Das Schloss in Gebesee
Mittwoch, den 30. Mai 2012Unlängst führte mich ein Aufenthalt in Erfurt und dessen Umgebung auch in das nördlich Erfurts gelegene Städtchen Gebesee. Hier, wo die Gera kurz vor ihrer Mündung in die Unstrut vorüber fließt, entdeckte ich eine zwar wenig spektakuläre, jedoch sehenswerte historische Altstadt und ein idyllisch gelegenes Barockschloss, das meine Aufmerksamkeit erregte und über dessen Geschichte ich mich noch im Nachhinein per Internet informierte.
Gebesee soll bereits im Mittelalter zu den Besitzungen der Benediktinerabtei Hersfeld gehört haben. Rund um eine Kapelle, die als Vorgängerbau der heutigen - leider für mich verschlossen gebliebenen - Katharinenkirche gilt, entstand eine Siedlung, in der bereits im 10. Jahrhundert die Stadtkirche St. Laurentius erbaut wurde. Ab dem 15. Jahrhundert gehörte Gebesee den Wettinern, die für eine Befestigungsanlage rund um die Stadt sorgten, die 1638 das Stadtrecht erhielt.
Um das Jahr 1740 wurde ein ehemaliger Landsitz zu dem hübschen Barockschloss umgebaut, dessen historische Räumlichkeiten bereits ab 1930 für ein Landeserziehungsheim der noch heute in Deutschland tätigen Hermann-Lietz-Stiftung genutzt wurden. Mindestens zwei ihrer damaligen Schüler, nämlich Wernher von Braum und Hildegard Knef erlangten danach den Status prominenter Persönlichkeiten.
Nach 1945 wurde im Schloss ein Jugendwerkhof eingerichtet.
Heute beherbergt Schloss Gebesee mit dem Internat Morgenberg eine gemeinnützig Einrichtung, in der Kinder und Jugendliche einen Schulabschluss erreichen können und anschließend einen handwerklichen Beruf erlernen können.
Bedingt durch die Nutzung ist das Hauptgebäude leider nur von außen zu besichtigen. Sehenswert sind weiterhin das mit einem prächtigen Wappen geschmückte Torhaus, die ehemalige Brennerei, in der heute Ferienwohnungen auf Gäste warten und ein das Schloss umgebender, gepflegter größerer Park.

