Archiv der Kategorie ‘Natur‘

Auf dem Thüringer Klimaweg

Montag, den 2. April 2012

Am 30. März 2012 war es soweit - eine bunte Schar von etwa 100 Wanderfreunden, zu der auch der als Schirmherr der Wanderung fungierende Landrat des Ilmkreises Dr. Benno Kaufhold gehörte, begab sich auf die offizielle Erstbewanderung des Klimaweges in Geraberg.
In der reizvollen Mittelgebirgslandschaft von prächtigen Mischwaldbeständen und bis etwa 900 Meter hohen Bergen wurde der Thüringer Klimaweg im Rahmen eines touristischen Förderprogramms der Freistaates Thüringen angelegt.
Unterstützung erfolgte außerdem von zahlreichen Betrieben aus der Umgebung, dem Deutschen Wetterdienst und auch von Privatpersonen.

Die Standardroute des Klimawegs hat eine Länge von 6,1 Kilometern und beginnt in der Nähe mehrerer Parkplätze im Ostteil der Gemeinde Geraberg. Nach einem Flachstück zum “Einlaufen” erfolgt ein erster kleinerer Anstieg nach etwa einem Kilometer Fußmarsch, der aber im Vergleich zu dem am Kilometer drei folgenden Anstieg ein wahres Kinderspiel darstellt. Immerhin sind dabei auf kurzer Distanz etwa 100 Höhenmeter zu bezwingen, wobei am Ende der Steigung an der Schwedenhütte so mancher Wanderfreund zu spüren glaubte, dass hier oben die Luft schon merklich “dünner” geworden ist. Allerdings besteht auch die Möglichkeit, den Anstieg auf einer ebenfalls markierten, flacheren Ausweichroute zu umgehen.

Etwa 20 Informationstafeln geben auf dem mit einem “K” gekennzeichneten und als Lehrpfad gestalteten Klimaweg anschaulich Auskünfte über bestimmte außergewöhnliche Wettererscheinungen, deren Auswirkungen auf das Gebiet Thüringens und über Klimadaten und Klimaveränderungen. Zusätzlich zu dem am Deutschen Thermometermuseum in Geraberg befindlichen Großthermometer, dem weltgrößten Stab-Ausdehnungsthermometer, dessen Standort vom Klimaweg tangiert wird, wurde in der Nähe des Sportplatzes am Klimaweg ein zweites 11,11 Meter hohes Flüssigkeitsthermometer errichtet. Obwohl am Tag der Eröffnung des Wegs die Skalenbeleuchtung noch fehlte und die Anlage um das Riesenthermometer noch nicht sehr gepflegt und unvollendet erschien, wird seine imposante Erscheinung sicher künftig zu den Höhepunkten einer Begehung des Lehrpfades werden.

Als Fazit dieser Erstbegehung bleibt für mich persönlich die Erkenntnis, dass es sich lohnt, den Weg in Ruhe und ungestört in absehbarer Zeit nochmals zu absolvieren, um dabei die zahlreichen verfügbaren Informationen besser aufnehmen und verarbeiten zu können, wobei es darüber nachzudenken lohnt, so “ganz nebenbei” dann auch dem Deutschen Thermometermuseum einen Besuch abzustatten.

Wenn die Kraniche ziehen

Freitag, den 28. Oktober 2011

Manch Älterer unter uns erinnert sich sicherlich noch an den im Jahr 1957 produzierten sowjetischen Film, der unter diesem Titel ein Familienschicksal in der Zeit des Großen Vaterländischen Krieges schildert.
Auslöser für diese Erinnerung könnten die jährlich an den Ufern des Kelbraer Stausees zu beobachtenden Kraniche sein, die hier in großen Schwärmen eine Rast auf ihrem langen Weg ins südliche Europa einlegen.
Jedes Jahr zwischen September und November finden sich hier tausende der stolzen Vögel ein, die sich tagsüber auf den umliegenden Äckern an den liegen gebliebenen Körnern eine kleine Fettreserve anfressen, um ihren Weiterflug erfolgreich fortsetzen zu können. Nachts schlafen sie am liebsten am Rand des Stausees auf den leicht überfluteten Wiesen der Goldenen Aue, wodurch Störungen ihrer Ruhe weitestgehend ausgeschlossen sind.

Um dieses beeindruckende Schauspiel möglichst vielen interessierten Menschen erlebbar zu machen, finden in jedem Jahr zu dieser Zeit geführte Wanderungen statt, bei denen eine Beobachtung der bis zu 40.000 zur gleichen Zeit rastenden Kraniche möglich wird. Allerdings ist eine Annäherung auf weniger als 500 Meter kaum möglich, denn dann ergreifen die scheuen Tiere die Flucht.

Wie bereits in den vergangenen Jahren führte anlässlich des “Tag des Kranichs 2011″, der dieses Mal auf den 22. Oktober fiel, der Harzklub-Zweigverein Auleben e.V. eine von Aulebener Schloss führende Rund-Wanderung auf drei verschiedenen Routen zu den Kranichen durch. Bei sehr schönem Wetter führte diese vorüber an den weidenden Auerochsen und den kleinen Konikpferdchen in die Nähe der Rastplätze der Vögel auf den Auenwiesen. Die lauten Rufe der Kranichgemeinschaft gaben dabei ständig die richtige Richtung an. Keiner der Wanderfreunde wurde von dem sich bietenden beeindruckenden Schauspiel enttäuscht und die mitgebrachten Ferngläser wanderten dabei von Hand zu Hand.

Am und im Schloss Auleben, dessen Eigentümer einst Wilhelm und Theodor Humboldt waren, und das heute noch über eine zu besichtigende Humboldtstube verfügt, gingen die Wanderungen auf den unterschiedlich langen Routen bei einem deftigen Imbiss oder bei hausgebackenem Kuchen und diversen Getränken zu Ende. Wer noch mehr über das Verhalten der Kraniche erfahren wollte, der bekam die Möglichkeit, sich einen interessanten, vom Harzklub erstellten Film anzuschauen.
Bleibt nur noch dem Harzklub Auleben ein herzliches “Danke schön” zu sagen für die Organisation und Durchführung dieser gelungenen Veranstaltung.

Neues und Bekanntes vom Ilmtal Radwanderweg

Mittwoch, den 22. Juni 2011

Die Nachricht vom in Angriff genommenen weiteren Ausbau des Ilmtal-Radwegs hat die Erinnerung an meine vorjährige Tour auf demselben wieder belebt und so möchte ich die Gelegenheit nutzen, sowohl über den geplanten Ausbau als auch meine vorjährige Erfahrung an dieser Stelle kurz zu berichten.

Der Ilmtal Radweg folgt mit seiner Länge von 125 Kilometer dem Lauf der Ilm von deren Quellgebiet in der Nähe des Rennsteigs bis hinab zur Mündung der Ilm in die Saale bei Großheringen.
Als einer der landschaftlich schönsten Radwege Thüringens berührt sein Verlauf zahlreiche kulturhistorische Stätten, interessante Bauwerke und versteckte Sehenswürdigkeiten.
Die bis zum nächsten Jahr vorgesehenen Ausbauarbeiten betreffen den oberen Teil des Radwegs zwischen Manabach und Stadtilm, wobei zuerst der bis nach Ilmenau führende Abschnitt verbreitert und befestigt werden soll.
Insgesamt werden für den Ausbau vom Land rund 1,7 Millionen Euro bereit gestellt.

Nun ein paar Bemerkungen zu meiner vorjährigen Tour.
Abgesehen davon, dass ich nicht das beste Wetter erwischt hatte und dadurch sich meine Fahrt statt der geplanten vier Tage um einen Tag verlängerte, kann ich die nicht sehr schwierig verlaufende, in vielen Passagen bergab führende Tour jedem ans Herz legen, der nicht nur radeln sondern daneben auch so manches Sehenswerte erkunden möchte.

Die von etwa 750 Meter auf 120 Meter Höhe hinab führende Strecke habe ich in vier Etappen bewältigt.
Auf dem ersten Abschnitt bis ins schöne Ilmenau führten mich die Schilder mit dem Radfahrer vor einer grün-blauen Welle an den Quellbächen der Ilm vorüber hinab nach Stützerbach, wo ich mir einen Abstecher ins Goethe Glasmuseum gönnte. Da diese Etappe nicht sehr lang war, blieb mit genügend Zeit, mich in der Goethestadt Ilmenau umzusehen und mich im Erlebnisbad im Hammergrund zu erfrischen.
Der zweite Tag führte mich über Langewiesen und Stadtilm nach Kranichfeld. Dabei war ein Stopp in der Kunst- und Senfmühle Kleinhettstedt recht interessant, wo in einem historischen Fachwerkbau eine komplette Mühleneinrichtung mit Wasserkraftnutzung und Dampfmaschine zu bestaunen ist.
Und in Kranichfeld selbst war ich als Fan von Burgen und Schlössern von der Niederburg und dem aus dem 12. Jahrhundert stammenden Oberschloss mehr als begeistert.

Nach einem Tag der verregneten Zwangspause führte mich die dritte Etappe nach Weimar. Den geplanten Abstecher an die Talsperre Hohenfelden ersparte ich mir, da ich am Vortag genügend Wasser gesehen hatte. Dafür besuchte ich die alte Buchfarter Mühle mit ihrem Flusswehr und der überdachten Holzbrücke.
Und im Weimarer Park an der Ilm führte mich mein Abendspaziergang dann noch zu Goethes Gartenhaus.
Auf dem abschließenden Teilstück bis zur Mündung in die Saale bestaunte ich die Sandsteinskulpturen an der Mauer des Renaissanceschlosses Kromsdorf ebenso wie den 1998 von einem Schweizer Architekten und zahlreichen Helfern angelegten lebenden Weidenrutenpalast in Auerstedt.

Abschließend kann ich versichern, dass neben meinen wenigen Empfehlungen genügend andere Sehenswürdigkeiten entlang des Ilmtal-Radwegs auf die jeweiligen ganz persönliche Erkundungen warten.

Der Südharz ist jetzt auch Naturpark

Freitag, den 7. Januar 2011

Nach jahrelanger Vorbereitungszeit war es am 30. Dezember 2010 nun soweit, dass das Bundesland Thüringen den Südharz als seinen fünften Naturpark ausweisen konnte.
Damit ist der gesamte Harz nun als beliebtes Urlaubsgebiet (Hotel im Südharz) und Lebensraum manch seltener Pflanze und Tierart mit seiner Fläche von 273.000 Hektar als eine aus drei Naturparks bestehende Region ausgewiesen.
Während Niedersachsen und Sachsen-Anhalt ihre Harz-Regionen mit 80.000 Hektar beziehungsweise 166.000 Hektar bereits in den Jahren 1960 und 2003 zum Naturpark erklärten, brauchte das mit 26.700 Hektar kleinste Gebiet der Harzregion noch einige Jahre länger, um nun als Naturpark Südharz und Vertreter Thüringens dieses Dreigestirn zu komplettieren.

Sein Gebiet wird im Westen, Norden und Osten von den Landesgrenzen zu Niedersachsen und Sachsen-Anhalt abgegrenzt, während es im Süden bis nahe Nordhausen reicht und dabei den Südabfall des Unterharzes, die Gipskarstlandschaft am Südharz sowie den Übergangsbereich zum Nordthüringer Land umfasst.
Als Träger das neuen Naturparks fungiert der Südharzer Tourismusverband.

Thüringen besitzt nun fünf Naturparks, zu denen der Naturpark Thüringer Wald als größter, der Naturpark Thüringer Schiefergebirge / Obere Saale, der Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal und der Naturpark Kyffhäuser gehören.
Insgesamt verfügt Deutschland über mehr als 100 Naturparks, die rund 25 Prozent der gesamten Landesfläche einnehmen. Sie alle charakterisiert ein geschützter Landschaftsraum mit einer umweltgerechten Landnutzung, der in seiner heutigen Form bewahrt und gleichzeitig touristisch genutzt werden soll.
Die Errichtung von Windkraftanlagen und der Abbau von Bodenschätzen ist in den Naturparks untersagt.

Nicht unerwähnt bleiben darf bei einem Beitrag zu den Naturparks des Harzes die Tatsache, dass sich außerdem rund um den 1141 Meter hohen Brocken ein von Sachsen-Anhalt und Niedersachsen getragener, besonders schützenswerter Nationalpark befindet und das Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz die Naturlandschaften des Harzes vervollständigt.

Wenn im Leutratal die Orchideen blühen

Dienstag, den 25. Mai 2010

Es ist wieder einmal soweit – im Leutratal blühen die zu den botanischen Kostbarkeiten zählenden Orchideen. Manche versteckt, klein und unscheinbar, andere wiederum von einer schon von weither sichtbaren Schönheit. Ungefähr von Anfang Mai bis teilweise in den Monat Juli hinein sind vor allem am südlich liegenden Talhang eines der ältesten Naturschutzgebiete Deutschlands, dem Leuratal, circa 25 Arten der immer seltener werdenden Pflanzen zu beobachten. Um zumindest einen Teil von ihnen auch tatsächlich zu Gesicht zu bekommen, lohnt auf alle Fälle die Teilnahme an einer der in den Monaten Mai und Juni jeweils Samstag, Sonntag und an Feiertagen durch das NABU-Infozentrum Leutratal angebotenen Orchideenführungen.

Hier, wo sich das unscheinbare Flüsschen der Leutra ihren Weg durch den grauweißen Muschelkalk hin zur Saale gesucht hat, sind durch den kalkreichen Untergrund und das Vorhandensein der zum Überleben der Orchideen notwendigen Wurzelpilzgeflechte die Voraussetzungen gegeben, das Arten wie das Brand-Knabenkraut, die Korallenwurz, die Weiße Waldhyazinthe oder das Große Zweiblatt heimisch geworden sind. Manche Art trägt auch einen etwas seltsam klingenden Namen, denkt man beispielsweise an das Weiße Waldvögelein, den Europäischen Frauenschuh, die Bienenragwurz oder gar die Bocksriemenzunge. Letztere hat ihre Bezeichnung wohl der Tatsache zu verdanken, dass sie nachts einen nach Ziegenbock riechenden, ziemlich streng wirkenden Duft verbreitet.

Die Führungen, die sich als erfrischende Abwechslung während eines Urlaubs in Jena anbieten, führen durch das etwa fünf Kilometer lange Tal der Leutra, dauern zwei bis drei Stunden und werden sowohl für Einzelpersonen als auch für Gruppen angeboten. Treffpunkt ist das NABU-Informationszentrum Leutra. Dabei sind bei den Touren auf mancherorts recht steilen Pfaden neben den Orchideen in dem teils dichten Buschwerk der Hänge auch Vertreter unserer gefiederten Freunde wie Dorn- und Gartengrasmücke, Zilpzalp oder die Feldlerche zu beobachten.
Favoriten bleiben jedoch die an Farben und Formen so vielfältigen Blüten der Orchideen, die hier wie auch in einigen anderen Gebieten Thüringens hoffentlich noch lange beheimatet sind und die damit dazu beitragen können, allen Naturfreunden einen erlebnisreichen Start in den jährlichen Sommer, der hoffentlich etwas wärmer ausfällt als der bisherige Frühling, zu ermöglichen.