Archiv der Kategorie ‘Natur‘

Das Klima im Freistaat Thüringen

Freitag, den 15. März 2013

Relativ oft sind aus den Medien Informationen über den globalen Klimawandel und die damit verbundenen unterschiedlichen Prognosen zu erhalten. Spärlicher fließen allerdings die Informationen, zu welchen Veränderungen der Klimawandel speziell in Deutschland führen könnte. Und noch weniger ist darüber zu erfahren, welche zu erwartenden Vorgänge sich in welcher Form auf Thüringen auswirken könnten.
Immerhin wurde im Jahr 2011 mit der Thüringer Klimaagentur eine neue Struktureinheit des Thüringer Landesamts für Umwelt und Geologie geschaffen, die sich mit der Klimasituation und der Klimaentwicklung in Thüringen beschäftigt.

Die bisherigen Veröffentlichungen dieser Klimaagentur basieren auf der Tatsache, dass das gemäßigte Klima Mitteleuropas in Thüringen kontinental geprägt ist und dabei relativ große Klimaunterschiede zwischen dem Thüringer Becken und den Gebirgsregionen bestehen. Diese führen beispielsweise bei den durchschnittlichen jährlichen Niederschlagsmengen zu Differenzen von rund 700 Millimetern, was bedeutet, dass auf den Höhen des Thüringer Waldes etwa 150 Prozent mehr Niederschlag fällt als im Flachland. Die Jahresmitteltemperaturen konnten an der Wetterstation in Artern mit 8,5 °C ermittelt werden, während auf der Schmücke lediglich 4,4 °C zu verzeichnen waren.

Unter Berücksichtigung dieser und weiterer Daten aller Thüringer Klimastationen sind für den Zeitraum der zurückliegenden 50 Jahre eine Zunahme der Sommertage bei gleichzeitiger Abnahme der Frosttage und eine daraus resultierende Zunahme der Jahresmitteltemperatur in ganz Thüringen zu erkennen.
Was die Niederschläge betrifft, so war für den Monat Juni eine Abnahme der Niederschlagssumme erkennbar, wogegen die Tage mit Niederschlag im Juli zugenommen haben.
Diese und weitere Veränderungen haben unter anderem dazu geführt, dass in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts die thermische Vegetationsperiode in Thüringen etwa 220 Tage betrug und diese bis zum Jahr 2010 auf durchschnittlich 240 Tage angewachsen ist.

Wagen wir nun noch einen Blick in die Zukunft. Auch hierbei stütze ich mich wie bei den vorherigen Angaben auf Veröffentlichungen der Thüringer Klimaagentur. Deren Modelle lassen für den Zeitraum der kommenden 50 Jahre eine Zunahme der durchschnittlichen mittleren Jahrestemperaturen um 1,9 °C erwarten. Dabei wird es mehr Sommer- und weniger Frosttage geben. Die Sonnenscheindauer sollte dabei deutlich zunehmen.
Regen ist zunehmend auch als Starkniederschlag zu erwarten, wobei die Niederschlagsmengen im Sommer abnehmen und im Winter zunehmen werden.

Diese Klimaveränderungen werden zu einigen unangenehmen Folgeerscheinungen führen. Zu diesen werden eine durch längere Trockenperioden bestehende höhere Brandgefahr und ein zunehmender Schädlingsbefall in den Wäldern ebenso gehören wie die Zunahme von extremen Wetterereignissen und die Verringerung der Schneesicherheit in den Höhenlagen Thüringens, was zumindest die Tourismusbranche und die Wintersportler nicht erfreuen dürfte.

Einige der interessantesten Lehrpfade in Thüringen

Montag, den 11. März 2013

Eine ganze Reihe interessanter Lehrpfade schlängelt sich durch die vielfältige und abwechslungsreiche Natur Thüringens. Viele von ihnen konnte ich im Verlauf der zurückliegenden Jahre selbst kennenlernen und so möchte ich nachfolgend einige von ihnen, die bei mir einen besonders bleibenden Eindruck hinterlassen haben, kurz vorstellen.

Ein über etwa 10 Kilometer führender Archäologischer Wanderweg befindet sich westlich von Suhl im Umfeld des Ortes Dietzhausen und führt vorüber am 658 Meter hohen Ehrenberg nach Mäbendorf. Inmitten einer schönen Landschaft lässt sich auf ihm beim Passieren von mehreren Gräberfeldern, der von einer alten Wallanlage umgebenen Laurentiuskapelle und der Ruine des Berghofes des Johanniterordens mithilfe interessant gestalteter Informationstafeln einiges von der Geschichte unserer Vorfahren erleben.

Die etwa 13 Kilometer lange Variante eines GeoPfads führt mit Start- und Zielort Bad Frankenhausen durch die Zechstein-Landschaft des Süd-Kyffhäusers. Der über Wiesen und durch Buchen- und Eichenwälder führende Weg macht den Wanderer mit der artenreichsten Landschaft Thüringens bekannt, in dem in den unterschiedlichen Vegatagtionsperioden hunderte seltener Pflanzen und die dazu auch zahlreiche selten vorkommende Tierarten bereithält. Am beeindruckendsten stellt sich der mit zahlreichen Tafeln am Wegesrand bestückte Lehrpfad Ende Mai, Anfang Juni dar, wenn unter anderem die Violette Schwarzwurzel, der Blut-Storchschnabel und das gewöhnliche Sonnenröschen den Blütenteppich bereichern.

Mit nicht einmal vier Kilometer Länge ist der bei Breitungen verlaufende Naturlehrpfad „Breitunger Seen” zwar recht kurz, jedoch nicht minder interessant.
Hier am Vorderen und Hinteren See kommen vor allem Freunde der Vogelwelt auf ihre Kosten, wenn sie seltene Arten wie Bläßrallen, Stelzenläufer oder Graureiher beobachten können. Auf der Orchideenwiese können dagegen einige seltene Arten dieser Pflanzenfamilie entdeckt werden.

Unweit von Bad Berka am Rand der Gemeinde Tiefengruben wurde ein Lehrpfad für Obstgehölze angelegt, der es bei einem Spaziergang ermöglicht, sich mit den etwa 40 gängigsten und einigen historischen Sorten von Kernobst vertraut zu machen. Besonders zu empfehlen ist sein Besuch zur Zeit der Baumblüte oder anlässlich des im Herbst stattfindenden Obstmarktes.

Abschließend möchte ich noch den von Neustadt am Rennsteig rund um den Langen Berg nach Gehren führenden Pilzsteig erwähnen. Sein kompletter Verlauf erfordert mit reichlich 20 Kilometer Länge zwar eine gute Kondition, entschädigt jedoch mit rund einem Dutzend sehr informativ gestalteter Pilz-Informationstafeln und Stationen wie dem Vaterunsertal, dem Europäischen Pilzpark in Gillersdorf oder dem Schieferbruch bei Möhrenbach.

Auf dem Naturlehrpfad „Gießübler Schweiz”

Freitag, den 26. Oktober 2012

Als Ortsteil der im Landkreis Hildburghausen liegenden Gemeinde Schleusengrund erscheint Gießübel aus der Luft wie ein vierarmiger Krake. Die eigenwillige Anordnung seiner in schmale Seitentäler eines breiteren Talgrunds gedrängten Häuser hat zu dieser Form geführt, die diesen zwischen Thüringer Wald und dem Thüringisch-Fränkischen Schiefergebirge liegenden staatlich anerkannten Erholungsort kennzeichnet.

Umgeben ist der Ort, der noch einen eigenen Fleischer und einen Bäcker besitzt und den ein reges Vereinsleben auszeichnet, von der romantischen Natur der „Gießübler Schweiz“. Dieses landschaftliche Kleinod ist nicht gerade leicht zu entdecken, liegt es doch versteckt im Dreieck zwischen Masserberg, Schnett und Gießübel und lässt sich auf einem circa 18 Kilometer langen Wanderweg umrunden und erkunden.

Wem diese Strecke dann doch zu lang erscheint, dem kann eine Wanderung auf dem knapp acht Kilometer langen, durch die „Gießübler Schweiz” führenden Naturlehrpfad nahe gelegt werden.
Ich bin fest davon überzeugt, dass all diejenigen, die meiner Empfehlung folgen, am Ende dieser kleinen Rundtour, die am Gießübler Kulturhaus beginnt und endet, von den dabei gewonnenen Eindrücken begeistert sein werden.

Dazu sollte man wissen, dass dieses mit seinen bizarren Felsgebilden an in der Schweiz vorkommende Landschaftsformen erinnernde Gebiet durch Verwitterung und Ablagerung aus einem hier lagernden Sedimentgestein entstanden ist. Übrig geblieben sind Felsgebilde mit Namen wie Langertfelsen, Nadelöhr, Schröderfelsen oder Dachsbachkanzel, die einige Stationen dieses Naturlehrpfades bilden. Darüber hinaus werden auf zahlreichen Tafeln neben der Streckenführung die Geologie, Fauna und Flora dieser Region erläutert. Bänke und Schutzhütten laden zu einer besinnlichen Rast inmitten dieser romantischen Natur ein.

Anzumerken bliebe noch, dass der Lehrpfad etwa 200 Meter Höhenunterschied aufweist und auch in einer schneebedeckten Landschaft äußerst attraktiv erscheint.

Kommt nach Wildschwein und Waschbär jetzt der Marderhund in unsere Gärten?

Mittwoch, den 19. September 2012

Diese Frage entstand bei mir, als ich die Überschrift einer von der Nachrichtenagentur dapd verbreiteten Meldung las, die von der Eroberung Thüringens durch den Enok oder auch Marderhund berichtet.
Dieser aus fernöstlichen Gebieten stammende, mit seiner Gesichtsmaske recht „niedlich” wirkende Geselle, soll sich nun wohl verstärkt im nördlichen Teil Thüringens heimisch fühlen.
Immerhin ist er in Deutschland in freier Natur seit den 60er Jahren des zurückliegenden Jahrhunderts bekannt und teilweise heimisch, wobei sich sein Aufenthalt bisher im wesentlichen auf die Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen beschränkte. Dabei beweist seine Abschusszahl von knapp 15.000 Exemplaren im Jagdjahr 2010/2011, dass sein Vorkommen schon erheblich angewachsen ist.

In Thüringen wurden im vergangenen Jahr nur 68 Marderhunde erlegt, was den Schluss zulässt, das im Freistaat etwa 900 dieser hundeartigen Tiere, die allerdings in ihrem Äußeren dem Waschbär stark ähneln, heimisch sind. Im Unterschied zum Waschbär meiden sie jedoch die Nähe zu Menschen und deren Ansiedlungen, so dass meine eingangs gestellte Frage mit „nein” zu beantworten ist.
Der dämmerungs- und nachtaktive Marderhund, der nicht klettern kann, fühlt sich in dichten Waldgebieten wohl, ist aber auch in Feuchtgebieten zu finden. Das problematische an einem vermehrten Auftreten dieses Tieres ist, wie auch im Fall des Waschbären die Tatsache, dass er in unseren Breiten praktisch keine natürlichen Feinde hat, und als Allesfresser damit die heimischen Bestände von am Boden brütenden Vogelarten, kleineren Amphibien und Hasen gefährden könnte.

So bleibt in Zukunft der Abschuss des Marderhundes die einzige Möglichkeit, seine Bestände zu regulieren. Wie gut (oder eben nicht) dies funktioniert, ist allerdings am Beispiel des Waschbären zu sehen.
Allerdings dürften in Thüringen noch einige Jahre vergehen, ehe sich der mit seinem buschigen Schwanz gemessene, etwa 90 Zentimeter lange Geselle hier zu einer echten Gefahr für andere Bestände entwickeln dürfte.
Vielleicht kommen aber auch bald schon einige Wölfe nach Thüringen, dann könnten diese als natürliche Regulatoren wirksam werden - wenn sie bis dahin dann nicht bereits selbst bejagt werden.

Im Naturschutzgebiet Schwellenburg

Mittwoch, den 23. Mai 2012

Meinen kleinen Beitrag über das Biotop der Schwellenburg möchte ich damit beginnen, die Leser davor zu warnen, jetzt etwas über eine mittelalterliche Ritterburg oder ein ähnliches Bauwerk erfahren zu wollen. Denn die Bezeichnung “Schwellenburg” gehört einem kleinen, nur 228 Meter hohen Berg, der sich zwischen den beiden Erfurter Ortsteilen Tiefthal und Kühnhausen im Nordwesten der Stadt befindet.

Trotz seiner bescheidenen Höhe ragt der kahle Bergrücken der, beziehungsweise des Schwellenburg weithin sichtbar aus einer flachen, kaum bewaldeten Landschaft heraus. Kennzeichnend für den Berg ist die in seiner Umgebung und auf ihm selbst anzutreffende Vegetation, die der einer Steppe Vorderasiens entspricht und die in Mitteleuropa Seltenheitswert besitzt.
Dabei besteht eine weitere Besonderheit darin, dass dieses Gebiet bereits seit mehr als tausend Jahren als Bergbau- und Weinberggelände genutzt worden ist, so dass die heute hier anzutreffende Natur keinen ursprünglichen Charakter besitzt, sonder durch eine vom Menschen erfahrene Nutzung und Gestaltung diese Steppenvegetation angenommen hat.

Gefördert wird diese von einem besonders niederschlagsarmen Mikroklima, der ungehinderten Sonneneinstrahlung und dem aus Gipsgestein bestehenden Untergrund. So wurde auch der gesamte Gipfelbereich der Schwellenburg im vorigen Jahrhundert als eine Art riesige Gipsplatte von Menschenhand abgetragen, wovon heute nur noch einige Felsklippen und kleinere Höhlen zeugen.
Durch den Gipsabbau und durch den bis ins Beginn des 20. Jahrhunderts reichenden Weinanbau sind auch die für die Namensgebung der Schwellenburg verantwortlichen charakteristischen Schwellen am Hang des Kalksteinhügels entstanden. Am Nordhang bestimmen rote und braune Steinmergelschichten, bestehend aus einer Mischung von Kalk und Ton, das Bild der Oberfläche.
Darüber hinaus zeichnet sich das Biotop durch eine Vielzahl seltener Wildpflanzen aus, zu denen unter anderem Grüne Waldhyazinthe, Schwarzes Bilsenkraut, Schopf-Träubel, Natternkopf, roter Hornmohn und das Adonisröschen gehören. Die Tierwelt wird hier von zahlreichen Wildkaninchen beherrscht, die ihre Baue in den lockeren Untergrund gegraben haben.

Leider ist durch einen zunehmenden touristischen Verkehr sowohl der Bestand der seltenen Pflanzen als auch die typische Schwellengestalt der Oberfläche der Schwellenburg gefährdet. Nur eine gezielte Führung der das Gebiet besuchenden Fußgänger und Radfahrer auf Wanderwegen, wie beispielsweise auf dem bereits bestehenden Fahner-Höhen-Weg könnte die Besonderheit dieses artenreichen Steppenhügels der Schwellenburg noch für längere Zeit erhalten.