Zu den jüngsten Aktivitäten der NPD in Thüringen

Die NPD rückte in den letzten Wochen mehrfach ins Blickfeld der Öffentlichkeit des Freistaates Thüringen. Da es sich in ihrem Fall um eine zugelassene Partei handelt, müsste der Bürger dieser Tatsache keine verstärkte Beachtung schenken - wären da nicht die fortwährende Debatte um eben diese Partei.

Die Partei, die bei der letzten Bundestagswahl im Jahr 2009 1,5 Prozent der abgegebenen Stimmen erhielt, brachte es im gleichen Jahr bei der Landtagswahl in Thüringen immerhin auf 4,3 Prozent. Damit konnte sie gegenüber der Landtagswahl 2004 (1,6 Prozent) ihren Stimmanteil mehr als verdoppeln.
Hierbei bestätigt sich erneut, dass ihr Einfluss vor allem in wirtschaftlich schlechter gestellten Gebieten am größten ist.

Nun versucht die NPD mit ihren jüngsten Aktivitäten in Thüringen ihre erreichte Position zu behaupten und weiter auszubauen.
Diesem Ziel dient letztlich auch die Eröffnung der neuen Geschäftsstelle des Thüringer Landesverbandes der NPD im Bürohaus Europa in Bad Langensalza. Die Partei will die Nutzung dieses Gebäudes schrittweise erweitern und mit der Ansiedlung von mit der Partei verbundenen Redaktionen, nationalen Firmen und Organisationen ihre Ausstrahlungskraft erhöhen.
Leider wirken die im Zusammenhang mit der Eröffnung der Geschäftsstelle bekannt gewordenen - von wem auch immer initiierten - Maßnahmen, wie der Stromabschaltung während einer Pressekonferenz oder das Aufbaggern der Auffahrt zum Gebäude eher sinn- und hilflos und dürften dem wohl erhofften Effekt einer wirksamen Entgegnung eher geschadet haben.

Zeitgleich veranstaltet die NPD in Thüringen mit der Herausgabe von sieben kostenlosen Lokalzeitungen, beziehungsweise -blättchen, eine schon beachtliche Medienoffensive, mit der sie flächendeckend versucht, die Meinung der Leser durch “kontinuierliches Beackern …bestimmter Themen”, wie ein NPD-Funktionär unlängst im Deutschlandfunk sagte, zu beeinflussen.
Die teilweise recht auflagenstarken Lokalblätter werden durch den Landesverband finanziert und profitieren in ihrer zunehmenden Popularität vor allem auch von den sinkenden Auflage der regionalen und lokalen Kaufzeitungen vor allem in den ländlichen Gebieten.
Zum anderen sind die gestandenen Regionalzeitungen oft mehr damit beschäftigt, sich mit der Linkspartei auseinander zu setzen, als sich mit der NPD zu beschäftigen.

Und nun kommt da noch aus Berlin der Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin den Rechtspopulisten zu Hilfe, indem er als SPD-Mitglied einige wesentliche von ihnen propagierte Thesen in seinem unlängst veröffentlichten Buch statistisch untermauert.
Nun sollten wir nicht vorwurfsvoll oder entsetzt fragen, wie denn ein Hartz IV-Empfänger oder eine unterbezahlte Reinigungskraft sich zumindest einige der Themen der NPD zu eigen machen kann, wenn selbst der Bundesbank-Chef ähnliche Ansätze verkündet.

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