Das Ende des 16. Jahrhunderts als Jagdschloss errichtete Schloss
Wilhelmsburg gehört ohne Zweifel zu Deutschlands schönsten
und besterhaltensten Renaissance-Schlössern. Als Wahrzeichen
der 30 Kilometer südlich von Eisenach
gelegenen Fachwerkstadt
Schmalkalden, erhebt sich die vierflügelige Anlage, die
in ihrer Gesamtheit fast völlig im Originalzustand erhalten
ist, über der reizvollen Altstadt.
Schloss Wilhelmsburg entstand auf den Grundmauern einer mittelalterlichen
Burg. Es wurde 1590 von Wilhelm IV. von Hessen eingeweiht, lange
intensiv genutzt und Anfang des 19. Jahrhunderts aufgegeben. Später
wurde es in Verantwortung eines Vereins seiner Nutzung als Museum
zugeführt.
Von außen eher schlicht wirkend, brilliert das Innere dieses
Juwels der Spätrenaissance mit durch Wandmalereien und
Stuckaturen reich verzierten Festsälen, einem sehenswerten
Landgrafengemach, der Herrenküche mit einem prächtigen
Kamin, einer mit einer Sammlung von Öfen und Herdplatten bestückten
Hofstube und einer faszinierend zu nennenden Schlosskirche.
Die umfangreiche Außenanlagen bestehen aus Lust- und Küchengarten,
einem Exerzierplatz und Torwächterhaus, dem Back- und Brauhaus
und dem Gefängnisturm.
Als absolutes Glanzstück des Schlosses Wilhelmsburg gilt der
evangelische Kirchenbau. Deren fantastische Deckenbemalung
mit farbigen Stuckelementen, die umlaufenden zwei Emporen und ihr
Tischaltar mit der darüber liegenden Kanzel und der Orgel vereinen
sich zu einem beeindruckenden Ensemble. Die kleine Orgel gilt als
ein Kleinod der Orgelbaukunst. Geschaffen im Jahr 1589, ergeben
252 hölzerne Orgelpfeifen einen einmaligen Klang, dem die Besucher
im Rahmen von Führungen durch die Schlosskirche oder bei Konzerten
noch heute lauschen können.
Ein weiteres Highlight der Schlossanlage ist das im Kellergewölbe
als Kopie im Maßstab 1:1 befindliche Hessenhof-Gewölbe
mit einer Bildfolge von 26 Szenen als ältestem Beispiel profaner
Wandmalerei aus dem 13. Jahrhundert. Diese sogenannte Iwein Malerei
mit Szenen ritterlicher Tugenden eines Helden der König-Artus-Runde
ist ein literaturhistorisch bedeutendes Zeugnis.
Das komplette Original aus dem Jahr 1235 befindet sich im Zentrum
der Stadt, ist aber Besuchern nicht zugänglich.
Im täglich, außer montags geöffneten Schlossmuseum
beleuchtet darüber hinaus eine Dauerausstellung interessante
Zeitzeugnisse aus den Epochen der Renaissance und der Reformation.
Ein schöner Spaziergang über einen ausgeschilderten Fußweg
führt nach dem Besuch des Schlosses hinunter in die Altstadt
Schmalkaldens. In ihr sollte es nicht versäumt werden, den
Gang durch die engen Gässchen und romantischen Winkel mit einem
Abstecher zum historischen Rathauskomplex auf dem Altmarkt und zum
Platz "Salzbrücke" mit seinen imposanten Fachwerkhäusern
zu verbinden. Auch die spätgotische Hallenkirche St. Georg
ist einen Besuch wert.
Weiterhin bietet Schmalkalden mit dem Technischen Denkmal "Neue
Hütte" aufschlussreiche Einblicke in das Hüttenwesen
und das Eisenhandwerk des 19. Jahrhunderts. Dagegen hält das
Besucherbergwerk "Finstertal" über und unter Tage
eine Menge Details aus dem Leben der Bergleute in vergangenen Zeiten
bereit.
Mit dem Hinweis auf einen möglichen, mit dem Aufenthalt in
Schmalkalden verbundenen Besuch in einer der umgebenden Städte
wie Suhl, Meiningen,
Zella-Mehlis
oder Oberhof und auf die Feststellung, dass das Gebiet um das Schloss
Wilhelmsburg und die Stadt im Winter ein vielbesuchtes Paradies
für Skilangläufer ist, sollte das Interesse an einem
Besuch des Schlosses endgültig geweckt sein.
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