Monatsarchiv für Mai 2011

Neidhartshausen und seine Großen Mausohren

Donnerstag, den 26. Mai 2011

Nur wenige Kilometer von der Landesgrenze zu Hessen entfernt liegt im Biosphärenreservat Rhön das alte Rhönbauerndorf Neidhartshausen. Bis zu 400 Jahre alte Fachwerkhäuser scharen sich um die 1722 errichtete schlichte Dorfkirche in Zentrum des Ortes, die neben ihrer Funktion als Gotteshaus seit vielen Jahren auch zur Heimstatt zahlreicher Fledermäuse geworden ist.

Neben kleineren Beständen der Wasserfledermaus, der Breitflügelfledermaus und der Zwergfledermaus dominiert im Giebel des Kirchenschiffs hauptsächlich das Große Mausohr. Die Tiere dieser Art werden bis zu acht Zentimeter lang und besitzen eine Flügelspannweite von bis zu 43 Zentimeter. Während sie den Winter meist in natürlichen Höhlen verbringen, versammeln sich die Weibchen dieser und anderer Fledermausarten ab Mitte April bis Anfang Mai in über Jahrzehnte den gleichen Quartieren, die ihnen als Wochenstuben zur Aufzucht ihrer Jungen dienen.

Und solche Wochenstuben und ihre Bewohner sind drauf und dran, das kleine beschauliche Dorf Neidhartshausen zu einer Touristenattraktion zu machen. Neben der Dorfkirche dienen auch einige Fachwerkhäuser den Tieren als kleinere Wochenstuben, so dass mit Beginn der Abenddämmerung ein beträchtlicher Flugverkehr durch die Gassen des kleinen Ortes einsetzt.
Acht Bürger aus Neidhartshausen haben sich in den zurückliegenden Jahren als Fledermausführer ausbilden lassen und wollen künftig mit dafür sorgen, einen sanften Fledermaustourismus, von dem die Tiere nicht wesentlich gestört und beeinflusst werden, entstehen zu lassen.

Bereits vor zehn Jahren erhielt die Gemeinde Neidhartshausen Plakette und Urkunde der landesweiten Aktion “Fledermausfreundlich” des Thüringer Ministeriums für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt. Damals war die Anzahl der die Wochenstube in der Kirche nutzenden Tiere nur etwa halb so groß wie heute.
Neben den abendlichen Führungen für die Fledermausfreunde wollen die Neidhartshausener einen Raum im Feuerwehrhaus für die Durchführung von Vorträgen sowie für Bild- und Filmvorführungen umbauen und ins benachbarte Dorf Zella soll künftig ein mit Schautafeln bestückter Fledermausweg führen.

Erst im August verlassen die Weibchen ihre Quartiere im Dorf und suchen dann wider ihre Winterquartiere auf.
Für die Touristen besteht dann noch die Möglichkeit, anstatt der fliegenden Mäuseschar den nördlich des Ortes befindlichen “Ibengarten”, den ältesten Eibenbestand Deutschlands zu besuchen. Er verfügt über 386 geschützte Eiben, deren älteste an die 600 Jahre alt sind und die ein wahres Kleinod im Biosphärenreservat darstellen.
Falls Sie also das nächste Mal einen Urlaub in Eisenach oder Umgebung verbringen, besuchen Sie doch auch einmal die Großen Mausohren oder die zahlreichen weiteren Attraktionen des Biosphärenreservats Rhön.

Gleitschirmfliegen in Thüringen

Dienstag, den 17. Mai 2011

Eine noch junge, zugegebenermaßen zumindest was die Kosten für die Ausbildung, das Fluggerät und die erforderliche Ausrüstung betreffen, nicht ganz billige Sportart, ist das Gleitschirmfliegen, das oft auch als Paragleiten bezeichnet wird.
In Europa etwa seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts modern geworden, wurde es anfangs als eine Art Sturzflug von steilen Berghängen praktiziert. Es dauerte jedoch nicht lange, bis dieser attraktive Sport, der unvergleichliche Momente des Gefühls der Freiheit und berauschende Bilder aus der Luft vermitteln kann, sowohl was die Ausrüstung als auch seine unterschiedlichen Techniken betrifft, seine heutigen Formen der Ausübung angenommen hat.

Hauptunterschiede stellen die Bedingungen am Start und die Position des Startenden dar.
So kann der Start von Hang eines Berges oder an einem steilen Küstenabschnitt erfolgen, wobei für den anschließenden Flug größtenteils nur thermische Aufwinde nutzbar sind. Im Unterschied dazu ermöglicht der Start in der Ebene mittels Seilwinde die Nutzung sowohl thermischer als auch dynamischer Aufwinde.
Als Startpositionen sind Vorwärts- oder Rückwärtsstart, mit oder gegen den Aufwind denkbar.

Der Sportler hängt während des Fluges durch Leinen verbunden in einem Gurtzeug unter dem Gleitschirm und verwendet für seine Orientierung in der Luft meist Variometer und GPS-Gerät.
Für die sichere Ausübung dieses Sports ist eine entsprechende Ausbildung mit abschließender Prüfung und dem Erhalt einer Lizenz erforderlich, die man ab einem Alter von 16 Jahren erlangen kann.
Eine Sonderform des Gleitschirmfliegens bildet das Motorschirmfliegen.

Den Einstieg in diese attraktive Sportart findet oftmals über einen Tandemflug statt, der als eine Art “Schnupperangebot” dient.
Wie in vielen Gegenden Deutschlands hat das Gleitschirmfliegen inzwischen auch im Land Thüringen eine erstaunliche Verbreitung erreicht. Das belegen unter anderem die zahlreichen ausgewiesenen Orte, an denen dieser Sport ausgeübt werden kann.

Einige davon sollen stellvertretend kurz erwähnt werden.
Jena und Crawinkel bei Erfurt, Altenbeuthen am Hohenwartestausee, Saalfeld an der Rohrbahn, Sondershausen am Frauenberg oder Lauterbach am Harsberg - von jedem Startplatz aus wird der Gleitschirm dem Sportler herrliche Blicke auf die reizvollen Landschaftsformen Thüringens ermöglichen.
Und wer der Meinung ist, in seinem Bekannten- oder Freundeskreis einer Person ein besonderes Erlebnis zukommen lassen zu wollen, der könnte dies durchaus mit einem Gutschein für einen Tandem-Gleitschirmflug tun.

Schon bald verkehren Elektrofahrzeuge auf einem Teilabschnitt des Rennsteigs

Donnerstag, den 12. Mai 2011

Deutschlands bekannter Höhen-Wanderweg Rennsteig, wird auf seiner gesamten Länge von dem zu ihm größtenteils parallel verlaufenden Höhen-Radwanderweg begleitet. Bei seiner Gesamtlänge von 195 Kilometern bewegt sich dieser zum überwiegenden Teil in einer Höhenlage von 700 bis 850 Metern, wodurch es auch den so genannten “Familien- oder Gelegenheitsradlern” ermöglicht wird, ihn relativ leicht zu bewältigen.

Diese Tatsache macht sich jetzt auch ein Projekt zunutze, das der Verein Naturpark Thüringer Wald in enger Zusammenarbeit mit dem Frauenhofer-Anwendungszentrum für Systemtechnik und der SEI GmbH Ilmenau gestartet hat.
Dieses, unter dem Namen E.WALD gestartete Projekt sieht die Einrichtung von Verleih- und Servicestationen auf dem Rennsteig vor, in denen sich zwischen Friedrichshöhe und Oberhof Elektrofahrräder, Elektro-Rollstühle und weitere Elektromobile ausgeliehen werden können. Bis 2012 sollen damit auf der rund 50 Kilometer langen Teilstrecke des Rennsteigs sechs derartige Stationen ausgestattet werden.
Mit Hilfe der Kraft der ständig in Betrieb befindlichen oder - im Fall der Fahrräder - zuschaltbaren Elektromotoren, wird es möglich sein, dass künftig auch erkrankten oder behinderten Menschen das Erleben der Natur auf dem Kamm des Thüringer Waldes ermöglicht wird.

Als Vorreiter fungiert dabei die Kurklinik in Masserberg, die für eine Tagespauschale von nur 15 Euro die ersten E-Bikes an interessierte Radler ausleihen wird. Da dies hoffentlich nicht nur für Hausgäste möglich sein wird, können wahrscheinlich auch Gäste, die ihren Urlaub in einem anderen Hotel in Masserberg verbringen die E-Bikes ebenfalls nutzen.
Sobald das Projekt E.WALD zwischen Friedrichshöhe und Oberhof vollständig realisiert ist, können dann mittels des jeweilig benutzten Elektromobils vom Informationszentrum des Naturparkvereins in Friedrichshöhe aus vorbei am Aussichtsturm und dem Dreiherrenstein bei Masserberg, vorüber am Gedenkstein für den Volksmusik-Komponisten Herbert Roth bis hinein in das Wintersportzentrum Oberhof, das im Sommer seinen Rennsteiggarten zur Besichtigung präsentiert, einige der populärsten Sehenswürdigkeiten dieser Region mit Hilfe dieser Art einer erleichterten Fortbewegung besucht werden.

50 Jahre Ega-Park Erfurt - aber wie weiter?

Donnerstag, den 5. Mai 2011

Begonnen hat alles als größter Garten der DDR und Markenzeichen der Gartenstadt Erfurt mit der internationalen Gartenbauausstellung - auch als IGA weit über Erfurts Grenzen hinaus bekannt.
Die jährlichen Ausstellung von Gartenbauprodukten am östlichen Stadtrand von Erfurt wurde von den Einwohnern der Stadt ebenso gern besucht wie von den Gästen aus dem ganzen Land und den Ländern Osteuropas.

Dann aber kam die Wende und statt diese Grüne Oase in die versprochenen blühenden Landschaften einzubeziehen, führten eine drastische Reduzierung ihrer Ausstellungsflächen und der verfügbaren Finanzen zu einer Situation, die fast ihr Aus bedeutet hätte und unter der die sich nun Ega nennende Gartenbauausstellung noch heute zu leiden hat.

Immerhin hat sie aber wieder einen vorderen Platz unter den Sehenswürdigkeiten der Landeshauptstadt eingenommen und bietet heute als wohl größter Garten Thüringens Attraktionen wie den japanischen Felsengarten, tropische Pflanzenschauhäuser und das in der Cyriaksburg untergebrachte Gartenbaumuseum.
Und schließlich konnten schon viele Kinder mit dem riesigen Abenteuerspielplatz auf dem Gelände der Ega ihre Bekanntschaft machen.

Trotz dieser erfreulichen Tatsachen ist die Zukunft der Ega weiterhin ungewiss.
Erst in dieser Woche spielte das Thema wieder eine Rolle in der Stadtratssitzung. Der Verkauf weiterer Flächen, der Neubau einer Gaststätte und der Erhalt des großen Blumenbeetes stehen zur Entscheidung an, doch ein gültiges Konzept ist erst für den Herbst 2011 in Aussicht gestellt. Und so wirkte der von Andreas Bausewein - Oberbürgermeister Erfurts - genannte Investitionsstau von annähernd 20 Millionen Euro alles andere als ermutigend oder beruhigend.
Und auch die von den Vertretern der verschiedenen Fraktionen beigesteuerten Diskussionsbeiträge stellten außer weiteren Forderungen keine umfassende Lösung in Aussicht.

Bei dieser Situation stellt sich die Absicht, im Jahr 2021 die Bundesgartenschau nach Erfurt zu holen und damit gleichzeitig das 60-jährige Bestehens des Egaparks zu würdigen, momentan eher wie der berühmt-berüchtigte Strohhalm dar, der zwar da ist, an den sich aber keiner klammern möchte, weil er dann ganz zu brechen droht.
Auch die Aussage des Oberbürgermeisters, dass Erfurt um die Ausrichtung der Buga kämpfen wolle wie einst Leipzig um die der Olympischen Spiele, lässt nicht gerade einen optimistischen Blick auf das Ergebnis zu.

Immerhin wäre wohl mit Kosten von bis zu 40 Millionen Euro zu rechnen, wobei sozusagen als Nebeneffekt davon auch die Stadtentwicklung Erfurts profitieren könnte.
So heißt es nun warten auf das versprochene Konzept und die daraus abgeleiteten Beschlüsse und Maßnahmen. Zu wünschen wäre Erfurt der Erhalt und die Möglichkeit zur Pflege dieses größten Gartens in Thüringen auf alle Fälle. Schließlich ist auch die Ega ein schlagkräftiges Argument für einen Urlaub in Thüringen.