Gibt es denn nichts Wichtigeres?

Ja, das ist so eine Sache, in der heutigen Zeit darf es nun mal nichts geben, wofür nicht auch ein paar dagegen sind - oder? Das ist eigentlich ein ganz normaler Zustand, wenn da nicht immer gleich ganze Aktionen losgetreten würden, bei denen der Eindruck erweckt wird, das ganze Vaterland oder zumindest entscheidende Bereiche der Menschenrechte seien in Gefahr.

Nehmen wir mal das Beispiel des Schleizer Dreiecks, einer Naturrennstrecke die vor 88 Jahren ins Leben gerufen wurde und die gemeinsam mit inzwischen hunderttausenden Besuchern auf eine wechselvolle aber auch durchaus erfolgreiche Vergangenheit zurückblicken kann. Höhepunkte wie ein Lauf der Motorradklassen zur ersten Gesamtdeutschen Meisterschaft im Jahr 1950 oder die späteren Formel 3-Rennen und Namen wie die von Heinz Rosner, Uli Melkus oder dem Ungarn Janos Drapal sind zumindest den älteren Motorsportfreunden noch immer ein Begriff.

Natürlich musste der ursprüngliche Streckenverlauf mehrfach den veränderten Bedingungen angepasst werden, bis schließlich 2004 die neueste, auf reichlich 3,8 Kilometer Länge verkürzte Strecke, die nach wie vor entgegen dem Uhrzeigersinn befahren wird, wieder eröffnet werden konnte.
Und viele Menschen finden es sicher auch der heutigen Zeit entsprechend, dass eine solche Rennstrecke nur wirtschaftlich betrieben werden kann, wenn jährlich nicht nur eine oder zwei Veranstaltungen auf ihr stattfinden.

Aber spätestens an dieser Stelle schlug die Stunde der Protestanten und Neinsager. Unter dem Aushängeschild von Ökologie, Lärmschutz und Mitspracherecht begann der Kampf mit Demos, Anfechtungen und Klagen gegen das von vielen geliebte Dreieck. Und da wurden trotz moderner Schallschutzmaßnahmen die übrig gebliebenen Geräusche, die mancher eben trotzdem nicht mag, zu Lärm stilisiert und aus Abgasen werden gefährliche Feinstaubwolken gegen all das es sich lohnt, ausdauernd anzugehen.

Und spätestens an diesem Punkt entstehen einige Fragen.
Müssten da nicht Bewohner von vielen Städten, die ihren Wohnsitz an Durchgangsstraßen oder in der Nähe von Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel haben, permanent protestieren und demonstrieren?
Oder warum stehen heutzutage friedliche Bürger mit einer Unterschriftenliste vor unserer Haustür, mit der Bitte, mit unserer Unterschrift gegen etwas zu protestieren, was noch lange keine beschlossene oder ausgereifte Sache ist?
Und warum wird dieser “Volkeswille” nicht dazu genutzt, um Missstände ganz anderer Art anzuprangern, die da heißen könnten Gesundheitsreform, Sparen an der falschen Stelle oder Umverteilung von unten nach oben?
Bleiben diese Angelegenheiten Sache der Parteien, obwohl der normale Bürger mit ihnen mindestens genau so konfrontiert wird, wie die Schleizer mit einigen Motorsportveranstaltungen auf dem Schleizer Dreieck oder manchmal ein paar Fledermäuse mit dem Neubau einer Straße?

Vielleicht ist es einfach bequemer, kleinere und unbedeutendere Anlässe dazu zu nutzen (oder zu missbrauchen?) seinen Frust abzulassen, als sich für Dinge einzusetzen, deren Veränderung zumindest aus meiner Sicht notwendiger und sinnvoller wäre.

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