Umgestaltung des Markplatzes un Altenburg
Die Gemüter sind erhitzt - wieder einmal um ein städtebauliches Projekt, das dieses Mal den zugegebenermaßen sehr attraktiven Marktplatz der thüringischen Stadt Altenburg betrifft. Allerdings ist diese Attraktivität gegenwärtig zumindest erheblich gestört durch die an der oberen Westseite des lang gezogenen Martplatzes langsam verfallenden Bürgerhäuser, die noch aus dem 18. und 19. Jahrhundert stammen.
Nun besteht die feste Absicht, diese abzureisen und durch ein kleines Geviert überwiegend dreistöckiger neuer Häuser zu ersetzen, die auf der Webseite der SWG Altenburg präsentiert werden.
Im Erdgeschoss sollen Verkaufs-, Gastronomie- und Büroflächen entstehen. Die oberen Etagen sollen für Wohnungen genutzt werden.
Die Gegner des Projektes, deren Standpunkt sich vordergründig an etwa 600 Quadratmeter Verkaufsfläche für einen Konsum fest macht und die die Rekonstruktion der Altbausubstanz fordern, sprechen dabei von einer Verschandelung des Altenburger Marktplatzes und verunglimpfen zu Recht oder Unrecht die geplante architektonische Gestaltung der Neubauten. Sie in einen Topf zu werfen mit “brutalem Billigbau” und den Innenstadtvisionen der DDR-Oberen ist meiner Meinung nach allerdings ungerecht und entspricht nicht der Realität.
Übrigens wurde in den ersten Jahren nach der Wende zwar der oft heruntergekommene Zustand so mancher Immobilie und manches Altstadt-Viertels als Relikt der untergegangenen DDR gegeiselt, gleichzeitig wurde jedoch auch fast immer darauf verwiesen, dass im Unterschied zu vielen westdeutschen Städten im Osten wenigstens noch viel alte Bausubstanz vorhanden sei. Diese musste in so mancher Stadt der BRD bereits Jahre vorher der Abrissbirne weichen und moderneren Neubauten Platz machen.
Nun hier im Osten zu fordern, dass alles Alte wieder erstehen solle und dabei publizistisch wirksame Vergleiche mit der Vorwendezeit zu verknüpfen, dürfte wohl kaum bei allen Bürgern auf Verständnis stoßen.
Während gegenwärtig an vielen innerstädtischen Standorten wo neue Bauten entstehen oder bereits entstanden sind, quaderförmige Betonkolosse, die im besten Fall noch verglast sind, die Baulücken füllen, versucht man in Altenburg eine durchaus zu akzeptierende architektonische Anpassung des Neuen an die umgebenden Bauten vorzunehmen. Unterschiedliche Höhen, verschieden gestaltete Fassaden und Dächer sowie eine differenzierte Farbgestaltung geben dem Ganzen einen durchaus freundlichen, dem Antlitz des Marktplatzes Rechnung tragenden Charakter. Und wenn es wirklich billiger als eine Rekonstruktion des Alten sein sollte, wäre das wiederum auch kein stichhaltiger Grund, das neue Projekt schlecht zu reden.

