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Auf Grund des Leistenbruchs musste er schon als
Kind ein Bruchband tragen. Längere sitzende Tätigkeiten
am Schreibtisch würden sich deshalb, nach Meinung des Vaters,
eher ungünstig auf das Leiden seines Sohnes auswirken. So besuchte
Carl das Gymnasium nur bis zur vorletzten Klasse und legte danach
ein besonderes Abitur ab, was ein Studium an einer Universität
auf bestimmte meist naturwissenschaftliche Fächer einschränkte.
Es war ihm also nicht möglich, dem Vorbild seiner Brüder
zu folgen.
Jedoch hatte er sich ohnehin schon früh für
mechanische Apparate interessiert und begann deshalb 1834 eine Lehre
bei Dr. Friedrich Körner (1778 - 1847), dem Hof- und Universitätsmechanikus
in Jena.
Die Lehrzeit betrug damals vier Jahre. Während dieser Zeit
schrieb er sich zusätzlich als ordentlicher "stud. Math."
an der Jenaer Universität ein. Nach Ablauf der vier Jahre erhielt
er von seinem Lehrmeister eine empfehlende, lobende Beurteilung
und von der Universität eine Bestätigung der besuchten
Vorlesungen.
Mechaniker galten damals als Künstler, was es schwer machte,
sie in eine Zunft oder Innung einzuordnen. Um praktische Erfahrungen
zu sammeln, entschied sich Carl Zeiss für eine Wanderschaft.
Sie führte ihn nach Stuttgart, Darmstadt, Wien und schließlich
nach Berlin. Wien galt damals als der bedeutendste Ort des Maschinenbaus.
1845 kehrte er mit weiteren ausgezeichneten Empfehlungen
zurück in seine Geburtsstadt Weimar. Ein wenig auf die Unterstützung
seines Patenonkels, den Herzog, hoffend, reichte Carl Zeiß
zunächst in Weimar einen Antrag auf Erlaubnis einer Selbstständigkeit
als Mechaniker ein. Dieser wurde jedoch mit der Begründung
abgelehnt, dass schon zwei Mechaniker ansässig seien und kein
Bedarf für einen weiteren bestünde.
Was für ein Glück für Jena! Doch auch hier gab es
schon selbstständige Mechaniker und ihm widerfuhr zunächst
eine ähnliche Ablehnung wie in Weimar. Zudem kam, dass Carl
Zeiß kein Bürger dieser Stadt war, was die Sache noch
erschwerte. Eigentlich durfte er sich nicht einmal länger in
Jena aufhalten. So schrieb sich der junge Mechaniker wieder an der
Universität ein, was ihm zunächst den Aufenthalt erlaubte.
Schon bald fand er bei einigen Professoren Unterstützung
für sein Vorhaben, ein eigenes "Atelier" zu eröffnen.
Pof. Dr. Schleiden (1804 - 1881) war einer von ihnen. Der Botaniker
lehrte seit 1840 an der Universität und beschäftigte sich
dort mit Zellforschung, wofür er natürlich gute Mikroskope
brauchte. Mit Matthias Schleiden verband Carl Zeiß darüber
hinaus bald eine langjährige Freundschaft.
Da er außer empfehlenden, belobigenden Beurteilungen keine
konkreten Zeugnisse hatte, musste sich der junge Mechaniker, vor
einer zustimmenden Bearbeitung seines Antrags, noch einmal Prüfungen
unterziehen.
Diesmal waren neben guten theoretischen Kenntnissen auch ein tüchtiger
praktischer Blick zu beweisen. Die Geschicklichkeit seiner Hände
wurde geprüft und schließlich kam es dem Gremium noch
auf ein selbstständiges Auftreten in der Welt an. Auch diese
eher kleine Hürde meisterte er mit Bravour und erhielt die
ersehnte Genehmigung kurz nachdem man ihn zum Bürger von Jena
gemacht hatte.
Am 17. November 1846 führten endlich sein Durchhaltevermögen,
seine Willensstärke sowie ein wenig Glück zur Gründung
des "Ateliers für Mechanik" von Carl Zeiß in
Jena.
Dies war zugleich die Grundsteinlegung für den heute international
bekannten Konzern Carl Zeiss, dessen atemberaubender Aufstieg durch
die Zusammenarbeit von Carl Zeiss, Ernst Abbe und Otto Schott ermöglicht
wurde.
Autorin des Textes ist Sabine Weiß - Stadtführungen
mit Herz
www.jena-stadtfuehrung.de
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Unterkünfte in Weimar & Jena - den Wirkungstätten
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