Meine kontroversen Gedanken über Wellness
Freitag, den 22. März 2013Als meine Frau mir den Vorschlag unterbreitet, doch einmal ein paar Tage bei einem Wellnessaufenthalt in einem Thüringer Hotel Abstand vom Alltag zu finden, machte ich mit zuerst einmal die Mühe, mir im Internet ein paar Informationen darüber zu holen, was man unter Wellness eigentlich versteht und mit welcher Erwartungshaltung man einen solchen Ausflug ins Ungewisse beginnen sollte.
Zum großen Nachteil für meine bessere Hälfte war ich allerdings auf einer Webseite gelandet, die mit zunächst die Lust auf einen solchen Trip ziemlich verdarb.
Denn da war zunächst von Entspannungsmassagen auf einer vorgewärmten Liege zu lesen, bei der die zarten Hände einer sicher hübschen Masseuse durch sechs über den Rücken gleitenden Nattern ersetzt wurden.
Wenn für mich eine derartige Prozedur in Aussicht stünde, dann würde ich meiner Frau wohl eine Gesichtsmaske a la „Geisha-Facial” zumuten müssen. Deren wirksame Bestandteile bestehen aus sterilisiertem Nachtigallenkot, der mit Reiskleie vermischt eine jugendliche Ausstrahlung fördern soll.
Und als ich dann noch lesen musste, dass es Kaktusmassagen ebenso gibt, wie Haarkuren auf der Basis einer aus Rindersperma gewonnenen Tinktur, war der Begriff von „Wellness” in meine persönliche Horror-Schublade gerutscht.
Welch ein Glück, das diese Lektüre wenigstens damit endete, dass derartige Anwendungen bisher auf Wellnesscenter in Israel, Japan, New York und London beschränkt sind und ich ein wenig erleichtert wieder aufatmen konnte.
Immerhin hatte ich mir dabei auch die im wahrsten Sinne des Wortes edlen Gesichtszügen meiner lieben Gattin bei der Behandlung mit einer 24-karätige Blattgoldmaske vorgestellt, wie sie im Nidah Spa in New Mexiko angeboten wird.
Nach diesem Ausflug in einen Bereich des Wellnessmarktes, der mit solchen und ähnlichen Methoden Aufmerksamkeit um jeden Preis erregen möchte, suchte ich anschließend nach seriöseren Quellen und landete bei einem der Begründer der Wellnessbewegung in den USA, Dr. D. B. Ardell.
Befragt über seine Definition der Bedeutung von Wellness nannte er es eine Lebensphilosophie, die vom Streben nach mehr Lebensqualität, die durch einen bewussten, disziplinierten Lebensstil erreicht werden kann, gekennzeichnet ist.
Wellnesshotels, -behandlungen und -angebote bezeichnet er als Spa- oder Gesundheits-Wellness, in dem Angebote wie die von mir zitierten und ähnliche nichts zu suchen hätten.
So war ich schließlich wieder ruhiger und zuversichtlicher geworden, sagte „Ja” zu meiner Frau, suchte im Internetportal www.urlaubsland-thueringen.de ein uns genehmes Angebot in einem Thüringer Wellnesshotel und kann heute nur sagen, nach all der Aufregung im Vorfeld dieses Aufenthalts unseren dortige Zeit regelrecht genossen zu haben.

