Monatsarchiv für März 2012

Neues von Schloss Kochberg

Freitag, den 30. März 2012

Im nördlich von Rudolstadt gelegenen Ort Großkochberg bietet das mit Fug und Recht als architektonisches Kleinod zu bezeichnende Schloss Kochberg in Kürze wieder Gelegenheit, hier nach einer für rund zwei Millionen Euro erfolgten teilweisen Restaurierung und Sanierung einige wunderbare Stunden zu verbringen.
Am kommenden Sonntag, den 01.April, erfolgt die Wiedereröffnung des Schlosses einschließlich seines Liebhabertheaters und des Schlossparks durch den Generaldirektor der Museen der Klassik Stiftung Weimar.

In die zurückliegende Restaurierungsphase waren Maßnahmen eingeschlossen, die vom Entschlammen des Wassergrabens, der Erneuerung des Abwassernetzes, über die Reparatur von Dächern und Fenstern, den Einbau einer modernen Heizungsanlage, der Verbesserung des Brandschutzes bis hin zu einem Fahrstuhl im Bereich des ehemaligen Schornsteinschachtes reichten.

Einer der Hauptanziehungspunkte von Schloss Kochberg ist neben dem im Ostflügel untergebrachten Museum, in dem unter anderem zwei originale Schreibtische des Dichterfürsten Goethe zu bestaunen sind, das einzigartige Liebhabertheater.
Diese wurde durch einen vom Sohn Charlotte von Steins um das Jahr 1800 veranlassten Umbau eines am Eingang des Schlossparks befindlichen Gartenhauses geschaffen.
Durch einen Säulenportikus gelangt man in den 75 Personen Platz bietenden Zuschauerraum, der ebenfalls mit Säulen verziert ist und dessen gelbe Farbgebung in Verbindung mit Bordüren und Girlanden seine architektonischen Formen unterstreicht. Der hohe und helle Bühnenraum ist in zarte Blautöne gehalten.

Während früher hier die Mitglieder der Familie Stein oft selbst geschriebene kleine Stücke aufführten, werden in der am 05. Mai beginnenden Spielzeit des Jahres 2012 wieder Theater- und Musiktheateraufführungen mit Werken aus unterschiedlichen Epochen stattfinden, die die Zuschauer an einem authentischen Ort der Goethezeit erleben können. Bereits am Ostersamstag, dem 07. April wird in zwei, der offiziellen Spielzeit vorausgehenden Veranstaltungen ein Osterspaziergang geboten, der aus der im Liebhabertheater gezeigten Osterszene aus Goethes “Faust” und einem anschließenden Spaziergang durch den Park besteht. Kleiner Wermutstropfen am Schluss - Karten dafür dürften wohl nicht mehr erhältlich sein.
Ein Besuch des Schlossensembles Kochberg einschließlich des herrlichen Parks ist aber sowohl für die Tage des Osterfestes als auch für die kommende warme Jahreszeit auf alle Fälle zu empfehlen.

Wer kennt Erich Spießbach?

Freitag, den 23. März 2012

Ganz bestimmt nicht allzu viele, denn auch mir ging es so, als ich von der bevorstehenden kleinen Ausstellung über diesen nicht ganz leicht einzuordnenden Künstler erfuhr.
Geboren 1901, war der in Gotha aufwachsende Erich Spießbach ein junger Mann, den es gemeinsam mit seinem Bruder schon früh zur Kunst hinzog. Er lernte Technischer Zeichner, besuchte zwei Kunstgewerbeschulen und meldete sogar eine Bildhauerwerkstatt an. Aquarelle und Zeichnungen mit Pflanzen- und Landschaftsstudien entstanden in dieser Zeit. Beruflich war er korrekt und fleißig mit archäologischen Arbeiten beschäftigt, die ihn von 1925 bis 1928 als Restaurator ans Heimatmuseum in Gotha führten.

1928 wechselte er ans Westfälische Landesmuseum für Vor- und Frühgeschichte im katholisch-konservativen Münster. Bald geriet er mit den dort tätigen Professoren in Konflikte, die in Rechtsstreitigkeiten mündeten, welche Spießbach mit großer Hartnäckigkeit betrieb. In dieser Phase zeichnete sich seine spätere wahnhafte Erkrankung ab, die Anfang der 40er Jahre in einer regelrechten Prozesssucht mündete. 1943 wurde von Militärärzten bei ihm ein “Querulanten-Wahn” diagnostiziert, in dessen Folge er entmündigt und in ein psychatrisches Krankenhaus eingewiesen wurde.

Nach einigen Ausbruchsversuchen verschaffte ihn ein verständnisvoller Arzt 1951 schließlich die Gelegenheit, in der Anstalt künstlerisch tätig zu werden. Jetzt entstanden innerhalb weniger Jahre über 300 Zeichnungen, die sich mit politischen aber auch satirischen Themen beschäftigten. Er ließ sich von den Köchinnen in der Anstalt ein “Idiotendiplom” ausstellen und brachte daneben seinen beißenden Spott in Werken wie “Die Siegreichen Dummen” oder “Das Teutsche Volk”, das er als “Idiotenklub” darstellte, zum Ausdruck.
1956 kam er bei einem weiteren Fluchtversuch ums Leben.

Das Museum für Regionalgeschichte und Volkskunde auf Schloss Friedenstein in Gotha beschäftigt sich in einer vom 24. März bis zum 02. September diesen Jahres laufenden Sonderausstellung unter dem Motto “Der dreifach diplomierte Idiot” mit dem Leben und Schaffen des Künstlers und “manischen Querulanten” Erich Spießbach.
Der Direktor des Museums, Thomas Huck, sagte dazu im Vorfeld der Ausstellung: “Eigentlich ist seine Geschichte vor allem die eines fähigen Menschen, der durch Psychiater zum Idioten gestempelt wird.” Seine Werke seien weniger von Wahnsinn geprägt als von einer genauen Beobachtung seiner Zeit und der in dieser lebenden Menschen.

Die schönsten Radwanderwege in Thüringen

Freitag, den 16. März 2012

Bald beginnt sie wieder - die Zeit der Radwanderer, die mit ihrem eigenen oder auch angemieteten fahrbaren Untersatz per Muskelkraft (die inzwischen durch eine mögliche Unterstützung mittels eines zusätzlichen Motors zu minimieren ist) ihre Heimat oder ihr Urlaubsgebiet erkunden werden.
Thüringen ist dazu bestens geeignet, verfügt es doch über eine Vielzahl an Radwegen, die sich entweder auf das Gebiet des Bundeslandes beschränken oder dieses durchkreuzen.

Einer der bekanntesten dürfte wohl der Rennsteig-Radwanderweg sein, der zum großen Teil parallel zu seinem berühmten Namensgeber, dem Rennsteig-Höhenwanderweg verläuft. Nicht jeder möchte ihn auf seiner ganzen Länge von 195 Kilometern bewältigen und kann sich so zwischen Hörschel und Blankenstein bestimmte Etappen selbst auswählen. Als Tipp ist hinzuzufügen, dass die zu überwindenden Höhenunterschiede nicht so dramatisch sind, wie man annehmen könnte, denn mehr als drei Viertel der Wegstrecke verläuft zwischen 700 und 850 Meter Höhe.

Ein Radweg der neben einer beeindruckenden Natur besonders viele bekannte aber auch weniger bekannte Sehenswürdigkeiten berührt, ist der Ilmtal-Radweg. Er verläuft zwischen Allzunah am Rennsteig und Kaatschen-Weichau an der Saale auf einer Strecke von 125 Kilometern und bietet zwischen Start- und Zielort über 600 Meter Höhenunterschied. Auf dieser Strecke lassen sich das Schaubergwerk in Langewiesen ebenso erkunden wie die Klassikerstätten in und um Weimar oder das Wielandgut in Oßmannstedt.

Mit dem etwa nur 32 Kilometer langen Unstrut-Werra-Radweg bietet sich eine Radtour für eventuell nur einen Tag an. Zu überwinden sind etwa 200 Meter Höhenunterschied. Je nach persönlicher Interessenlage stehen hierbei die Müntzer-Gedenkstätte in Mühlhausen, der Baumkronenpfad im Nationalpark Hainich, das Opfermoor bei Niederdorla oder auch die Burg Normannstein bei Treffurt für einen Abstecher zur Auswahl.

Zwischen dem Rennsteig- und dem Unstrut-Radweg verläuft auf 75 Kilometer Länge der Gera-Radwanderweg. Er bietet dem Radler die Möglichkeit, entlang des Flusses Gera mit Arnstadt und Erfurt die beiden ältesten Städte Thüringens kennenlernen zu können. Daneben kann das an der Strecke liegende Barockschloss Molsdorf besucht werden und ist der Blick auf das Burgenensemble der Drei Gleichen zu genießen.

Schließlich sollen wenigstens dem Namen nach noch der fast 200 Kilometer lange Saale-Radwanderweg, der etwa 300 Kilometer lange Werratal-Radweg, der wesentlich kürzere Orla-Radwanderweg und der auf weiten Teilen durch Thüringen führende Unstrut-Radweg Erwähnung finden.
All diese und weitere regionale Radwanderwege in Thüringen erwarten nun wie jedes Jahr wieder die “Ritter der Pedalen”.

Ein Besuch in der “Explorata-Mitmachwelt” in Zella-Mehlis

Donnerstag, den 8. März 2012

In der in der Innenstadt von Zella-Mehlis, direkt an der Hauptstraße gelegenen Ruppberg-Passage hat im vergangenen Jahr die vordem in Suhl stationierte Explorata-Mitmachwelt ihren neuen Standort gefunden.
Auf einer auch als “Hands-on-Museum” bezeichneten Ausstellungsfläche, die etwa 800 Quadratmeter groß sein dürfte, befinden sich hier an die 75 Experimentierstationen, an denen ausprobieren, erforschen und begreifen groß geschrieben wird.

Bei all den pysikalischen Phänomenen, die die Besucher nach eigener Interessenlage auswählen und im wahrsten Sinn des Wortes am eigenen Leib ausprobieren können, ist es vor allem auch sehr beeindruckend, sich die Zeit zu nehmen und einfach zu beobachten, wie Kinder hier ins Staunen geraten, Jugendliche so tun, als wüssten sie schon vorher über das Versuchsergebnis Bescheid, ganze Schulklassen ihrem Lehrer andächtig zuhören um dessen Erklärungen danach praktisch anzuwenden und wie mancher Herr im Seniorenalter sozusagen “über den Dingen schwebend” dann plötzlich doch ein gewisses Erstaunen nicht verbergen kann.

Immerhin kann jeder für sich an den einzelnen Experimentierstationen Fragen beantwortet bekommen wie die, ob man mit einem Partner die Köpfe tauschen kann, ob ein Paukenschlag eine Kerze zum Verlöschen bringt oder ob man seinen eigenen Schatten einfrieren kann.
So ist ein Besuch der Mitmachwelt allen entdeckerfreudigen Menschen nur zu empfehlen, wobei besonders Familien mit Kindern hier ein kurzweiliges Vergnügen regelrecht genießen können.
Und damit Hunger oder Durst die Freude am Mitmachen nicht trüben, bietet ein Bistro ein kleines Imbiss- und Getränkeangebot an.

Die Entvölkerung ostdeutscher Bundesländer macht auch vor Thüringen nicht halt

Donnerstag, den 1. März 2012

Zwei Meldungen vom 28.02., die auf der Webseite “Insuedthueringen.de” unter anderem hier nachzulesen sind, scheinen irgendwie miteinander verflochten, obwohl sie ganz unterschiedlichen Quelle entspringen.
Da ist zum einen das Gutachten mehrerer Wirtschaftsforschungsinstitute mit der bemerkenswerten Aussage, dass die neuen Länder wahrscheinlich niemals das Produktionsniveau der alten Bundesländer erreichen werden. Zum anderen ein Bericht des Landesamtes für Statistik zur Bevölkerungsvorausberechnung in Thüringen bis zum Jahr 2020.

Obwohl jährlich Milliarden Euro in den Osten transferiert wurden und werden ist festzustellen, dass die Entwicklung in den neuen Bundesländern nun schon seit Jahren irgendwie fast stagniert. Das liegt wohl mit daran, dass das transferierte Geld zwar die Infrastruktur verbessern half und hilft, wobei da manch unsinniges Projekt mit finanziert wurde, die ihre Hauptsitze in Westdeutschland behaltenden größeren Unternehmen jedoch die neuen Bundesländer in der Regel als günstig gelegene Billiglohnländer betrachten. Ein Blick in die geltenden Tarifverträge sagt hierzu alles.

Die im Osten für einen niedrigen Arbeitslohn genau so fleißig arbeitenden Menschen wie ihre “Brüder und Schwestern” im Westen können dabei natürlich auch billigere Produkte erzeugen, die damit schön das Produktionsniveau niedrig halten können. Und damit hat die Politik ihre Begründung zur Hand, warum die Löhne im Osten nicht höher sein können und dürfen.

Da aber nun die Menschen in den neuen Bundesländern nicht ganz so doof sind, wie mancher denkt, machen die, die es irgendwie können, das einzig Richtige und lassen ihre ursprüngliche Heimat im Stich und verlegen ihren Wohnsitz nach dort, wo ihre gleiche Arbeit um 20 bis 30 Prozent besser entlohnt und damit auch gewürdigt wird.
So bleiben eben nur die Rentner hier, die mit ihren Ost-Renten wenigstens die Kreuzfahrtschiffe füllen (oder??), und von der arbeitenden Bevölkerung wenigstens die, die zum Wohle ihrer Freunde, Angehörigen und Arbeitgeber auf die ihnen eigentlich zustehende Entlohnung verzichten und trotzdem brave Bundesbürger bleiben.

So ergibt sich dann auch die Prognose für den Freistaat Thüringen, dass seine Einwohnerzahl bis zum Jahr 2020 um weitere knapp 10 Prozent schrumpfen wird, und dabei die Entvölkerung strukturschwacher Gebiete besonders fortschreitet. Dabei wird die Zahl der Erwerbstätigen sogar um rund 15 Prozent zurück gehen aber wenigstens erhöht sich die Zahl der Rentner, Pflegebedürftigen und alleinstehenden Frauen.
Und für die kann doch schließlich die Ostförderung eingestellt werden - spätestens ab 2020, wo dann endlich die Bedingungen dafür geschaffen sind.