Kennen Sie die Wüstung Billmuthausen?

Groß ist sie - die Zahl der Wüstungen, die nach der Teilung Deutschlands an der innerdeutschen Grenze aber auch an der zwischen der damaligen DDR und der heutigen Tschechoslowakei entstanden.
Eine von ihnen ist die Wüstung Billmuthausen, die heute vor allem dank der Bildung eines Fördervereins im Jahr 1994 den Charakter einer Gedenkstätte trägt.

Aus dem ehemaligen Rittergut Billmuthausen entwickelte sich ein kleines Dorf, das ganz im Süden Thüringens zwischen Bad Colberg-Heldburg und dem bayerischen Bad Rodach lag. Wenige Häuser, eine kleine Kirche und eine Mühle bildeten den Ort, der sogar eine eigene Wasser- und Stromversorgung hatte.
Nachdem das Gebiet um Billmuthausen 1952 zur Sperrzone erklärt wurde, flüchteten sieben Familien nach Bayern.
Zwei weitere wurden im Zusammenhang mit dem Ausbau der Grenzbefestigung 1961 zwangsweise ausgesiedelt.
Wenige Jahre danach wurde die Dorfkirche abgerissen und schließlich wurde 1977 mit dem Abriss der Mühle die vollständige Räumung des Dorfes eingeleitet. Im darauf folgenden Jahr verließ die letzte Familie den Ort, durch den nun nur noch die Grenzanlage verlief.

Offiziell wurde der Ort jedoch weitergeführt. Er behielt bis 1990 seine Postleitzahl, die sogar 1993 mit der Zahl 98663 in das fünfstellige Postleitzahlen-Verzeichnis Deutschlands übernommen wurde.
Unter dieser Adresse waren jedoch nur noch ein kleiner Friedhof und das Türmchen einer Transformatorenstation erreichbar. Die Glocken der Kirche und einige sakrale Gegenstände waren bereits vorher ausgelagert worden.

1992 wurden auf dem Friedhof ein Gedenkstein errichtet. Zwei Jahre später, mit der Gründung des bereits erwähnten Fördervereins “Gedenkstätte Billmuthausen” wurde eine Gedächtniskapelle errichtet und die wenigen Überreste der Dorfanlage, wie der Dorfbrunnen, rekonstruiert. An die ehemalige Mühle erinnert heute ein drei Tonnen schwerer Mühlstein. Einige Informationstafen erläutern die traurige Vergangenheit des Dorfes Billmuthausen.

Eine besondere Ehre wurde einem ehemaligen gut erhaltenen Grenzwachturm zuteil, der heute unter der Bezeichnung “Artenschutz-, Forschungs- und Fledermauszentrum Billmuthausen” seinen äußerst friedlichen Dienst verrichtet.

Sollten Sie einmal in der Gegend um Eisfeld oder Hildburghausen verweilen, dann könnten Sie sich bei einem Besuch der Gedenkstätte der Wüstung Billmuthausen an die Zeit des kalten Krieges und das damit verbundene Leid vieler Menschen zurück erinnern.

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