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Erfurt - Landeshauptstadt von Thüringen

Dom in der Landeshauptstadt Erfurt
Dom in Erfurt

Wenigemarkt am Kopf der Krämerbrücke
Wenigemarkt in Erfurt

Blick über die vollständig bebaute Krämerbrücke in Erfurt
Krämerbrücke
 

Sie gilt als die zentralste Großstadt Deutschlands - Erfurt, die Landeshauptstadt des Freistaats Thüringen. Mit etwa 200.000 Einwohnern liegt Erfurt am Südrand des Thüringer Beckens im breiten Tal der Gera, einem Nebenfluss der Unstrut. Im Süden wird die Stadt vom Landschaftsschutzgebiet Steigerwald und der Autobahn A4 begrenzt, während im Westen und Norden die A71 vorbeiführt. Nur 20 Kilometer östlich von Erfurt liegt mit Weimar die wohl bedeutendste Klassikerstadt Deutschlands.

Ein kurzer Abriss der Stadtgeschichte führt zurück bis ins 8. Jahrhundert, aus dem eine erste schriftliche Erwähnung des Siedlungsgebiets vorliegt. Das gerade entstandene Bistum Erfurt wird mit dem von Mainz vereinigt, Erfurt wird Königspfalz.

Ab den 12. Jahrhundert entstehen innerhalb der Stadtbefestigung zahlreiche Kirchen und die frühesten bedeutenden Bauten. Die Entwicklung zu einer damals bedeutenden Schulstadt setzt ein. Gemeinsam mit Mühlhausen und Nordhausen wird der thüringische Dreistädtebund gegründet. Im 14. und 15. Jahrhundert setzt für Erfurt eine stürmische wirtschaftliche, politische und geistige Entwicklung ein. Der danach folgende allmähliche Niedergang der Stadt erreicht im Dreißigjährigen Krieg mit der Besetzung durch die Schweden seinen Tiefpunkt.




Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erleidet Erfurt mit der mehrjährigen Besetzung durch französische Truppen einen erneuten Rückschlag. 1814 erfolgt die Eingliederung in Preußen. Zur Mitte desselben Jahrhunderts setzen eine spürbare Verbesserung der wirtschaftlichen Lage und eine schnelle Entwicklung der Infrastruktur ein.

Wie vielerorts findet diese Aufwärtsentwicklung auch in Erfurt durch die beiden Weltkriege ein jähes Ende. Obwohl Erfurt als Garnisonsstadt das Ziel zahlreicher Bombenangriffe war, wurde die historische Bausubstanz weit weniger in Mitleidenschaft gezogen, als es in vielen anderen Großstädten der Fall war.
Vor allem Flüchtlinge und Vertriebene führen nach dem Ende des 2. Weltkrieges zu einem starken Bevölkerungszuwachs. 1952 wird Erfurt in der damaligen DDR Bezirksstadt des gleichnamigen Bezirks. Nach der politischen Wende im Jahr 1990 setzt neben der Umwandlung der wirtschaftlichen Verhältnisse auch eine umfassende Sanierung der Altstadt ein.

Erfurt kann sich, nicht zuletzt wegen seiner zahlreichen Sehenswürdigkeiten, mit so manchem Beinamen schmücken. So nannte Martin Luther die Stadt ein "türmereiches Erfurt" und im 17. Jahrhundert sprach man gar vom "thüringischen Rom". Diese Vergleiche bezogen sich auf die Vielzahl an Kirchen, Klöstern und Kapellen mit ihren, das Stadtbild beherrschenden, Türmen. In einem der größten und am besten erhaltenen mittelalterlichen Stadtkerne Deutschlands, zwischen herrlichen Fachwerkhäusern und repräsentativen Renaissancebauten, sind noch heute an die 20 mittelalterliche Kirchen und zahlreiche mit Türmen bestückte Bauten zu finden.

Man bezeichnete die Innenstadt des brückenreichen Erfurts aber auch als "Kleinvenedig". Verantwortlich dafür sind die 142 Brücken, die innerhalb der Stadt das Flüsschen Gera und andere Wasserläufe überspannen und deren berühmteste ohne Zweifel die vollständig bebaute Krämerbrücke ist. Außer aufgrund ihrer zahlreichen Brücken ist Erfurt seit dem 19. Jahrhundert auch als Blumenstadt weltbekannt. Neben dem Egapark mit seiner jährlichen Blumenpracht sorgen Samenzucht- und Gartenbaubetriebe, eine Fachhochschule und das Deutsche Gartenbaumuseum für den Erhalt dieser Bezeichnung.

Ehe einige der sehenswerten Bauwerke Erfurts ein wenig näher vorgestellt werden, noch ein kurzer Blick auf das Gartenensemble im 36 Hektar großen Egapark. Auf dem Gelände rund um die ehemalige Festung Cyriaksburg ist mit dem Rosengarten, dem größten ornamental bepflanzten Blumenbeet Europas, dem Japanischen Fels- und Wassergarten, mehreren Pflanzenschauhäusern, attraktiven Wasserspielen und einem Kinderbauernhof als Spielplatz eine wunderbare Verbindung von Natur und Gartenarchitektur gelungen.

Nun aber zurück in Erfurts Altstadt. Am beeindruckendsten stellt sich dem Besucher das stadtbildbeherrschende Ensemble von Dom St. Martin und der Severikirche auf dem über 70 Stufen zu erreichendem Domberg dar. Sowohl der im gotischen Stil erbaute Dom mit seinem prächtigen Chor und die ebenfalls gotische, fünfschiffige Hallenkirche St. Severi sind kostenfrei zu besichtigen. Lediglich für eine Teilnahme an einer Führung zu der im Turm des Doms befindlichen größten freischwingenden mittelalterlichen Glocke der Welt, ist ein geringer Beitrag zu entrichten. Die Gloriosa, so der Name der Glocke, wurde Anfang des 21. Jahrhunderts restauriert bzw. repariert und ertönt nun wieder in altgewohntem Klang.

Ein weiteres Wahrzeichen der ehemaligen Festungsstadt ist die 120 Meter lange Krämerbrücke. Auf dieser, im Jahr 1325 errichteten Steinbrücke, befinden sich 32 Häuser in durchgehender Bebauung mit der Ägidienkirche als östlichem Brückenkopf. Die schmucken, kleinen Häuser beherbergen zahlreiche Läden und Galerien, in denen Töpfer, Maler und andere Künstler ihre Waren feil bieten. Darüber hinaus werden auch Souvenirs und typische Produkte aus dem Freistaat Thüringen angeboten. Die Krämerbrücke ist das verbindende Element zwischen dem Wenigemarkt und dem Benediktsplatz und zugleich das älteste profane Bauwerk der Landeshauptstadt Erfurt. Darüber hinaus handelt es sich bei der Krämerbrücke um die älteste vollständig bebaute Brücke Europas. Da wundert es nicht, dass ihr zuehren alljährlich das Krämerbrückenfest veranstaltet wird. Neben diesem Highlight, das kein Erfurter gern verpasst, sind auch der Erfurter Weihnachtsmarkt oder das Weinfest feste Größe im Erfurter Veranstaltungskalender.

Neben diesem wohl markantesten Wahrzeichen Erfurts sind es vor allem die Bauwerke aus den Epochen des Mittelalters, die der Stadt ein einmaliges Gesicht geben. In unmittelbarer Nähe des Domplatzes befindet sich mit der gut erhaltenen Zitadelle Petersberg die einzige barocke Stadtfestung in Mitteleuropa. Neben ihrem imposanten Gesamtbild beeindruckt sie vor allem mit ihren bei Führungen zu besichtigenden unterirdischen Minengängen.
In der Nachbarschaft von Krämerbrücke und dem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erbauten neugotischen Rathaus, entdeckt der interessierte Besucher mit der Alten Synagoge eines der eindrucksvollsten Baudenkmale Thüringens. Im Originalzustand sind die Außenwände, die Pforte zum Synagogenraum, ein romanisches Zwillingsfenster und eine gotische Fensterrose erhalten.
In dem um das Jahr 1300 erbauten Augustinerkloster lebte einst Martin Luther über fünf Jahre als Bettelmönch und wurde in dieser Zeit zum Priester geweiht. Ebenfalls sehenswert ist das Predigerkloster mit der Predigerkirche und das Haus zum Roten Ochsen auf dem Fischmarkt. Am Fischmarkt, der unter anderem vom Rathaus flankiert wird, befinden sich mit dem Haus zum Breiten Herd und dem Gildehaus, zwei der schönsten Häuser ganz Erfurts.

Selbstverständlich reduziert sich Erfurts Stadtbild nicht ausschließlich auf die historischen Bauten. So hat das ehemalige Hotel Erfurter Hof durch den Besuch des Bundeskanzlers Willy Brandt im Jahr 1970 einen bleibenden Namen erhalten. In mehreren Museen, wie dem Stadtmuseum im "Haus zum Stockfisch" oder im Museum für Thüringer Volkskunde, dessen Kernstück die Darstellung des Dorflebens im 19. Jahrhundert ist, sind aufschlussreiche Einblicke in die Geschichte der Stadt und des Freistaats zu gewinnen.
Neben dem bereits beschriebenen Egapark verfügt Erfurt über weitere schöne Parks und mit dem Steigerwald im Süden der Stadt über ein nahe liegendes Ausflugs- und Wandergebiet. Der Erfurter Zoopark ist mit etwa 3.000 Tieren der größte Zoo des Bundeslandes Thüringen und ebenfalls ein beliebtes Ausflugsziel.
Idyllische Wanderwege bietet auch die Geraaue, während für Freunde von Baden, Angeln, Segeln oder Surfen im Norden der Stadt um die dortigen Baggerseen ein weiträumiges Naherholungsgebiet im Entstehen begriffen ist. Großer Beliebtheit erfreut sich dagegen schon seit vielen Jahren der Freizeit- und Erholungspark "Nordstrand". Wer hätte gedacht, dass in einem Urlaub in Erfurt neben Kultur und historischem Flair auch so etwas wie Strandfeeling aufkommen kann?

Bei all der gebotenen Verführung durch die bereits geschilderten Sehenswürdigkeiten und Freizeitmöglichkeiten sollte ein Besuch in Thüringens Landeshauptstadt Erfurt auch dazu genutzt werden, über den prachtvollen Anger zu flanieren, durch die Gassen der Innenstadt zu schlendern und in einer der schmucken Einkaufspassagen oder auf dem Markt am Domplatz sein Schnäppchen zu machen. Und schließlich erwarten zahlreiche Restaurants und Imbisslokale die hungrig gewordenen Besucher der Stadt, um ihnen mit Thüringer Klößen oder einer heimischen Bratwurst die hauseigene Küche schmackhaft zu machen.


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