlenmäßige Aufteilung der Museen auf die einzelnen Sparten.
Einsame Spitzenreiter sind mit 75 von 210 die Kulturgeschichtlichen Museen, die vor den Technischen Museen und den 14 Kunstmuseen rangieren. Schlusslichter bilden die zwei einzigen Ur- und Frühgeschichtlichen Museen.
Dabei sind als Besonderheit für das Jahr 2010 die Ausstellungen anlässlich des Jubiläums “250 Jahre Thüringer Porzellan” zu nennen, an der sich 19 Museen Thüringens beteiligten.

Nun erscheint nach dem Betrachten all dieser Zahlen die eingangs gestellte Frage betreffs Auslaufmodell wenig gerechtfertigt; jedoch beweisen die sich dahinter verbergenden Fakten durchaus deren Berechtigung.
Immerhin stellt sich Deutschland gern und meiner Meinung nach zu Recht, als Land großer Künstler, Erfinder und Baumeister und als Bewahrer derer Traditionen dar. Und immerhin ist Deutschland im Gegensatz zu manch anderem Land ein “reiches Land”, mit hoher Wirtschafts- und Exportkraft.

Wie kläglich erscheinen dem gegenüber die Aussagen, dass die Träger der 210 Museen, besonders die Städte und Landkreise, immer weniger Finanzen für den Unterhalt der Museen verfügbar haben, dass die Belastungen deren Mitarbeiter teilweise nicht mehr zumutbar sind, da immer weniger Geld für die Aufrechterhaltung eines ausreichenden Personalbestands vorhanden ist und dass rund 40 Prozent aller Bestände in den dem Verband angeschlossenen Objekten restaurierungsbedürftig seien, dafür jedoch immer weniger Mittel zur Verfügung stehen.

Dabei sollte bedacht werden, dass diese Entwicklung nicht erst im vergangenen Jahr einsetzte und so manches Museum bereits verkürzte Öffnungszeiten anbieten muss, auf unterbezahltes Personal angewiesen ist und selbst bei den Sicherheitsmaßnahmen teils nicht vertretbare Zugeständnisse aus Kostengründen erforderlich sind.

Aber woher das dafür erforderliche Geld nehmen?
Da insbesondere Kunst und Bildung häufig die leidtragenden bei begründeten oder auch unbegründeten Sparmaßnahmen sind, sollte einfach mal der Spieß umgedreht werden und zumindest ein Teil der jüngst diskutierten Steuerumverteilung auf diese Resorts verteilt werden.

Was Thüringen auf der BioFach in Nürnberg zu bieten hat

Donnerstag, den 17. Februar 2011

Vom gestrigen 16. bis zum 19. Februar 2011 findet auf dem Messegelände in Nürnberg mit der BioFach 2011 die Weltleitmesse für Bio-Produkte statt.
Im Mittelpunkt der Messe stehen Bio-Lebensmittel und Naturprodukte sowie deren Vermarktung und der Ökolandbau.
Auf ihr präsentieren sich zum wiederholten Mal auf einem Gemeinschaftsstand auch Unternehmen aus Thüringen, die sich damit in die große Schar der über 2.500 Aussteller aus 85 Ländern einreihen.

Dazu zählt auch ein Unternehmen aus Altenburg, welches im wahrsten Sinn des Wortes “seinen Senf hinzu gibt”. Natürlich handelt es sich dabei um die Altenburger Senffabrik, die vom Bio-Ingwer-Senf über die Feigen-Senfsoße und den Mango-Sahne-Meerrettich bis hin zur Cranberry Konfitüre eine breite Produktpalette verkörpert.
Aus dem Gemüseanbaugebiet Großengottern steuern die Schweizer Sauerkonserven mit der Produktfamilie des Thüringer Landgartens verschiedene Krautspezialitäten und knackige, leckere Gurkenspezialitäten bei.

Weniger scharf und sauer kommt dagegen die Produktion von Goldmännchen Tee aus St. Gangloff im Saale-Holzland-Kreis daher, die neben den beliebten Kräutertees auch Schwarzen und Grünen Tee umfasst.
Kräuter und Gewürzmischungen steuert hingegen die Kräutermühle Kölleda bei, deren Bio-Gewürze für Haushalt und Gastronomie ihren Bekanntheitsgrad über die Präsentation auf der Fachmesse in Nürnberg erweitern wollen.

Vom Erzeugergroßmarkt Laasdorf wird heimisches Obst und Gemüse aus länderübergreifender Produktion Thüringens, Sachsens und des Spreewalds vorgestellt, während der Verein der Markus Gemeinschaft e.V. des Gutshofes Hautroda aus dem Norden Thüringens unter anderem für seine Herstellung von Frischgemüse, Obst- und Gemüsesäften, Joghurt, Käse und Brotaufstrichen wirbt.

Schließlich komplettiert mit der Marktgemeinschaft Ökoflur aus Nottleben ein Dienstleister für Akteure am Biomarkt die Unternehmen des Gemeinschaftsstandes. Die länderübergreifend als Genossenschaft agierende Marktgemeinschaft hat sich das Ziel des Ausbaus und der Erweiterung des Eigenaufkommens gestellt und will damit eine hohe Qualität und einen hohen Frischegrad verbinden.

Mit dieser Auswahl einer kleinen, jedoch breit gefächerten Palette von Bio-Produkten und ihren Erzeugern beziehungsweise Vermarktern wird der Freistaat Thüringen im Ensemble der Aussteller auf der BioFach 2011 in Nürnberg sicher seinen, wenn auch bescheidenen Anteil zum Gelingen der Messe beitragen.

Zum Hick-Hack um die Ordensburg Liebstedt *

Freitag, den 11. Februar 2011

Denkmalgeschützt und in ihrer Funktion als Durchgangsburg einmalig in Europa ist sie - die Ordensburg Liebstedt im gleichnamigen Ort nördlich von Weimar und Apolda am nördlichen Hang des Kleinen Ettersbergs.
Bis vor kurzem konnten in dieser im 10. Jahrhundert errichteten Wasserburg museale und historisch gestaltete Räume und eine Museumswerkstatt besichtigt werden; regelmäßig wurde die Ordensburg auch zum Veranstaltungsort von Burgmärkten und von manch mittelalterlichem Spektakel.


Als hätte sie es wohl geahnt, dass jetzt ein - wie ich finde - typisch deutsches Gezerre um sie eingesetzt hat, verweigert sie gegenwärtig wegen Bauarbeiten allen Besuchern ihren Zugang.

Was also spielt sich ab um die Ordensburg Liebstedt?

Am 20. Januar dieses Jahres wurde von der Thüringer Landesentwicklungsgesellschaft (LEG), die die Immobilie im Auftrag des Landes verwaltet, bekannt gegeben, dass die Landesimmobilie Ordensburg Liebstedt an Georg Prinz zur Lippe, einem Winzer aus Sachsen verkauft wurde. Dieser, mit einem Kaufpreis von 150.000 Euro verbundenen Tatsache, hatte der Haushaltsausschuss des Landtages zugestimmt.
Der künftige Eigentümer hatte dabei die Zusage für künftige Investitionen in die Anlage in Höhe von drei Millionen Euro gegeben. Er plant die Einrichtung eines Weinguts in der Vorburg, stellte damit in Verbindung stehend 25 neue Arbeitsplätze in Aussicht und machte die Zusage, die übrigen Teile der Ordensburg weiter für die Öffentlichkeit als Museum und für Veranstaltungen zugänglich zu halten.

Nur zwei Wochen später dann die Mitteilung, dass der Gemeinderat von Liebstedt beschlossen habe, den Verkauf anzufechten und von seinem Recht des Vorkaufs Gebrauch zu machen. Den Kaufpreis wolle man aus Spenden und mit Hilfe einer zu gründenden Stiftung aufbringen.

Drei Tage danach, am 05.02., meldete sich die LEG zu Wort, die dem Verein der Ordensburg Gilde, die bisher die Burg im Auftrag der LEG verwaltet hat, Schulden in Höhe von 30.000 Euro unterstellte und gleichzeitig forderte, dass der Verein im Fall des Kaufs der Ordensburg auch die drei Millionen für Investitionen aufbringen müsse.
Daraufhin wies der Verein jegliche Zahlungsansprüche am 07.Februar zurück.

Und am darauf folgenden Tag erklärte Prinz zur Lippe, dass er auf der Einhaltung seines juristisch gültigen Kaufvertrages bestehe.

Zum vorläufigen “Zwischenstop” der Angelegenheit sei von einem unbeteiligten Laien die Frage erlaubt:
Konnte der beabsichtigte Verkauf nicht vor dem Abschluss eines Kaufvertrages mit allen an der Verwaltung der Ordensburg Liebstedt Beteiligten abgesprochen werden, noch wenn dazu ein Vorkaufsrecht bestand?
Oder gibt es da im Hintergrund noch ganz andere Beweggründe - wie das heutzutage des öfteren so sein soll?

* Für die Richtigkeit der gemachten Angaben wird keine Gewähr übernommen. Bitte informieren Sie sich auch in anderen Quellen zu diesem Sachverhalt.

Neue Hoffnung für die Parkanlage um Schloss Wilhelmsthal

Freitag, den 4. Februar 2011

Anfang Juni des Jahres 2005 weilte ich während meines Urlaubs in Thüringen für einige Stunden auf einem Sommerfest auf der Anlage von Schloss und Park Wilhelmsthal südlich von Eisenach.
Einerseits begeistert von dem Ensemble, das in seinem einstigen Zustand sicher ein echtes Kleinod darstellte und gleichzeitig entsetzt darüber, was davon noch übrig geblieben war, beobachte ich nun aus einiger Entfernung, was sich seither getan hat.

Zuerst aber ein paar Sätze zur Anlage selbst. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde Schloss Wilhelmsthal als eine herzogliche, barocke Sommerresidenz errichtet. In den folgenden Jahrzehnten erfolgten immer wieder bauliche Veränderungen am Schloss und Mitte des 19. Jahrhunderts waren es immerhin Persönlichkeiten wie Fürst Pückler und Hermann Jäger, die die Gestaltung des Landschaftsgartens weiter voran trieben. Im Ergebnis all dieser Maßnahmen verloren Schloss und Park Wilhelmsthal ihren bis dahin barocken Charakter, ihre Einheit als Gesamtkunstwerk erhöhte sich jedoch beträchtlich.
Bis 1942 blieb die Anlage im herzoglichen Besitz; danach als Lazarett und Kinderheim genutzt, begannen Verfall und teilweise Zerstörung, bis schließlich Anfang der 90-er Jahre der eintretende Leerstand den weiteren Verfall beschleunigte.

1997 bildete sich ein Förderkreis Schlossanlage Wilhelmsthal e.V., der mit bescheidenen Möglichkeiten und Mitteln dagegen anzugehen versuchte. Mehr als einige Notreparaturen und einige punktuelle Maßnahmen waren damit nicht zu realisieren.
Jahre nach meinem Besuch erfuhr ich dann, dass die Anlage in die Stiftung “Thüringer Schlösser und Gärten” übernommen wurde und fast zur gleichen Zeit mehrere Millionen Euro aus dem Konjunkturprogramm II für die Rettung und beginnende Wiederherstellung der Anlage bereitgestellt wurden. Einige nachfolgende Erfolgsmeldungen, die sowohl die Gebäude als auch die stark verwilderte Parkanlage betrafen, konnte ich danach aus der Ferne registrieren.

Heute entdeckte ich nun im Internet eine Nachricht, dass seit Jahresbeginn eine Parkverwalterin in Schloss und Park Wilhelmsthal eingesetzt wurde. Sie war vor Antritt ihrer sicher schwierigen aber auch reizvollen Aufgabe 15 Jahre an der Instandhaltung des Parks Branitz in Brandenburg beteiligt.
Sie möchte nun in einer Zeitspanne von zehn bis fünfzehn Jahren ihre bisherigen Erfahrungen als Landschaftsarchitektin in die Rekonstruktion der Wilhelmsthaler Anlage einbringen und damit das Ziel verfolgen, diese so nah wie möglich am Originalzustand wieder aufzubauen. Ich kann ihr dazu nur Erfolg und eine Portion Durchhaltevermögen wünschen.

Mal sehen, ob ich dann noch mal dort vorbei schaue…