Archiv der Kategorie ‘Tourismus‘

Einige Bemerkungen zur Entwicklung des Tourismus in Thüringen

Mittwoch, den 31. Oktober 2012

Rund vier Prozent der Bruttoinlandsproduktion des Freistaates Thüringen wird von den etwa 100.000 Direktbeschäftigten in der Tourismusbranche erbracht. Dabei waren im Jahr 2011 9,5 Millionen Übernachtungen von rund 3,2 Millionen übernachtender Gäste im gewerblichen Bereich zu verzeichnen. Die Bettenauslastung lag bei etwa 40 Prozent. Allerdings sind die hier genannten Zahlen unter dem Vorbehalt zu bewerten, dass von einigen Quellen auch davon leicht abweichende Werte genannt werden. Dies ändert jedoch im Prinzip nichts an der daraus zu schlussfolgernden Gesamtaussage, dass die Besucherzahlen innerhalb der zurückliegenden 15 Jahre um annähernd 30 Prozent angestiegen sind.

Eine führende Rolle bei der Tourismusentwicklung in Thüringen hat der Regionalverbund Thüringer Wald e.V. inne, der 46 Prozent des Gästeaufkommens in Thüringen zu verzeichnen hat. Damit wird Platz sechs in der Rangfolge der Deutschen Mittelgebirge hinter dem Schwarzwald, dem Bayerischen Wald, dem Harz, Sauerland und der Rhön erreicht. Ohne das erreichte Ergebnis schmälern zu wollen, wird dabei gleichzeitig die Möglichkeit einer weiteren Verbesserung verdeutlicht.
Um die steigende Tendenz des Gästeaufkommens nach Möglichkeit weiter zu festigen, wurde in 2012 der Entwicklung der Mountainbike-Region Thüringer Wald/Thüringer Schiefergebirge und der Qualitätsoffensive Skilanglauf ganz besondere Beachtung geschenkt.

Aufschlussreich ist auch die Betrachtung der Orte mit den meisten Übernachtungen. An der Spitze liegen nicht unerwartet die Städte Erfurt und Weimar, wobei auf Platz drei bis fünf mit Oberhof, Friedrichroda und Bad Liebenstein (hier finden Sie eine Liste mit Unterkünften in Bad Liebenstein) reine Erholungs- und Wintersportorte folgen.

Einen nicht zu unterschätzenden Beitrag an der positiven Entwicklung des Tourismus in Thüringen leisten jedoch auch kleinere, landschaftlich reizvolle Regionen mit kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten, denen oft andere wirtschaftliche Perspektiven fehlen und die sich daher verstärkt dem Ausbau des Tourismus widmen.
Hierzu zählen der Kyffhäuser, das Eichsfeld und der Hainich ebenso wie die Regionen der Rhön, des Paulinzellaer Landes oder des Thüringer Holzlands. Diese thüringer Regionen, in denen zunehmend Gäste einen Urlaub buchen, stehen zwar etwas im Schatten der großen Städte und des Thüringer Waldes, sind aber durchaus beliebte und attraktive Reiseziele.

Mit der weiteren Umsetzung der in der Thüringer Landestourismuskonzeption 2015 vorgesehenen Maßnahmen zur Tourismusentwicklung sollte es gelingen, aufbauend auf dem bisher Erreichten weitere begrüßenswerte Fortschritte zu erreichen.

Gäste kommen offensichtlich gern nach Thüringen

Donnerstag, den 25. Oktober 2012

Wie aus einer Pressemitteilung des Thüringer Landesamt für Statistik zu erfahren war, stieg im Juli 2012 die Zahl der Übernachtungen in Thüringer Beherbergungsbetrieben um 1,8 Prozent (im Vergleich zum Vorjahr). Insgesamt wurden rund 1 Million Übernachtungen im Freistaat registriert. Die Zahl der Gästeankünfte und somit die Zahl der Urlauber stieg um 3,0 Prozent. Der Grund für die unterschiedlichen Steigerungsraten liegt in der insgesamt kürzeren Verweildauer. Im Schnitt verweilt ein Gast etwa 2,8 Tage in Thüringen.
Unter anderem konnten die Städte Eisenach, Erfurt, Jena und Weimar einen Anstieg der Übernachtungen um 3,1% verzeichnen.

Zu dieser erfreulichen Entwicklung hat sicher eine Vielzahl einzelner Faktoren beigetragen, die von den herrlichen Naturparks Thüringens, über Kunst und Kultur, Volksfeste und Gedenkstätten bis hin zu der von vielen Besuchern geschätzten Thüringer Küche reichen.
So locken im Sommerhalbjahr der Nationalpark Hainich mit seinem Baumkronenpfad, das Tal der Oberen Saale mit den Stauseen des „Thüringer Meeres“, die Kyffhäuserregion mit der Barbarossahöhle und der Kaiserpfalz Tilleda oder das Biosphärenreservat Vessertal mit Thüringens höchster Erhebung, dem Großen Beerberg die Freunde von Wanderungen, Radtouren und Erkundungen an. Daneben wird Wasserwandern auf Werra und Saale in einer teilweise unberührten Naturlandschaft groß geschrieben.
Dagegen locken im Winter die Sportanlagen und –möglichkeiten in und um Orte wie Oberhof, Zella-Mehlis oder Lauscha zahlreiche Gäste an.

Kulturelle Events, wie die im März und April stattgefundenen Bachwochen sorgen ebenfalls für einen steigenden Zuspruch der Besucher.
Diese Rolle haben auch populäre Volksfeste wie der Sommergewinn in Eisenach sowie das Krämerbrückenfest und das Oktoberfest in Erfurt übernommen.
Viele in- und ausländische Gäste verbinden ihren Aufenthalt in Thüringen auch mit dem Besuch einer Gedenkstätte wie beispielsweise dem Lutherhaus in Eisenach, dem Schiller-Museum in Bauerbach oder dem mahnenden KZ Buchenwald.

Ein weiteres Highlight und fortwährender Besuchermagnet ist sicher der Thüringer Wald mit seinen zahlreichen Wanderwegen, von denen der Rennsteig der bekannteste ist. Das Mittelgebirge ist das ganze Jahr über ein touristischer Schwerpunkt im Freistaat. Im Sommer kommen in erster Linie Radler und Wanderer auf ihre Kosten und im Winter finden hier Skilangläufer und auch Schneeschuhwanderer ein abwechslungsreiches Terrain. Je nach bevorzugter Sportart kann man Verleihstationen für Fahrräder und Ski oder eine passende Unterkunft im Thüringer Wald finden.

Bei der Betrachtung der den Tourismus belebenden und fördernden Faktoren in Thüringen sollte die Bedeutung der jährlich erhältlichen Thüringencard nicht vergessen werden. Sie bietet freien Eintritt in eine Vielzahl von Museen, Schlösser, Gärten, Bäder und Höhlen.
Ermäßigte oder teilweise freie Fahrten mit verschiedenen Verkehrsmitteln sind möglich.
Die Thüringencard ist sowohl für einen Tag oder jeweils für drei oder sechs frei wählbare Tage im betreffenden Jahr erhältlich und entsprechend preislich gestaffelt.

Weiterer Mosaikstein auf Weg zum barrierefreien Tourismus in Thüringen in Sicht

Mittwoch, den 6. Juni 2012

Der Freistaat Thüringen bewegt sich mit seinen Bemühungen - wenn auch in kleinen Schritten - zielgerichtet auf die Ausweitung des barrierefreien Tourismus zu.
So wurde mit dem Erlebnispfad “Brunstal” ein drei Kilometer langer Wanderweg im Nationalpark Hainich geschaffen, der sowohl Rollstuhlfahrern als auch blinden und sehbehinderten Menschen die Möglichkeit gibt, an neun Stationen selbsthandelnd Wissenswertes aus Wald und Flur zu erfahren. Der Nationalpark übernahm damit eine Vorreiterrolle unter allen Nationalparks in Deutschland.

Im April dieses Jahres wurde die Stadt Erfurt als Gastgeber eines Treffens der Behindertenbeauftragten des Bundes und der Länder sowie von Verantwortlichen der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation zum Namensgeber einer dabei verabschiedeten Erklärung zur weiteren Gestaltung des barrierefreien Tourismus in Deutschland.
In diesem als “Erfurter Erklärung” verabschiedeten Dokument, dass sich in seinem Inhalt auf die UN-Behindertenrechtskonvention bezieht, wird gleichzeitig an die privatwirtschaftlichen touristischen Einrichtungen, die Landesregierungen und die Bundesregierung appelliert, sich unter der Mitwirkung von Interessenvertretungen der Menschen mit Behinderung für deren Teilnahme an möglichst vielen touristischen Angeboten einzusetzen. Dies müsse letztendlich zu einer verbesserten Attraktivität bezüglich der Barrierefreiheit neuer touristischer Angebote führen.

Nun erklärte vor wenigen Tagen der an einer Wanderung mit Rollstuhlfahrern im Hainich teilnehmende Staatssekretär Jochen Staschewski, dass “Barrierefreiheit … zu einem Qualitätsmerkmal für den Thüringen-Tourismus werden” müsse. In diesem Zusammenhang kündigte er an, dass in absehbarer Zeit die Thüringer Tourismus GmbH eine Anlaufstelle erhalten werde, die bestehende touristische Angebote hinsichtlich ihrer Nutzungsmöglichkeiten durch Behinderte prüfen wird und die parallel dazu konkrete Vorschläge für Verbesserungen auf diesem Gebiet erarbeiten soll.

Diese Ankündigung unterstreicht die verantwortungsvolle Rolle, die Thüringen für die Schaffung barrierefreier touristischer Angebote übernommen hat. Dass dieser einzuschlagende Weg auch ein volkswirtschaftliches Element in sich trägt, zeigt die im Zusammenhang mit der Erfurter Erklärung getroffene Aussage, die von einem wirtschaftlichen Potential des barrierefreien Tourismus von bis zu fünf Milliarden Euro jährlich ausgeht.

Das 9. Bauernkriegsspektakel in Mühlhausen steht vor der Tür

Donnerstag, den 26. April 2012

Am 12. und 13. Mai ist es wieder soweit - dann verwandeln sich der kleine Blobach vor dem Inneren Frauentor, die Holzstraße und die Marienkirche sowie der Markt vor der Stadtmauer in den Aufführungsort und zu Kulissen eines Historienspiels, das in seiner Art sicher seinesgleichen sucht. Seit dem Jahr 2004 findet dieses Bauernkriegsspektakel in Mühlhausen bereits zum neunten Mal statt und ist inzwischen weit über Thüringens Landesgrenze hinaus bekannt geworden.

Vorwiegend Laienspieler schlüpfen an diesen zwei Tagen in die Rollen eines Thomas Müntzer, dessen Ehefrau Ottilie Müntzer oder die des ehemaligen Zisterziensermönchs und späteren Bauernführers Heinrich Pfeiffer und zeigen in drei Historienspielen pro Tag nachdenklich stimmende und auch spektakuläre Szenen aus der Mühlhauser Historie der Jahre 1523 bis 1525. Mit viel Liebe zum Detail und mit der derben Sprache jener Zeit entsteht dabei ein lebendig wirkender Rückblick in die Zeit der Bauernkriege.

Eingebettet sind diese Aufführungen in ein buntes mittelalterliches Markttreiben, an dem so manches alte Gewerbe wieder zu neuem Leben erweckt wird. Bauernlager und Wagenburg, Ritterschaukämpfe und Gaukeleien runden das Spektakel ab, an dem auch Künstler und Künstlergruppen teilnehmen.
In diesem Jahr werden zu ihnen das Gaukler-Duo “Radugas” und die Spielleute “Pampatut” gehören, die mit ihren Liedern und Tänzen aber auch mit Akrobatik und lockeren Sprüchen ihr Publikum begeistern und dieses in das Geschehen mit einbeziehen werden. Echte Raufbolde und hübsche Mägde reisen mit der Rittertruppe “Burgunder Haufen” zu einem Zeltlager nach Mühlhausen und der Falkenflüsterer Deimos trägt mit seiner Mittelalterfalknerei zur Unterhaltung von Groß und Klein bei.

Sollte mein kleiner Beitrag den einen oder anderen Leser zu einem Abstecher am zweiten Maiwochenende nach Mühlhausen verleiten, so kann ich ihm abschließend nur viel Spaß und guten Appetit beim Genießen der einen oder anderen mittelalterlichen Speise und eines deftigen Getränkes wünschen.

Auf dem Thüringer Klimaweg

Montag, den 2. April 2012

Am 30. März 2012 war es soweit - eine bunte Schar von etwa 100 Wanderfreunden, zu der auch der als Schirmherr der Wanderung fungierende Landrat des Ilmkreises Dr. Benno Kaufhold gehörte, begab sich auf die offizielle Erstbewanderung des Klimaweges in Geraberg.
In der reizvollen Mittelgebirgslandschaft von prächtigen Mischwaldbeständen und bis etwa 900 Meter hohen Bergen wurde der Thüringer Klimaweg im Rahmen eines touristischen Förderprogramms der Freistaates Thüringen angelegt.
Unterstützung erfolgte außerdem von zahlreichen Betrieben aus der Umgebung, dem Deutschen Wetterdienst und auch von Privatpersonen.

Die Standardroute des Klimawegs hat eine Länge von 6,1 Kilometern und beginnt in der Nähe mehrerer Parkplätze im Ostteil der Gemeinde Geraberg. Nach einem Flachstück zum “Einlaufen” erfolgt ein erster kleinerer Anstieg nach etwa einem Kilometer Fußmarsch, der aber im Vergleich zu dem am Kilometer drei folgenden Anstieg ein wahres Kinderspiel darstellt. Immerhin sind dabei auf kurzer Distanz etwa 100 Höhenmeter zu bezwingen, wobei am Ende der Steigung an der Schwedenhütte so mancher Wanderfreund zu spüren glaubte, dass hier oben die Luft schon merklich “dünner” geworden ist. Allerdings besteht auch die Möglichkeit, den Anstieg auf einer ebenfalls markierten, flacheren Ausweichroute zu umgehen.

Etwa 20 Informationstafeln geben auf dem mit einem “K” gekennzeichneten und als Lehrpfad gestalteten Klimaweg anschaulich Auskünfte über bestimmte außergewöhnliche Wettererscheinungen, deren Auswirkungen auf das Gebiet Thüringens und über Klimadaten und Klimaveränderungen. Zusätzlich zu dem am Deutschen Thermometermuseum in Geraberg befindlichen Großthermometer, dem weltgrößten Stab-Ausdehnungsthermometer, dessen Standort vom Klimaweg tangiert wird, wurde in der Nähe des Sportplatzes am Klimaweg ein zweites 11,11 Meter hohes Flüssigkeitsthermometer errichtet. Obwohl am Tag der Eröffnung des Wegs die Skalenbeleuchtung noch fehlte und die Anlage um das Riesenthermometer noch nicht sehr gepflegt und unvollendet erschien, wird seine imposante Erscheinung sicher künftig zu den Höhepunkten einer Begehung des Lehrpfades werden.

Als Fazit dieser Erstbegehung bleibt für mich persönlich die Erkenntnis, dass es sich lohnt, den Weg in Ruhe und ungestört in absehbarer Zeit nochmals zu absolvieren, um dabei die zahlreichen verfügbaren Informationen besser aufnehmen und verarbeiten zu können, wobei es darüber nachzudenken lohnt, so “ganz nebenbei” dann auch dem Deutschen Thermometermuseum einen Besuch abzustatten.