Monatsarchiv für April 2012

Das 9. Bauernkriegsspektakel in Mühlhausen steht vor der Tür

Donnerstag, den 26. April 2012

Am 12. und 13. Mai ist es wieder soweit - dann verwandeln sich der kleine Blobach vor dem Inneren Frauentor, die Holzstraße und die Marienkirche sowie der Markt vor der Stadtmauer in den Aufführungsort und zu Kulissen eines Historienspiels, das in seiner Art sicher seinesgleichen sucht. Seit dem Jahr 2004 findet dieses Bauernkriegsspektakel in Mühlhausen bereits zum neunten Mal statt und ist inzwischen weit über Thüringens Landesgrenze hinaus bekannt geworden.

Vorwiegend Laienspieler schlüpfen an diesen zwei Tagen in die Rollen eines Thomas Müntzer, dessen Ehefrau Ottilie Müntzer oder die des ehemaligen Zisterziensermönchs und späteren Bauernführers Heinrich Pfeiffer und zeigen in drei Historienspielen pro Tag nachdenklich stimmende und auch spektakuläre Szenen aus der Mühlhauser Historie der Jahre 1523 bis 1525. Mit viel Liebe zum Detail und mit der derben Sprache jener Zeit entsteht dabei ein lebendig wirkender Rückblick in die Zeit der Bauernkriege.

Eingebettet sind diese Aufführungen in ein buntes mittelalterliches Markttreiben, an dem so manches alte Gewerbe wieder zu neuem Leben erweckt wird. Bauernlager und Wagenburg, Ritterschaukämpfe und Gaukeleien runden das Spektakel ab, an dem auch Künstler und Künstlergruppen teilnehmen.
In diesem Jahr werden zu ihnen das Gaukler-Duo “Radugas” und die Spielleute “Pampatut” gehören, die mit ihren Liedern und Tänzen aber auch mit Akrobatik und lockeren Sprüchen ihr Publikum begeistern und dieses in das Geschehen mit einbeziehen werden. Echte Raufbolde und hübsche Mägde reisen mit der Rittertruppe “Burgunder Haufen” zu einem Zeltlager nach Mühlhausen und der Falkenflüsterer Deimos trägt mit seiner Mittelalterfalknerei zur Unterhaltung von Groß und Klein bei.

Sollte mein kleiner Beitrag den einen oder anderen Leser zu einem Abstecher am zweiten Maiwochenende nach Mühlhausen verleiten, so kann ich ihm abschließend nur viel Spaß und guten Appetit beim Genießen der einen oder anderen mittelalterlichen Speise und eines deftigen Getränkes wünschen.

Sanierung der Marienkirche in Mühlhausen erfolgreich abgeschlossen

Freitag, den 20. April 2012

Wieder einmal hat sich der Ausspruch “was lange währt, wird gut” bewahrheitet. Gingen doch vom Beginn der Sanierungsmaßnahmen an der Marienkirche in Mühlhausen am Anfang der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts bis zu deren heutigem Abschluss circa zwei Jahrzehnte ins Land. Nun aber sind weitestgehend alle erforderlichen Maßnahmen, die vor allem die Außenhülle der nach dem Erfurter Dom zweitgrößten Kirche Thüringens betrafen, abgeschlossen.

Der im höchsten Bereich der Mühlhausener Altstadt aufragende fünfschiffige gotische Sakralbau, der zu großen Teilen bereits im 14. Jahrhundert erbaut wurde, ragt jetzt in voller Schönheit wieder aus dem Bild der Stadtsilhouette heraus. Verantwortlich dafür ist vorrangig ihr 86,50 Meter hoher Mittelturm, der gleichzeitig der höchste Kirchturm des Freistaates Thüringen ist. Er, der seinen Turmhelm erst um das Jahr 1900 aufgesetzt bekam, wurde in den letzten Jahren komplett saniert. Daneben erhielt die Marienkirche ein neues Dach und ihre gesamte Außenhaut wurde gereinigt.

Von großer Bedeutung war die Restaurierung des südlichen Querhausgiebels und seines Skulpturenschmucks. Ist es doch die einzigartige Gestaltung dieses Giebels und seines reich profilierten Südportals, die hauptsächlich zur Berühmtheit der Marienkirche beitragen.
Über die Brüstung eines Altans über der Bogengalerie dieses Portals wenden sich vier Gestalten einem imaginären Publikum zu. Bei ihnen handelt es sich um Kaiser Karl IV., seine Gemahlin und je einen Höfling und eine Hofdame.
Diese an sich seltene Darstellung weltlicher Figuren an einem kirchlichen Gebäude und dazu noch an dessen exponierter Stelle erlangte noch dadurch einen einmaligen Charakter, dass sie eine jährliche Huldigung durch die Mitglieder des Rates der Reichsstadt Mühlhausen erhielten.
Weitere Skulpturen, zu denen auch die der Heiligen Drei Könige gehören, umgeben die Kirchenpforte.

Die Kirche St. Marien, in der nur noch wenige Gottesdienste des Evangelischen Kirchenspiels abgehalten werden, wird seit längerem bereits als Museum des Zweckverbandes Mühlhäuser Museen und als Veranstaltungsort für Konzerte genutzt. Wer sie - aus welchem Anlass nun auch immer - künftig besucht, kann ihre imposante Erscheinung nun wieder in voller Pracht genießen.

Neuigkeiten von der Lobdeburg-Gemeinde

Donnerstag, den 12. April 2012

So wie die Ruine der Lobdeburg auf einer kleinen Hocheben zwischen dem Jenaer Ortsteil Lobeda und der Keramikstadt Bürgel an der Einfahrt ins Saaletal von mittelalterlicher Baukunst aus dem 12. Jahrhundert berichtet, so berichtet eine alte, jetzt im Nachlass eines verstorbenen Lobedaers gefundene Sippung von einem Vereinsleben, das mindestens seit 1912 der Erhaltung der Lobdeburg dient.
Dabei muss ich an dieser Stelle gestehen, mit dem Bergriff einer “Sippung” nicht viel anfangen zu können. Da selbst eine Recherche im Internet mich nicht zufriedenstellen konnte - dort wird als Sippung die Zusammenkunft einer weltweit tätigen deutschsprachigen Vereinigung mit Namen “Schlaraffia” bezeichnet - deute ich den fragwürdigen Begriff als eine Art Chronik, die in diesem konkreten Fall ein Vereinsleben dokumentiert.

Aber zurück zum Thema. Bereits im Jahr 1897 hat sich der Verein “Lobdeburg Gemeinde” gegründet Er wurde 1912 durch die Vereinigung “Lobdeburgfreunde” ergänzt und 1926 schlossen sich beide zur “Lobdeburg Gemeinde 1912 e.V.” zusammen. Seither arbeitet er mit vielen Höhen und Tiefen, deren schwärzeste Stunde wohl die Enteignung des Vereins im Jahr 1952 war und mit einem nie versiegenden Willen und viel persönlichen Einsatz für die Erhaltung und Nutzung der Reste der Lobdeburg. Dabei wurden Wege angelegt, Pflanzungen vorgenommen, eine kleine Gaststätte errichtet, ein Brunnen gebaut sowie die Stromleitung und eine Wasserleitung auf die Anhöhe verlegt.

Die Lobdeburg selbst war bereits seit ihrer Zerstörung während des sächsischen Bruderkriegs im Jahr 1451 eine Ruine, an der der Zahn der Zeit ständig und erbarmungslos nagte. Mit viel Engagement stemmten sich in den letzten einhundert Jahren die Mitglieder des Verein gegen den Verfall der Burg. Jetzt herrscht erst einmal große Freude über die gefundene alte Sippung (oder Chronik?), die kurz vor dem Begehen des 100-jährigen Jubiläums zur rechten Zeit entdeckt wurde und nun in Wort und Bild über die Aktivitäten des Vereins aussagt.

Optimismus besteht auch darüber, dass nachdem die Ruine des Palas der Burg bereits durch ein Stahlkorsett gesichert wurde, die Stadt Jena in Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt der Stadt und natürlich den Vereinsmitgliedern an einem Konzept zur Sanierung des Palas arbeitet. Damit würde - seine Realisierung vorausgesetzt - sicher der größte Wunsch des Vereins Lobdeburg-Gemeinde in Erfüllung gehen und ein bedeutendes Denkmal romanischer Profanbaukunst für die nachfolgenden Generationen erhalten.

Auf dem Thüringer Klimaweg

Montag, den 2. April 2012

Am 30. März 2012 war es soweit - eine bunte Schar von etwa 100 Wanderfreunden, zu der auch der als Schirmherr der Wanderung fungierende Landrat des Ilmkreises Dr. Benno Kaufhold gehörte, begab sich auf die offizielle Erstbewanderung des Klimaweges in Geraberg.
In der reizvollen Mittelgebirgslandschaft von prächtigen Mischwaldbeständen und bis etwa 900 Meter hohen Bergen wurde der Thüringer Klimaweg im Rahmen eines touristischen Förderprogramms der Freistaates Thüringen angelegt.
Unterstützung erfolgte außerdem von zahlreichen Betrieben aus der Umgebung, dem Deutschen Wetterdienst und auch von Privatpersonen.

Die Standardroute des Klimawegs hat eine Länge von 6,1 Kilometern und beginnt in der Nähe mehrerer Parkplätze im Ostteil der Gemeinde Geraberg. Nach einem Flachstück zum “Einlaufen” erfolgt ein erster kleinerer Anstieg nach etwa einem Kilometer Fußmarsch, der aber im Vergleich zu dem am Kilometer drei folgenden Anstieg ein wahres Kinderspiel darstellt. Immerhin sind dabei auf kurzer Distanz etwa 100 Höhenmeter zu bezwingen, wobei am Ende der Steigung an der Schwedenhütte so mancher Wanderfreund zu spüren glaubte, dass hier oben die Luft schon merklich “dünner” geworden ist. Allerdings besteht auch die Möglichkeit, den Anstieg auf einer ebenfalls markierten, flacheren Ausweichroute zu umgehen.

Etwa 20 Informationstafeln geben auf dem mit einem “K” gekennzeichneten und als Lehrpfad gestalteten Klimaweg anschaulich Auskünfte über bestimmte außergewöhnliche Wettererscheinungen, deren Auswirkungen auf das Gebiet Thüringens und über Klimadaten und Klimaveränderungen. Zusätzlich zu dem am Deutschen Thermometermuseum in Geraberg befindlichen Großthermometer, dem weltgrößten Stab-Ausdehnungsthermometer, dessen Standort vom Klimaweg tangiert wird, wurde in der Nähe des Sportplatzes am Klimaweg ein zweites 11,11 Meter hohes Flüssigkeitsthermometer errichtet. Obwohl am Tag der Eröffnung des Wegs die Skalenbeleuchtung noch fehlte und die Anlage um das Riesenthermometer noch nicht sehr gepflegt und unvollendet erschien, wird seine imposante Erscheinung sicher künftig zu den Höhepunkten einer Begehung des Lehrpfades werden.

Als Fazit dieser Erstbegehung bleibt für mich persönlich die Erkenntnis, dass es sich lohnt, den Weg in Ruhe und ungestört in absehbarer Zeit nochmals zu absolvieren, um dabei die zahlreichen verfügbaren Informationen besser aufnehmen und verarbeiten zu können, wobei es darüber nachzudenken lohnt, so “ganz nebenbei” dann auch dem Deutschen Thermometermuseum einen Besuch abzustatten.