Monatsarchiv für Januar 2012

Stepfershausen und das Träbeser Loch

Dienstag, den 24. Januar 2012

Der am 19. Januar erschienene Blog-Beitrag über das Städtchen Ummenstadt gab für mich den Anlass, ein paar von mir gesammelte Eindrücke über die sicher ebenfalls nur wenig bekannte Gemeinde Stepfershausen und ihre Umgebung an reiselustige Menschen weiterzugeben.
Stepfershausen liegt etwa zehn Kilometer nordwestlich von Meiningen am östlichen Rand der Rhön.
Der schon weit über 1.000 Jahre existierende Ort besaß einst eine wehrhafte Burg und wurde um das Jahr 1600 mit einer zusätzlichen hohen Dorfmauer umgeben. Auf den Grundmauern der Burg wurde später eine Kirche errichtet, deren Turm je nach Interpretation der Bergfried der Burg gewesen sein könnte.
Hauptsächlichste Sehenswürdigkeiten dieses idyllischen Ortes sind jedoch 13 Laufbrunnen, deren Existenz der Gemeinde Stepfershausen die Bezeichnung als “Dorf der Brunnen” verdankt.
Alle 13 Laufbrunnen, die öffentlich und funktionstüchtig sind, sind von schmucken Fachwerkhäusern umgeben und besitzen jeweils einen eigenen Namen und einen Brunnenspruch.
Die ältesten der Fachwerkhäuser wurden bereits gegen Ende des 16. Jahrhunderts erbaut.

Bei einem Aufenthalt in der Gemeinde ist in der Nähe des bereits erwähnten Kirchturms ein weiterer Turm, auch als Schulturm bezeichnet, mit einer welschen Haube zu entdecken, der ebenfalls zur alten Burg gehört haben könnte. Beide denkmalgeschützten Türme sind im Dorf als “Wächter und Hüter” bekannt.
Sehenswert auch der Lindenanger und eine kleine, in der Maltenne untergebrachte Galerie.
Erwähnenswert ist wohl noch die Tatsache, dass die Bewohner von Stepfershausen ein feierfreundliches Völkchen sind. Darauf deuten zumindest Veranstaltungen wie der Ostertanz, Sport- und Chorfest, Lindenfest, Backhausfest und Brunnenfest hin.

Wenige hundert Meter südlich vom Ortszentrum befindet sich in der Nähe des Ortsteils Träbes das als Geologisches Naturdenkmal ausgewiesene Träbeser Loch. Hierbei handelt es sich um einen mächtigen Erdfall, der seine Ursache in Auslaugungen von Salz und Gips und den dadurch entstandenen Hohlräumen hatte. Das 27 Meter tiefe Loch, das einen Durchmesser von etwa 80 Metern hat, existiert mindestens schon seit dem Jahr 1700, in dem es erstmals nachweisbar erwähnt wurde. Seither war es auch ein willkommener Anlass für Legenden und Sagen, die sich noch heute um das Träbeser Loch ranken.

Wer kennt Ummenstadt?

Donnerstag, den 19. Januar 2012

Um ehrlich zu sein, kannte ich sie bis vor kurzer Zeit auch nicht - die mit etwa 500 Einwohnern kleinste Stadt Thüringens und zweit kleinste in ganz Deutschland.
Wer sie auf der Landkarte sucht, muss den äußersten südlichen Zipfel Thüringens anvisieren und wird etwa zehn Kilometer westlich vom bayerischen Coburg fündig. Hier, am der in die Itz und schließlich in den Main mündenden Rodach ist das auf drei Seiten von Bayern umgebene Ummenstadt zu finden. Mit berechtigtem Stolz bereiten die Einwohner dieses sehr, sehr hübschen Städtchens zur Zeit ihre 1175-Jahr-Feier vor, die sie im Juli dieses Jahres begehen werden.

Damit ist bereits gesagt, dass Ummenstadt eine bewegte Geschichte hinter sich hat. Von einer mittelalterlichen Befestigungsanlage sind heute noch Überreste zu entdecken. Stadtrechtsurkunden gingen mehrmals verloren und sind nur noch in Form einer Kopie vorhanden. Wie viele Städte litt auch Ummenstadt unter dem Dreißigjährigen Krieg, nach dessen Ende hier nur noch 26 bewohnte Häuser existierten.
Im 18. Jahrhundert blühte das Töpferhandwerk auf und 1813 lebten und arbeiteten in der Stadt 16 Töpfer. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwand das Handwerk und nur noch eine kleine Ausstellung zeugt im Töpfer- und Heimatmuseum von den damals produzierten Tellern, Vasen und Krügen.

Nicht tot zu bekommen war dagegen die Tradition des Brauens, die ebenfalls bereits im 18. Jahrhundert gepflegt wurde und 1861 zum Bau eines Brauhauses führt in dem noch heute Bier gebraut wird. Dies erfordert allerdings den Einsatz von bis zu acht Personen, die das Gebräu sozusagen noch von Hand herstellen, denn nur eine Wasserpumpe besitzt den einzigen elektrischen Anschluss.
Seine wohl einwohnerstärkste Zeit hatte Ummenstadt im Jahr 1949 mit etwa 1000 Einwohnern, die sich dann durch Zwangsaussiedlungen und Abwanderungen aus dem Sperrgebiet und Weggänge nach der Wende bis auf die derzeitige Zahl reduzierte.

Die vielen prächtig restaurierten Fachwerkfassaden des historischen Ortskerns verleihen Ummenstadt ein unverwechselbares Aussehen. Beeindruckend der Marktplatz mit der herrlichen Fassade des Rathauses, einem Marktbrunnen und der Stadtkirche. Eine zweite, sehr alte Kirche ist die Bergkirche St. Andreas, die von einer Wehranlage umgeben ist. Schließlich fügt sich die aus dem Jahr 1565 stammende steinerne Brücke über die Rodach malerisch in die denkmalgeschützte Ortslage ein. An alte Zeiten erinnern die fünf erhaltenen Laufbrunnen in der Stadt, die früher die Trinkwasserversorgung sicherten.

Sollte die Beschreibung meiner kleinen Exkursion in diesen südlichsten Winkel Thüringens Lust und Interesse zum Kennenlernen geweckt haben, so ist damit bequem auch ein Besuch im benachbarten Coburg oder auf der aus dem Jahr 1317 stammenden Veste Heldburg im nahe liegenden Bad Colberg-Heldburg zu verbinden.

Der Pilgerweg Via Porta lädt ein

Freitag, den 13. Januar 2012

Ob auf allen 18 Etappen mit einer Gesamtlänge von reichlich 300 Kilometern oder nur auf einigen der insgesamt 18 Etappen - der Verlauf des Pilgerweges Via Porta bietet für jeden, der sich zu einer besinnlichen Wanderung auf ihm entschließt, die Möglichkeit, dem seiner Eröffnung im Jahr 2010 vorausgehenden Grundgedanken zu folgen.
Dieser besteht darin, in der herrlichen Naturlandschaft Thüringens und Frankens beim Meditieren oder bei Gebeten die gelebte Ökumene nachzuvollziehen.

Der Gedanke der Ökumene findet sich zudem in der Eröffnung dieses wohl noch wenig bekannten innerdeutschen Pilgerwegs Via Porta im Mai des Jahres 2010 anlässlich des zu dieser Zeit in München stattfindenden 2. Ökumenischen Kirchentages wieder. Indem der Pilgerweg im thüringischen Volkenroda in der Nähe von Mühlhausen am Kloster der evangelischen Jesusbrüderschaft beginnt und an der katholischen Zisterzienserabtei im bayerisch-fränkischen Waldsassen endet, stellt er eine Einmaligkeit dar, die auf einem historischen Hintergrund beruht.

Dieser führt zurück in die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts, als zwölf Zisterziensermönche vom Niederrhein nach Volkenroda kamen und hier auf den Ruinen einer ehemaligen Reichsburg ein Kloster errichteten.
Bereits kurze Zeit später, als sich ihr guter Ruf über die Klostermauern hinaus verbreitete, holte sie ein bayerischer Markgraf zur Unterstützung der Gründung eines Klosters nach Waldsassen, unweit der böhmischen Grenze.
So entstanden damals ein evangelisches Kloster und eine katholische Abtei, die sich heute in einem neuen und einem alten Bundesland befinden, und deren sie heute verbindender Pilgerweg dem europäischen Gedanken folgend auf zwei seiner 18 Etappen auch durch Tschechien führt.

Das Kloster Volkenroda wurde bereits im 16. Jahrhundert aufgelöst und zerstört. Nach 1990 waren nur noch einige Ruinen und wenige Häuser von der ehemaligen Klosteranlage vorhanden, die von einer Jesus-Brüderschaft übernommen wurden. Mit Unterstützung von Mitteln der EU wurde danach hier ein Europäisches Jugendbildungszentrum eingerichtet und im Jahr 2001 schließlich der auf der Expo 2000 in Hannover aufgestellte Christus-Pavillon nach Volkenroda umgesetzt.

Der Verlauf des Via Porta führt von hier aus durch den Hainich, den Thüringer Wald mit Friedrichroda und der Ebertswiese, durch das Thüringer Schiefergebirge über Neustadt und Limbach am Rennsteig und führt später bei Blankenstein ins fränkische Fichtelgebirge und schließlich über die tschechischen Städte Franzensbad und Eger nach Waldsassen in der Oberpfalz.

Das in Waldsassen befindliche Kloster ist im Unterschied zur Anlage in Volkenroda nach einer grundlegenden Sanierung in einem ansehnlichen Zustand. Besonders die borocke Stiftsbasilika, die im Jahr 1969 den päpstlichen Ehrentitel Basilica minor erhielt und der holzgeschnitzte Bibliothekssaal ragen noch aus der von Zisterzienserinnen bewohnten Klosteranlage heraus.

Schließlich soll noch ein besonderes zusätzliches christliches Bindeglied der Endpunkte der Via Porta erwähnt werden. Dabei handelt es sich mit dem mittelalterlichen “Volkenrodaer Kruzifix” und dem “Geschändeten Heiland von Waldsassen” um zwei von den Pilgern besonders verehrte Ziele ihrer Reise.