Koalitionsstreit über Gemeinschaftsschulen in Thüringen
Wieder einmal ist es soweit - die Koalitionäre von Schwarz und Rot haben die Fehdehandschuhe erneut geworfen, um sich gegenseitig Vorwürfe zu machen, anstatt ein bereits im Koalitionsvertrag geregeltes Projekt einer zügigen und gemeinsamen Lösung zuzuführen.
Nach den Koalitionsstreit um die Kindergarten-Reform im Dezember 2009, bei dem es um die verzögerte Umsetzung des Familien-Volksbegehrens ging und dem Streit um den Haushalt 2010, bei dem die Einsparvorschläge der CDU von der SPD nicht akzeptiert wurden, ist nun im Bereich der Bildung ein neuer Streit um das Schulsystem entbrannt.
Nicht mehr und nicht weniger als die Zukunft des Thüringer Schulsystems ist Gegenstand des Streits zwischen den Landtagsfraktionen von CDU und SPD. Dabei schien der einzuschlagende Weg bereits klar zu sein, da im Koalitionsvertrag die Einführung der Gemeinschaftsschule in Thüringen vereinbart war. Nun aber will die CDU - wie bereits beim Streit um die termingerechte Durchführung des Familien-Volksbegehrens - den gemeinsam vereinbarten Weg verlassen und schlägt das Konzept einer Oberschule vor.
Dabei solle die Regelschule zu einer Oberschule ausgebaut werden, in der die Schüler neben dem Haupt- und Realschulabschluss ebenfalls das Abitur ablegen könnten. Bei diesem vom CDU-Landtagsfraktionschef Mohring vorgeschlagenen Konzept wäre eine zusätzliche Prüfung für den erfolgreichen Realschulabschluss erforderlich, nach deren Bestehen an einem beruflichen Gymnasium oder in der Oberstufe der Oberschule das Abitur erworben werden könne. Damit will die CDU das frühere System der Auswahl der Schüler nach bereits vier Klassen fortsetzen.
Das von der SPD und ihrem Bildungsminister Matschie favorisierte, im Koalitionsvertrag vereinbarte Projekt der Gemeinschaftsschule soll dagegen neben der Regelschule und dem Gymnasium etabliert werden und sieht ein gemeinsames Lernen bis zur achten Klasse vor. In der Gemeinschaftsschule sollen alle drei Abschlüsse erworben werden können.
Dabei wird die Verwirrung um Inhalte und Bedeutung der vielen Schultypen für so manchen braven Durchschnittsbürger langsam zum Problem. Real- und Hauptschule, Regel- und Gesamtschule, Förder- und Sonderschule, Grundschule sowie Gymnasium und Fachgymnasium bilden mittlerweile ein nahezu unentwirrbares Konglomerat von Schulen, dessen Inhalte nur noch die sogenannten Experten verstehen.
Da scheint die Kritik der Fraktion der Linken nicht ganz unangebracht, die der Koalition und besonders der CDU mit ihrem Streit eine weitere Verunsicherung von Eltern, Lehrern und Schülern vorwirft, anstatt ein vernünftiges, gemeinsames Konzept für das Thüringer Schulsystem zu entwickeln.
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