Archiv des Tags ‘Kultur’

Tag des offenen Denkmals auf Schloss Kannawurf

Donnerstag, den 9. September 2010

Am kommenden Sonntag, den 12. September, erwarten rund 900 Objekte in ganz Thüringen die hoffentlich zahlreichen Besucher, die vielfach extra anlässlich des europaweiten Tages des offenen Denkmals einen Kurzurlaub in Thüringen verbringen.
In die Schar dieser Objekte reiht sich auch das Renaissanceschloss Kannawurf ein, welches sich in der gleichnamigen Gemeinde im Landkreis Sömmerda befindet.
Das dreiflügelige Schloss wurde Mitte des 16. Jahrhunderts erbaut, seine Besitzer wechselten recht häufig und schließlich führten fehlende Mittel und vielleicht auch fehlendes Engagement zum langsamen Verfall des Komplexes, der zum Einsturz des Nordflügels in den 1980er Jahren führte.
Nach einer darauf folgenden Notsicherung fanden sich zu Beginn des neuen Jahrtausends mit Roland Lange und Heinz Barth zwei Herren, die an der Spitze der Vereine “Künstlerhaus Thüringen” und “Denkmalpflegezentrum” aktiv die Rettung und den Erhalt des teilweise einsturzgefährdeten Denkmals in Angriff nahmen.

Nun können sich die Besucher am Tag des offenen Denkmals bereits um 0:00 Uhr in einer Mitternachtsführung und danach ab 10:00 Uhr in weiteren Führungen vom Stand der Arbeiten zur Errichtung eines Künstlerhauses im Schloss Kannawurf überzeugen. Allerdings besteht diese Möglichkeit nicht nur aus diesem Anlass, denn jeweils im Sommerhalbjahr finden in den dafür bereits nutzbaren Räumlichkeiten des Schlosses und in dem von einer hölzernen Galerie umgebenen Schlosshof künstlerische Veranstaltungen wie Theateraufführungen, Ausstellungen, Konzerte oder Lesungen statt, in deren Umfeld die Besucher einen Einblick in den Fortgang der umfangreichen Renovierungsarbeiten erhalten.
So wird auch der Tag des offenen Denkmals mit einem abendlichen Konzert mit Musik der Renaissance Italiens ausklingen.
Während der Besichtigungen, die übrigens auch an den Wochenenden zwischen Ostern und November, jeweils nachmittags möglich sind, können unter anderem der im Erdgeschoss für Ausstellungen genutzte Kreuzgewölberaum und die Schlosshofküche in Augenschein genommen werden. Im ersten Obergeschoss befinden sich der Große Rittersaal und ein kleinerer Saal mit barocken Stuckelementen, die beide für Theater und Konzerte genutzt werden. An dieser Stelle ist es erwähnenswert, dass in der Phase der Bautätigkeit so manche Improvisation für die Durchführung der Veranstaltungsprogramme erforderlich war und sicher noch sein wird.

So werden bis zur endgültigen Fertigstellung des Künstlerhauses noch Jahre und vor allem auch mehrere Millionen benötigt, ehe das Schloss Kannawurf und sein Schlosspark sich wieder entsprechend ihres historischen Vorbildes präsentieren. Dass die gegenwärtige Arbeit unter Leitung beider Vereine anerkannt und inzwischen auch tatkräftig unterstützt wird, beweist die Tatsache, dass im Juli dieses Jahres ein erster Förderscheck übergeben werden konnte, dem noch weitere folgen sollen. Diese Förderung durch das Thüringer Umweltministerium und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz erfolgt im Rahmen der Entwicklung lebensfähiger Dörfer und würdigt im Besonderen das erfolgreiche Bemühen, den Erhalt der denkmalgeschützten Räume mit der gleichzeitigen Vermittlung kultureller Programme zu verbinden.
Ein diesbezüglich weiterer Meilenstein bei der Errichtung des Künstlerhauses wird im kommenden Jahr die Fertigstellung der ersten Unterkünfte im neu eingerichteten Stipendiatenhaus des Schlosses sein.

Das diesjährige Kunstfest Weimar hat begonnen

Mittwoch, den 25. August 2010

Nun sind wir schon mittendrin - mittendrin im “pelerinages” Kunstfest Weimar 2010, das sich in diesem Jahr unter dem Motto “Irrlichter” der Grenze zwischen Genie und Wahnsinn widmet.
Eröffnet wurde es mit der Konzertreihe “Gedächtnis Buchenwald” und der prächtig aufgelegten Staatskapelle Weimar unter ihrem Dirigenten Michael Boder am 20. August und der Eröffnungsmatinee am darauf folgenden Tag, an der auch Nike Wagner zu Wort kam. Sie, als Urenkelin von Franz Liszt und Richard Wagner, lenkt ja die Geschicke des Weimarer Kunstfestes bereits seit 2004, das sicher auch in diesem Jahr bis zum 12. September in Weimar und Erfurt wieder ein breites Publikum begeistern wird.

In den Wallfahrten, die dem Begriff “pelerinages” entsprechen, zu den über 30 Veranstaltungen kommen dabei Musik, Theater, Tanz und Bildende Kunst zu ihrem Recht und loten jeweils auf ihre Art und mit ihren Mitteln die Grenzen zwischen Genie und Wahnsinn aus.
Da ist zum einen das Filmfest im Kunstfest 2010, für das Volker Schlöndorff als Schirmherr gewonnen werden konnte, in dem in schaurig schönen Bildern die Irrlichter der Filmgeschichte mit der Faszination des früheren Horror-Kinos wieder zum Leben erweckt werden. Präsentiert werden sie vom Bauhaus Film-Institut Weimar.
Im Genre Musik werden Werke vom “Hausheiligen” des Kunstfestes, Franz Liszt, von zwei äußerst namhaften russischen Pianisten gespielt. Eine TanzMedien-Performance wird im Gebäude des zum Weltkulturerbe gehörenden Bauhaus vorbereitet und in einer öffentlichen Abschlusspräsentation am 29. August einem sicher interessierten und fachkundigen Publikum vorgestellt.

Neben einigen beliebten Veranstaltungen mit Kinderbetreuung erhalten Kinder und Jugendliche die Möglichkeit, ihre eigene Erfahrungen mit den verschiedenen Kunstgattungen zu machen. Diesem Anliegen dienen auch einige Angebote für die Schulen in der Region.
Gemeinsam mit der Thüringischen Landeszeitung veranstaltet “pelerinages” Kunstfest Weimar auch sommerliche Gesprächsrunden zu den Projekten und Themen dieser Saison.

Aus der breiten Palette der zahlreichen Veranstaltungen sollen drei Ereignisse, die sicher zu den Höhepunkten des Kunstfestes zählen werden, diese kurze Betrachtung des Kunstfestes Weimar 2010 abschließen. Da wäre zum einen die am 5. September am Treffpunkt Wittumspalais beginnende literarische Nachtwanderung unter dem Motto “Irrgehen” zu nennen.
Zum anderen besteht an verschiedenen Veranstaltungsorten die Möglichkeit, eines von vier Kammerkonzerten, unter anderem mit den mehrfach preisgekrönten Geschwistern Widmann (Violine und Klarinette) zu besuchen. Und schließlich gehören mehrere Filmabende der Merce Cunnigham Dance Company in verschiedenen Häusern zu den sicher herausragenden Programmpunkten des diesjährigen Kunstfestes.

Wer kurzfristig noch eine der Veranstaltungen besuchen möchte und noch auf der Suche nach einer ansprechenden Unterkunft in Weimar ist, findet nachfolgend beispielsweise ein Hotel in Weimar oder eine Ferienwohnung in Weimar.

Lutherkirche in Apolda und das Lutherjahr 2017

Donnerstag, den 19. August 2010

Als ein welthistorisches und ökumenisches Großereignis bezeichnete der Vizepräsident des Kirchenamtes der EKD unlängst das 500. Reformations-Jubiläum im Jahr 2017. Damit wird gleichzeitig der Höhepunkt der gegenwärtig laufenden Lutherdekade erreicht, der sich neben der Hauptstadt Berlin und dem sachsen-anhaltinischen Wittenberg auch auf seinen thüringischen Geburts- und Sterbeort Eisleben und die Wartburg bei Eisenach konzentrieren wird.
Nun macht jedoch seit Dienstag ein riesiges, 40 Quadratmeter großes Banner mit dem Porträt Martin Luthers und einer Inschrift am Glockenturm der Lutherkirche im thüringischen Apolda auf das Lutherjahr 2017 aufmerksam. Unter großen Mühen bei Dauerregen entfaltet, wirft es natürlich sofort die Frage nach einem direkten Bezug Apoldas zum Leben und Schaffen Martin Luthers auf. Doch egal wo man sucht, dieser Bezug lässt sich außer auf den Namen der evangelischen Kirche nicht herstellen. Luther hat wohl niemals seinen Fuß auf das Territorium der Stadt gesetzt.

Und trotzdem entwickelten der Pfarrer der Lutherkirche, Dr. Felix Leibrock und der MDR-Moderator Willi Wild die Idee, den Standort Apoldas zwischen den Thüringer Lutherstädten und denen von Sachsen-Anhalt zum Anlass zu nehmen, die Lutherkirche Apolda im Jahr 2017 zu einer Spielstätte für ein Spiritual der besonderen Art werden zu lassen.
Dazu sollte man wissen, dass die im Baustil der Neugotik und als Backsteinbau errichtete und im Jahr 1894 geweihte Kirche am Melanchtonplatz bereits seit Jahrzehnten durch Dach- und Putzschäden verfiel. Dies konnte zwar seit der Zeit der Wende aufgehalten und in gewisser Weise überdeckt werden, jedoch blieb ihre Nutzung weiterhin eingeschränkt. Daran konnte auch eine der ältesten Apoldaer Glocken aus dem Jahr 1722 und die wertvolle Sauer-Orgel, auf der hin und wieder Konzerte stattfinden, nichts entscheidendes ändern.

Dies soll sich nun aber aus Anlass des Lutherjahres ändern. Der desolate Zustand im Inneren der mächtigen Kirche soll beseitigt werden, der entkernte Innenraum danach hell und besucherfreundlich ausgestattet werden.
Dem Ganzen soll dann im Jahr 2017 das geplante Musiktheater neues Leben einhauchen, das die Gestalt Martin Luthers in einer Mischung aus Musik und szenischer Darstellung ohne Verherrlichung als Mensch mit Licht und Schatten darstellen soll.
Szenen wie Luthers mutiges Auftreten vor dem Reichstag in Worms, seine Heirat mit Katharina von Bora oder sein Ringen um die Wahrheit im Wittenberger Turm soll das Spiritual in unterhaltender Weise wiedergeben. 800 Besucher werden dann voraussichtlich auch in den Genuss neuer Technologien, wie der Laser-Display- Technologie oder einer weiterentwickelten Stereo-Technik kommen.
Schließlich soll das geplante Spiritual die tiefe Schuld der evangelischen Kirche gegenüber dem jüdischen Volk zum Ausdruck bringen und auf seine Weise gleichzeitig um Vergebung bitten.
Betrachten wir also die Vorbereitung auf dieses Ereignis weiter mit Interesse und hoffen gemeinsam mit den fleißigen Initiatoren auf einen großen Erfolg dieses nicht alltäglichen kulturellen Highlights. Und wer seinen Kurzurlaub in Thüringen nicht “kurzfristig” sondern mit etwa 7 Jahren Vorlauf planen möchte, der sollte sich schon jetzt eine entsprechende Unterkunft in Apolda oder in der Umgebung sichern ;-)

Eindrücke vom MDR-Sommernachtsball in Bad Salzungen

Donnerstag, den 29. Juli 2010

Am vergangenen Freitag, dem 24. Juli war die Festwiese am Bad Salzunger Burgsee der zweite Veranstaltungsort der diesjährigen MDR-Sommernachtsbälle.
Nach Steinach und vor den weiteren Stationen in Sömmerda, Weida und Bad Blankenburg wurden dieses Mal Bühne und Tanzfläche auf keinem Marktplatz, sonder auf der Festwiese mit Seeblick errichtet. Und da auch der Wettergott ein Einsehen hatte und den Regen rechtzeitig in andere Gebiete umleitete, standen Tanz und einer anspruchsvoller Unterhaltung in einer lauen Sommernacht nichts mehr im Wege.
Annähernd 3000 Gäste, von denen viele bestimmt ihren Urlaub in Bad Liebenstein verbringen, nahmen dann auch dankend die Einladung unter dem Leitthema “Schick anziehen und tanzen” - ohne Eintritt - auf der Festwiese im Kurpark an dem romantischen Burgsee in Bad Salzungen an, um bei einer kessen Sohle auf der leider etwas klein ausgefallenen Tanzfläche eine der beliebten Open-Air-Nächte des MDR zu genießen.

Natürlich fehlten auch Vertreter von MDR 1 Radio Thüringen und dem MDR Thüringen Journal nicht. So plauderten Peter Rüberg und die Wetterfee Sandra Voigtmann mit ihrem Publikum, während die “Pallas Show Band” mit ihrem Sound für eine exzellente Ball-Stimmung sorgte. Eröffnet wurde der Sommernachtsball von einem frisch vermählten Brautpaar, das mit der ganzen Hochzeitsgesellschaft auf dem Ball vorbei schaute. Dadurch war von Beginn an die Tanzfläche gut gefüllt und so mancher versuchte sich aus Platzmangel auch in der seltenen Disziplin des Rasentanzes.
Begeisterung lösten sowohl die Darbietungen eines Meister-Tanzpaares als auch die des Diabolo Duos “Golden Time” aus. Letzteres ermutigte auch einige Nachahmer unter den Zuschauern zu einigen mehr oder weniger gelungenen und mit donnerndem Applaus belohnten Versuchen.

Als ein gelungener Höhepunkt des MDR-Sommernachtsballs gestaltete sich die Suche nach einer angeblich vor 400 Jahren, von keinem geringeren als Till Eulenspiegel, im Burgsee versenkten Glocke.
Erst war es die erfolgreiche Suche nach einer von zwei Ratsherren versteckten Miniaturausführung derselben und zu später Stunde wurde begleitet von einem imposanten Feuerzauber die historische Glocke vom Grund des Sees geborgen.
Das leibliche Wohl kam bei all dem ebenfalls nicht zu kurz und so wurde diese Ball-Nacht zu einem rundum gelungenen Ereignis, das den zahlreichen Besuchern sicher noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Mit einem gemeinsam gesungenen Schlusslied klang der MDR-Sommernachtsball 2010 in Bad Salzungen schließlich aus.

Zur 555. Wiederkehr des legendären Kidnapping von Altenburg

Mittwoch, den 14. Juli 2010

Was waren das wohl für Zeiten, als Ritter Kunz von Kauffungen hoch zu Ross im Dienste seines Herren Friedrich des Sanftmütigen Mitte des 15. Jahrhunderts in dessen mehrjährigem Krieg gegen seinen Bruder aus dem kurfürstlichen Hause Wettin, Herzog Wilhelm III. ins Feld zog. Wie sich später noch oft wiederholen sollte, wurde dessen ritterliches Handeln jedoch nicht belohnt - im Gegenteil, er verlor dabei Teile seiner bescheidenen Ländereien, Sachwerte und auch seines Geldes. Und als er für diesen Verlust den Ersatz des Schadens vom Kurfürsten forderte, erhielt er nichts als Hohn und böse Worte.
Wen wundert es da, dass der gute Kunz mit einigen seiner Getreuen zum letzten Mittel griff, um seinen mehr oder weniger berechtigten Forderungen Nachdruck zu verleihen und in der Nacht vom 7. zum 8. Juli 1455 die beiden Söhne Friedrichs II., Ernst und Albrecht kurzerhand entführte?
Damals wusste übrigens noch keiner, dass die beiden Prinzen Ernst und Albrecht Jahre später zu Begründern der beiden Länder Thüringen und Sachsen wurden. Die Entführung aber ging - wie auch immer - schief, der Ritter Kunz wurde gefasst und nur wenige Tage danach in Freiberg hingerichtet.

So weit, so gut - viel Zeit ging danach ins Land, bis sich 1955 einige Laiendarsteller in der damaligen DDR dieser spektakulären Geschichte annahmen und diese am Originalschauplatz, im Altenburger Schlosshof zur Aufführung brachten.
Weitere 50 Jahre vergingen, bis schließlich unter professioneller Leitung der heutigen Theater & Philharmonie Thüringen eine jährliche Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen wurde, die sich inzwischen riesiger Beliebtheit und großen Zuspruchs erfreut.

Vor wenigen Tagen, am 11. Juli 2010, ging nun die diesjährige Veranstaltungsreihe mit insgesamt 15 Aufführungen zu Ende. Wie immer in den letzten Jahren mit großem Erfolg und wie immer stand im Mittelpunkt der Aufführungen der legendäre Prinzenraub, der jedoch jährlich unter einem anderen Aspekt der Geschichte betrachtet wird und damit immer auch etwas neues bietet.
Auf der 60 mal 60 Meter großen Bühne, die dieses Mal in Richtung des Altenburger Hausmannsturms bespielt wurde, konnten die begeisterten Zuschauer wieder großartige Massenszenen, tolle Stunts und Tier-Aktionen sowie gepfefferte Dialoge erleben.
Rund 450 Mitwirkende, davon etwa 200 aus der Region um Altenburg gestalteten die Aufführungen, zu denen wieder auch ein attraktives Rahmenprogramm, gestaltet von Hofnarr, Marketenderinnen, Akrobaten und Schwertkämpfern und den Rabenbrüdern gehörte. Und auch die Händler aus der Region trugen ihren Teil zum Gelingen des Ganzen bei.

Die Zahl der professionellen Aufführungen seit 2005 hat sich nunmehr auf 69 erhöht. Rund 75.000 Zuschauer haben mittlerweile das Spektakel verfolgt und der auch dieses Jahr wieder zu verzeichnende Erfolg der Veranstaltungen wird sicher mit dazu beitragen, dass es nicht die letzten waren. Zahlreiche Besucher unternehmen extra für dieses Schauspiel eine Kurzreise nach Thüringen, um sich Jahr für Jahr die neue Inszenierung anzusehen.