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Wer bei seinem Aufenthalt im Freistaat Thüringen
die Bundesstraße B88 von Kahla
kommend in Richtung Rudolstadt
benutzt, den führt sein Weg durch die im Tal der Saale liegenden
Orte Uhlstädt und Kirchhasel. Beide Orte haben sich zu einer
Gemeinde zusammengeschlossen, zu der mit dem abseits gelegenen Ortsteil
Weitersdorf auch ein ehemaliges Küchendorf der Fürstenfamilie
derer von Schwarzburg-Rudolstadt gehört. Dieser aus wenigen
Gehöften bestehende Ort soll nie mehr als 15 Einwohnern besessen
haben, die früher ihre Abgaben in Form von Naturalien für
die Versorgung der fürstlichen Verwaltung erbringen mussten.
Wanderfreunde können sich dem etwa 10 Kilometer nördlich
von Rudolstadt gelegenem Weitersdorf auf dem Thüringenweg nähern
und werden dabei etwas abseits ihres Weges, inmitten einer Streuobstwiese,
eine Kapelle erblicken, die von einem kleinen Friedhof mit
historischen Grabmälern umgeben ist.
Diese, als Missionskirche bereits im 12. Jahrhundert
erbaute kleine Kirche, gilt ebenso wie einige der verstreuten Gehöfte
von Weitersdorf als Zeugnis einer langen Siedlungsgeschichte in
dieser Region.
Viele Jahrhunderte hat die im romanischen Baustil errichtete Kapelle
fast unberührt überdauert. Im 17. Jahrhundert wurden lediglich
Emporen ins Kircheninnere integriert. Die aus Feldsteinen erbaute,
mit einem blaugrauen Schieferdach versehene Kapelle, betritt der
Besucher durch ein mit Eisenbeschlägen versehenes romanisches
Eingangstor. Durch das schmale Langhaus gelangt er durch einen Bogen
in das Chor-Quadrat und von dort in die halbkreisförmige Altar-Nische
der Apsis. Sehenswert sind der aus vergangener Zeit stammende, mit
Ornamenten verzierte Taufstein sowie die kleinen Fenster der Apsis,
von denen ein sogenannter Vierpass mit vier nach außen weisenden
Kreisbögen gleicher Radien besonders auffällt.
Um die Glocke der Kapelle, die aus dem Jahr 1805 stammt, rankt sich
die Legende, dass sie vom damaligen Rudolstädter Fürsten
anlässlich des Todes seines Freundes Friedrich Schiller gespendet
wurde.
Als eine Besonderheit der Weitersdorfer Kapelle
ist ihre zeitweise unterschiedliche Nutzung durch die katholische
und evangelische Kirche zu erwähnen. Während vor der Reformation
katholische Gottesdienste abgehalten wurden, wurde die Kapelle danach
evangelisch genutzt. Erst im Jahr 2008 fand wieder ein katholischer
Gottesdienst statt.
Wenige Meter neben der Kapelle ragt ein etwa 2,5 Meter hohes, stark
verwittertes Sandstein-Kreuz empor. Die auf ihm dargestellte
Figur wird unterschiedlich gedeutet; die frühere Annahme, dass
es sich um ein Sühnekreuz handelt, wird inzwischen weitestgehend
verworfen.
Wer von der Kapelle aus seinem Weg in Nord-nordöstlicher
Richtung fortsetzt, der erreicht nach wenigen Kilometern auf dem
500 Meter hohen Hummelsberg bei Kleinkochberg den Luisenturm. Von
ihm aus ergibt sich eine schöne Aussicht auf das Saaletal,
die Höhen des Frankenwaldes und des Thüringer
Waldes und bei klarem Wetter bis hin zum Brocken.
Das von einem Wallgraben umgebenes Wasserschloss
Kochberg am Rande des Ortes Großkochberg, wurde um 1600
erbaut und diente Charlotte von Stein als Landsitz, auf dem sie
unter ihren Gästen auch Goethe und Schiller empfing.
Schließlich wartet im Hexengrund bei Rödelwitz die Burgruine
Schauenforst im Tal des Wiedbachs auf naturverbundene Besucher.
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