Zur 555. Wiederkehr des legendären Kidnapping von Altenburg
Was waren das wohl für Zeiten, als Ritter Kunz von Kauffungen hoch zu Ross im Dienste seines Herren Friedrich des Sanftmütigen Mitte des 15. Jahrhunderts in dessen mehrjährigem Krieg gegen seinen Bruder aus dem kurfürstlichen Hause Wettin, Herzog Wilhelm III. ins Feld zog. Wie sich später noch oft wiederholen sollte, wurde dessen ritterliches Handeln jedoch nicht belohnt - im Gegenteil, er verlor dabei Teile seiner bescheidenen Ländereien, Sachwerte und auch seines Geldes. Und als er für diesen Verlust den Ersatz des Schadens vom Kurfürsten forderte, erhielt er nichts als Hohn und böse Worte.
Wen wundert es da, dass der gute Kunz mit einigen seiner Getreuen zum letzten Mittel griff, um seinen mehr oder weniger berechtigten Forderungen Nachdruck zu verleihen und in der Nacht vom 7. zum 8. Juli 1455 die beiden Söhne Friedrichs II., Ernst und Albrecht kurzerhand entführte?
Damals wusste übrigens noch keiner, dass die beiden Prinzen Ernst und Albrecht Jahre später zu Begründern der beiden Länder Thüringen und Sachsen wurden. Die Entführung aber ging - wie auch immer - schief, der Ritter Kunz wurde gefasst und nur wenige Tage danach in Freiberg hingerichtet.
So weit, so gut - viel Zeit ging danach ins Land, bis sich 1955 einige Laiendarsteller in der damaligen DDR dieser spektakulären Geschichte annahmen und diese am Originalschauplatz, im Altenburger Schlosshof zur Aufführung brachten.
Weitere 50 Jahre vergingen, bis schließlich unter professioneller Leitung der heutigen Theater & Philharmonie Thüringen eine jährliche Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen wurde, die sich inzwischen riesiger Beliebtheit und großen Zuspruchs erfreut.
Vor wenigen Tagen, am 11. Juli 2010, ging nun die diesjährige Veranstaltungsreihe mit insgesamt 15 Aufführungen zu Ende. Wie immer in den letzten Jahren mit großem Erfolg und wie immer stand im Mittelpunkt der Aufführungen der legendäre Prinzenraub, der jedoch jährlich unter einem anderen Aspekt der Geschichte betrachtet wird und damit immer auch etwas neues bietet.
Auf der 60 mal 60 Meter großen Bühne, die dieses Mal in Richtung des Altenburger Hausmannsturms bespielt wurde, konnten die begeisterten Zuschauer wieder großartige Massenszenen, tolle Stunts und Tier-Aktionen sowie gepfefferte Dialoge erleben.
Rund 450 Mitwirkende, davon etwa 200 aus der Region um Altenburg gestalteten die Aufführungen, zu denen wieder auch ein attraktives Rahmenprogramm, gestaltet von Hofnarr, Marketenderinnen, Akrobaten und Schwertkämpfern und den Rabenbrüdern gehörte. Und auch die Händler aus der Region trugen ihren Teil zum Gelingen des Ganzen bei.
Die Zahl der professionellen Aufführungen seit 2005 hat sich nunmehr auf 69 erhöht. Rund 75.000 Zuschauer haben mittlerweile das Spektakel verfolgt und der auch dieses Jahr wieder zu verzeichnende Erfolg der Veranstaltungen wird sicher mit dazu beitragen, dass es nicht die letzten waren. Zahlreiche Besucher unternehmen extra für dieses Schauspiel eine Kurzreise nach Thüringen, um sich Jahr für Jahr die neue Inszenierung anzusehen.
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