Lutherkirche in Apolda und das Lutherjahr 2017
Als ein welthistorisches und ökumenisches Großereignis bezeichnete der Vizepräsident des Kirchenamtes der EKD unlängst das 500. Reformations-Jubiläum im Jahr 2017. Damit wird gleichzeitig der Höhepunkt der gegenwärtig laufenden Lutherdekade erreicht, der sich neben der Hauptstadt Berlin und dem sachsen-anhaltinischen Wittenberg auch auf seinen thüringischen Geburts- und Sterbeort Eisleben und die Wartburg bei Eisenach konzentrieren wird.
Nun macht jedoch seit Dienstag ein riesiges, 40 Quadratmeter großes Banner mit dem Porträt Martin Luthers und einer Inschrift am Glockenturm der Lutherkirche im thüringischen Apolda auf das Lutherjahr 2017 aufmerksam. Unter großen Mühen bei Dauerregen entfaltet, wirft es natürlich sofort die Frage nach einem direkten Bezug Apoldas zum Leben und Schaffen Martin Luthers auf. Doch egal wo man sucht, dieser Bezug lässt sich außer auf den Namen der evangelischen Kirche nicht herstellen. Luther hat wohl niemals seinen Fuß auf das Territorium der Stadt gesetzt.
Und trotzdem entwickelten der Pfarrer der Lutherkirche, Dr. Felix Leibrock und der MDR-Moderator Willi Wild die Idee, den Standort Apoldas zwischen den Thüringer Lutherstädten und denen von Sachsen-Anhalt zum Anlass zu nehmen, die Lutherkirche Apolda im Jahr 2017 zu einer Spielstätte für ein Spiritual der besonderen Art werden zu lassen.
Dazu sollte man wissen, dass die im Baustil der Neugotik und als Backsteinbau errichtete und im Jahr 1894 geweihte Kirche am Melanchtonplatz bereits seit Jahrzehnten durch Dach- und Putzschäden verfiel. Dies konnte zwar seit der Zeit der Wende aufgehalten und in gewisser Weise überdeckt werden, jedoch blieb ihre Nutzung weiterhin eingeschränkt. Daran konnte auch eine der ältesten Apoldaer Glocken aus dem Jahr 1722 und die wertvolle Sauer-Orgel, auf der hin und wieder Konzerte stattfinden, nichts entscheidendes ändern.
Dies soll sich nun aber aus Anlass des Lutherjahres ändern. Der desolate Zustand im Inneren der mächtigen Kirche soll beseitigt werden, der entkernte Innenraum danach hell und besucherfreundlich ausgestattet werden.
Dem Ganzen soll dann im Jahr 2017 das geplante Musiktheater neues Leben einhauchen, das die Gestalt Martin Luthers in einer Mischung aus Musik und szenischer Darstellung ohne Verherrlichung als Mensch mit Licht und Schatten darstellen soll.
Szenen wie Luthers mutiges Auftreten vor dem Reichstag in Worms, seine Heirat mit Katharina von Bora oder sein Ringen um die Wahrheit im Wittenberger Turm soll das Spiritual in unterhaltender Weise wiedergeben. 800 Besucher werden dann voraussichtlich auch in den Genuss neuer Technologien, wie der Laser-Display- Technologie oder einer weiterentwickelten Stereo-Technik kommen.
Schließlich soll das geplante Spiritual die tiefe Schuld der evangelischen Kirche gegenüber dem jüdischen Volk zum Ausdruck bringen und auf seine Weise gleichzeitig um Vergebung bitten.
Betrachten wir also die Vorbereitung auf dieses Ereignis weiter mit Interesse und hoffen gemeinsam mit den fleißigen Initiatoren auf einen großen Erfolg dieses nicht alltäglichen kulturellen Highlights. Und wer seinen Kurzurlaub in Thüringen nicht “kurzfristig” sondern mit etwa 7 Jahren Vorlauf planen möchte, der sollte sich schon jetzt eine entsprechende Unterkunft in Apolda oder in der Umgebung sichern ![]()
Tags: Kultur


Am 15. November 2010 um 07:33 Uhr
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