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Kemenate Orlamünde - mittelalterlicher Wohnturm in Thüringen

  Kemenate und Kirche in Orlamünde
Kemenate in Orlamünde

Kemenate in Orlamünde
Wohnturm Kemenate

Eingang zur Kemenate in Orlamünde
Eingang der Kemenate
 

Von der A 4 bei Jena-Göschwitz abzweigend und der B88 nach Süden folgend, erreicht man auf halbem Weg zwischen Jena und Rudolstadt die Stadt Orlamünde. Sie gehört zu den kleinsten in Thüringen und besteht aus zwei Ortsteilen.

Im oberen Stadtteil, 80 Meter über dem Saaletal gelegen, befinden sich der Markt mit den spärlichen Resten eines Wilhelmiter-Klosters, ein Stadttor, das spätgotische Rathaus (alles im Denkmalschutzgebiet), die Stadtkirche St. Marien und die Reste der mittelalterlichen Burg.
Sie war der Sitz der Grafen von Weimar bzw. Orlamünde und gehört, der einstigen Bedeutung dieses Geschlechtes angemessen, zu den größten Burgen Thüringens. Sie bestand aus Vorburg und Hauptburg. Erhalten geblieben ist von dieser 1115 erstmals erwähnten Burg als einziges Gebäude nur die Kemenate. Außerdem sind die Umfassungsmauern der Vorburg und die Schildmauer der Hauptburg mit einem romanischen Torbogen vorhanden.

Die Kemenate Orlamünde ist ein romanischer Breitwohnturm mit 25 m Länge, 12 m Breite und 20 m Höhe (bis zur Dachtraufe). Das aus Buntsandstein erbaute rechteckige Bauwerk hat maximale Mauerstärken bis zu 3,2 m und seinen ursprünglichen Zugang in 8 m Höhe. Zwei Etagen des ursprünglich fünfgeschossigen, jetzt sechsgeschossigen Gebäudes waren mit Kaminen heizbar. Als Entstehungszeit wird der Zeitraum 1050 bis 1070 angenommen.

 


Der Innenausbau mit massiven Heizdecken geht auf einen Umbau im Jahre 1426 zurück, wobei die Zinnen der ursprünglichen Verteidigungsplattform übermauert wurden und ein 6. Geschoss entstanden ist. Bis 1840 als Getreidespeicher genutzt, diente die Kemenate seit 1978 als Domizil für den Orlamünder Jugendclub. Seit 1995 wird sie vom Orlamünder Burgverein betreut, der im Sommerhalbjahr jeweils am ersten Sonntag eines Monats Führungen durch das Haus anbietet (darüber hinaus auch nach telefonischer Anmeldung).
Bei den Führungen werden der Rittersaal, mittelalterliche Abortanlagen, der einstige hohe Saal in der vierten Etage und Ausstellungen zur Orts- und Heimatgeschichte (5. und 6. Etage) gezeigt. Jährlich finden mindestens zwei große Veranstaltungen (Walpurgisnacht und Burgfest im August) sowie zahlreiche kleinere (Kabarett, Musik, Vorträge) statt. Programme findet man unter www.kemenate-orlamünde.de. Der Rittersaal kann auch zu privaten Veranstaltungen gemietet werden. Vor der Kemenate in Orlamünde befindet sich seit 1923 eine Freilichtbühne, die auch gelegentlich genutzt wird.

An das einstige Grafengeschlecht ist die Sage von der Weißen Frau von Orlamünde geknüpft. Andere Sagen ranken sich auch um eine Zisterne am Südhang des Burgberges und die sogenannte Teufelskanzel.
Rings um Orlamünde findet man - vor allem entlang des Saale-Radwanderwegs - noch viele interessante Ausflugsziele. Zu ihnen gehören die Leuchtenburg bei Kahla, die beiden Jagdschlösser in Hummelshain, die Jagdanlage Rieseneck und die Schaukelbrücke bei Kleineutersdorf, aber auch Schloss Weißen und der Schauenforst bei Rödelwitz - beides ehemalige Burgen der Grafen von Orlamünde. In und um Orlamünde gibt es zahlreiche Wanderwege mit herrlichen Ausblicken in die abwechslungsreiche Landschaft beiderseits des Saaletales. Den schönsten Blick hat man vom Buchberg oberhalb von Orlamünde. Von der Matthes-Hütte an der Oberkante der Muschelkalk-Steilstufe in 408 m Höhe (dicht dabei auch der Bielerturm) kann man bis zum Thüringer Wald und zum Frankenwald schauen. Neuerdings gibt es am Sportplatz von Orlamünde eine befestigte Anlegestelle für Wasserwanderer auf der Saale, die hier auch zelten können.

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