Monatsarchiv für Juli 2011

Und wieder locken die Geraer Höhler

Freitag, den 29. Juli 2011

Für Kunstinteressierte aus Nah und Fern ist nun die Zeit wieder gekommen, sich in die Unterwelt von Gera zu begeben, um sich an den Arbeiten von 54 Kunstschaffenden aus aller Welt in den legendären Höhlern der Stadt zu erfreuen und zu begeistern.
Im Rhythmus von zwei Jahren findet die im Jahr 2003 ins Leben gerufene Höhler Biennale statt. In diesem Jahr, dem 120. Geburtsjahr des berühmten Malers Otto Dix, lehnen sich die zur Schau gestellten Arbeiten unter dem Thema “Unterwelt” dessen Schaffen im Zusammenhang mit dem Milieu der Demimonde an. Dabei handelte es sich um eine Gruppe äußerlich vornehmer aber aus zweifelhaften, teils kriminellen Kreisen stammender Personen.

Eine hervorragende Kulisse bilden dabei fünf der Geraer Höhler, die mit weiteren über 200 dieser tief liegenden Wirtschaftskeller zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert angelegt wurden. Sie dienten hauptsächlich zur kühlen Lagerung von Bier und durchzogen mit einer Gesamtlänge von etwa neun Kilometer den Untergrund der Altstadt.
Bei acht bis zwölf Grad Celsius und einer extrem hohen Luftfeuchtigkeit bewegt sich der Besucher durch knapp zwei Meter hohe, sehr schmale Gänge, um dabei Bekanntschaft zu machen mit einem Kunsterlebnis aus Licht und Schattenrissen, aus Licht und Farboptik sowie Klang und Bewegung.

Als Schirmherrin der diesjährigen Höhler-Biennale wurde Thüringens Ministerpräsidentin, Christine Lieberknecht gewonnen. Kunsthistoriker wählten die Teilnehmer und deren Arbeiten aus. Unter den deutschen Teilnehmern befinden sich 13 Kunstschaffende aus Thüringen>. Aus dem Ausland kommen unter anderem Künstler aus China, den USA und den Niederlanden.
Die in den fünf Höhlern unterhalb des Geraer Stadtzentrums ausgestellten Exponate eigenen sich nicht gut für eine beschreibende Darstellung. Man muss sie einfach, umgeben von der Atmosphäre der “Unterwelt” gesehen, gehört und erlebt haben, um dieses unvergleichliche Kunsterlebnis in sein persönliches Empfinden einordnen zu können.

Die 5. Höhler-Biennale in Gera ist bis zum 30. Oktober geöffnet und kann wöchentlich jeweils von Mittwoch bis Sonntag zwischen 10.00 und 18.00 Uhr besucht werden.

Vom Schneekopf zum Glas- und Wilderermuseum in Gehlberg

Freitag, den 22. Juli 2011

Den Besuch zweier Ausflugsziele hatte ich mir für meinen Urlaub in Oberhof im vergangenen Monat von Anfang an vorgenommen: Den auf den höchsten Punkt des Thüringer Waldes und den in ein Museum, das trotz seiner Beengtheit eigentlich zwei Museen unter einem Dach vereint.

Mein Tagesausflug begann auf einem Waldparkplatz in der Nähe der Schmücke. Von dort führte ein schöner Wanderweg durch das Schneekopfmoor auf den mit 978 Metern zweithöchsten Berg dieses Mittelgebirges. Wenn nun jemand fragt, warum ich mich nun auf dem höchsten Punkt des Thüringer Waldes wähnte, so gibt es dafür eine recht plausible Antwort. Der neu erbaute und recht modern gestaltete Aussichtsturm auf dem Plateau des Schneekopfes besitzt eine Aussichtsgalerie in 1001 Meter Höhe und erfüllt damit den Anspruch, höchster möglicher Standort in Thüringen zu sein.
Kein großes Glück hatte ich allerdings mit der Fernsicht, denn trotz Sonnenschein war Richtung Horizont alles in Dunst gehüllt.

So machte ich mich auf den Weg zu meinem zweiten Ziel, das ich im Zentrum des völlig von Wald umgebenen Gehlbergs fand. Das Glas - und Wilderermuseum ist in einem zweigeschossigen Gebäude untergebracht und täglich, außer montags und im November, zu besuchen.
In der dem Glas gewidmeten Abteilung ist allerlei Wissenswertes über die Herstellung von Erzeugnissen aus Glas im 17. und 18. Jahrhundert zu erfahren. Dazu erhält der Besucher einen kleinen Einblick in die Arbeits- und Lebensbedingungen eines Glasmachers in der damaligen Zeit.
Wer seinen Museumsbesuch auf einen Freitag legen kann, der kann außerdem einen Glasbläser bei seiner filigranen Arbeit zuschauen.

In einer Art zweitem Museum wird die Geschichte der Wilddieberei im Thüringer Wald behandelt. Interessant dabei, wie unterschiedlich der Wildfrevel in den vergangenen Jahrhunderten geahndet wurde.
Stülpner Karl und Rhön-Paulus sind nur zwei Wildschützen vergangener Tage, deren Taten in einem weiteren Bereich dokumentiert und kommentiert sind.

Auf meiner kurzen Fahrt zurück nach Oberhof ging mir so durch den Kopf, dass das Museum zwar für Kinder durchaus geeignet erscheint, das bei manchen Quellen angegebene Alter “ab fünf Jahre” allerdings zweifelhaft erscheint, da sie die vielen Dokumente und Texte sicher noch nicht selber lesen können.

Fotowettbewerb der Deutschen Bahn: Mein schönstes Bahnreise-Foto läuft noch bis zum 31.August 2011

Dienstag, den 19. Juli 2011

Hier bietet sich doch die Gelegenheit, sowohl für Thüringen- Touristen als auch für Einheimische, unsere Region von ihrer schönsten Seite zu zeigen.

Gemeinsam mit der Deutschen Bahn veranstaltet das Internetportal Erfahrungsschatz.net erstmalig einen großen Fotowettbewerb: „Mein schönstes Bahnreise-Foto“. Ob Schnappschuss, stimmungsvolle Komposition oder Gruppenfotos spielt hier keine Rolle. Unter www.erfahrungsschatz.net darf jeder sein schönstes Erinnerungsfoto an Bahnreisen hoch laden. Den besten Einsendungen winken attraktive Preise wie etwa ein Wochenende in Nürnberg für zwei Personen inklusive 500 Euro Reisekasse oder eine Bahn- Card.
Darüber hinaus werden die Gewinnerfotos dann auch auf der Homepage der Deutschen Bahn veröffentlicht.
Bekanntlich lassen sich viele der Sehenswürdigkeiten und Wanderrouten der Region ja bestens per Bahn erreichen.
Wer also bereits den ein oder anderen Schnappschuss in der Tasche (oder eher: auf der Speicherkarte) hat, kann diesen völlig unkompliziert hoch laden. Und wer darüber hinaus seiner (Urlaubs)Region noch etwas Gutes tun möchte, dem sei empfohlen per Bildunterschrift anderen Interessierten zu verraten wo im schönen Thüringen dieses Foto entstanden ist ;-)

Erfahrungsschatz bietet übrigens in anderen Kategorien noch reichlich Raum zum Austausch von schönen Erlebnissen und Erfahrungen rund um das Thema Reisen.
Es lohnt sich also allemal ein Blick auf die Bahnreise-Fotos zu werfen. Vielleicht findet so mancher auf diesem Weg neue Ideen für Urlaubsziele in der Region. Mitmachen, Mitreden, Erfahrungen austauschen lautet das Motto!

Kennen Sie die Wüstung Billmuthausen?

Donnerstag, den 14. Juli 2011

Groß ist sie - die Zahl der Wüstungen, die nach der Teilung Deutschlands an der innerdeutschen Grenze aber auch an der zwischen der damaligen DDR und der heutigen Tschechoslowakei entstanden.
Eine von ihnen ist die Wüstung Billmuthausen, die heute vor allem dank der Bildung eines Fördervereins im Jahr 1994 den Charakter einer Gedenkstätte trägt.

Aus dem ehemaligen Rittergut Billmuthausen entwickelte sich ein kleines Dorf, das ganz im Süden Thüringens zwischen Bad Colberg-Heldburg und dem bayerischen Bad Rodach lag. Wenige Häuser, eine kleine Kirche und eine Mühle bildeten den Ort, der sogar eine eigene Wasser- und Stromversorgung hatte.
Nachdem das Gebiet um Billmuthausen 1952 zur Sperrzone erklärt wurde, flüchteten sieben Familien nach Bayern.
Zwei weitere wurden im Zusammenhang mit dem Ausbau der Grenzbefestigung 1961 zwangsweise ausgesiedelt.
Wenige Jahre danach wurde die Dorfkirche abgerissen und schließlich wurde 1977 mit dem Abriss der Mühle die vollständige Räumung des Dorfes eingeleitet. Im darauf folgenden Jahr verließ die letzte Familie den Ort, durch den nun nur noch die Grenzanlage verlief.

Offiziell wurde der Ort jedoch weitergeführt. Er behielt bis 1990 seine Postleitzahl, die sogar 1993 mit der Zahl 98663 in das fünfstellige Postleitzahlen-Verzeichnis Deutschlands übernommen wurde.
Unter dieser Adresse waren jedoch nur noch ein kleiner Friedhof und das Türmchen einer Transformatorenstation erreichbar. Die Glocken der Kirche und einige sakrale Gegenstände waren bereits vorher ausgelagert worden.

1992 wurden auf dem Friedhof ein Gedenkstein errichtet. Zwei Jahre später, mit der Gründung des bereits erwähnten Fördervereins “Gedenkstätte Billmuthausen” wurde eine Gedächtniskapelle errichtet und die wenigen Überreste der Dorfanlage, wie der Dorfbrunnen, rekonstruiert. An die ehemalige Mühle erinnert heute ein drei Tonnen schwerer Mühlstein. Einige Informationstafen erläutern die traurige Vergangenheit des Dorfes Billmuthausen.

Eine besondere Ehre wurde einem ehemaligen gut erhaltenen Grenzwachturm zuteil, der heute unter der Bezeichnung “Artenschutz-, Forschungs- und Fledermauszentrum Billmuthausen” seinen äußerst friedlichen Dienst verrichtet.

Sollten Sie einmal in der Gegend um Eisfeld oder Hildburghausen verweilen, dann könnten Sie sich bei einem Besuch der Gedenkstätte der Wüstung Billmuthausen an die Zeit des kalten Krieges und das damit verbundene Leid vieler Menschen zurück erinnern.

Waren Sie schon mal in Trützschler´s Milch- und Reklamemuseum?

Donnerstag, den 7. Juli 2011

Jeder, der diese Frage mit “nein” beantworten muss, aber irgendwann einmal in die ehemalige Residenzstadt Hildburghausen im Süden Thüringens kommt, dem kann zu einem solchen Besuch nur geraten werden.
Denn in der Knappengasse 26, in einem vor Jahren von der Molkerei genutzten Gebäude, hat Werner Trützschler in einer privaten Sammlung alles zusammengetragen, was auch nur ansatzweise mit der Milch zu tun hat.

Wer das täglich, außer montags geöffnete Museum besucht, wird in der Regel bei seinem Rundgang, der zum größten Teil auf dem Dachboden des Hauses stattfindet, von Werner Trützschler begleitet und erhält von ihm über viele der Exponate interessante Erläuterungen.
Dabei sind die Butterfässer, Milchtöpfe, Melkschemel oder Plakate nicht wie sonst in Museen üblich akkurat sortiert und übersichtlich angeordnet. Hier muss der Betrachter Augen und Ohren offen halten, um die mehr oder weniger versteckten Kostbarkeiten wie eine Butterschaukel, eine Briefmarke mit Kuhkopf oder eine historische Rechenhilfe zur Buchführung in einer Molkerei zu entdecken.
Und am Ende des Rundgangs durch diese erste Abteilung des Museums bleibt sicher der Eindruck haften, nunmehr alles, aber auch wirklich alles über Milch, Quark, Butter, und Käse gesehen zu haben.

In einem zweiten Bereich sind dann noch Emaille-Reklameschilder aus der Zeit von 1900 bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs zu betrachten. Neben Maggi, Odol und anderen zum Teil noch heute bekannten Marken sind es vor allem Schilder von Brauereien aus dieser Zeit und die einiger heimischer Firmen, die anschaulich davon berichten, wie in einer Epoche ohne Fernsehen und Internet die Werbung funktionierte und ohne riesige Summen zu verschlingen, die Menschen zum Kaufen animierte.