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Wie vielerorts findet diese Aufwärtsentwicklung auch in Erfurt
durch die beiden Weltkriege ein jähes Ende. Obwohl Erfurt als
Garnisonsstadt das Ziel zahlreicher Bombenangriffe war, wurde
die historische Bausubstanz weit weniger in Mitleidenschaft gezogen,
als es in vielen anderen Großstädten der Fall war.
Vor allem Flüchtlinge und Vertriebene führen nach dem
Ende des 2. Weltkrieges zu einem starken Bevölkerungszuwachs.
1952 wird Erfurt in der damaligen DDR Bezirksstadt des gleichnamigen
Bezirks. Nach der politischen Wende im Jahr 1990 setzt neben der
Umwandlung der wirtschaftlichen Verhältnisse auch eine umfassende
Sanierung der Altstadt ein.
Erfurt kann sich, nicht zuletzt wegen seiner zahlreichen Sehenswürdigkeiten,
mit so manchem Beinamen schmücken. So nannte Martin Luther
die Stadt ein "türmereiches Erfurt" und im 17. Jahrhundert
sprach man gar vom "thüringischen Rom". Diese Vergleiche
bezogen sich auf die Vielzahl an Kirchen, Klöstern und Kapellen
mit ihren, das Stadtbild beherrschenden, Türmen. In einem der
größten und am besten erhaltenen mittelalterlichen
Stadtkerne Deutschlands, zwischen herrlichen Fachwerkhäusern
und repräsentativen Renaissancebauten, sind noch heute an die
20 mittelalterliche Kirchen und zahlreiche mit Türmen bestückte
Bauten zu finden.
Man bezeichnete die Innenstadt des brückenreichen Erfurts
aber auch als "Kleinvenedig". Verantwortlich dafür
sind die 142 Brücken, die innerhalb der Stadt das Flüsschen
Gera und andere Wasserläufe überspannen und deren berühmteste
ohne Zweifel die vollständig bebaute Krämerbrücke
ist. Außer aufgrund ihrer zahlreichen Brücken ist Erfurt
seit dem 19. Jahrhundert auch als Blumenstadt weltbekannt.
Neben dem Egapark mit seiner jährlichen Blumenpracht sorgen
Samenzucht- und Gartenbaubetriebe, eine Fachhochschule und das Deutsche
Gartenbaumuseum für den Erhalt dieser Bezeichnung.
Ehe einige der sehenswerten Bauwerke Erfurts ein wenig näher
vorgestellt werden, noch ein kurzer Blick auf das Gartenensemble
im 36 Hektar großen Egapark. Auf dem Gelände rund
um die ehemalige Festung Cyriaksburg ist mit dem Rosengarten, dem
größten ornamental bepflanzten Blumenbeet Europas, dem
Japanischen Fels- und Wassergarten, mehreren Pflanzenschauhäusern,
attraktiven Wasserspielen und einem Kinderbauernhof als Spielplatz
eine wunderbare Verbindung von Natur und Gartenarchitektur gelungen.
Nun aber zurück in Erfurts Altstadt. Am beeindruckendsten
stellt sich dem Besucher das stadtbildbeherrschende Ensemble von
Dom St. Martin und der Severikirche auf dem über
70 Stufen zu erreichendem Domberg dar. Sowohl der im gotischen Stil
erbaute Dom mit seinem prächtigen Chor und die ebenfalls gotische,
fünfschiffige Hallenkirche St. Severi sind kostenfrei zu besichtigen.
Lediglich für eine Teilnahme an einer Führung zu der im
Turm des Doms befindlichen größten freischwingenden mittelalterlichen
Glocke der Welt, ist ein geringer Beitrag zu entrichten. Die Gloriosa,
so der Name der Glocke, wurde Anfang des 21. Jahrhunderts restauriert
bzw. repariert und ertönt nun wieder in altgewohntem Klang.
Ein weiteres Wahrzeichen der ehemaligen Festungsstadt ist die 120
Meter lange Krämerbrücke. Auf dieser, im Jahr 1325
errichteten Steinbrücke, befinden sich 32 Häuser in durchgehender
Bebauung mit der Ägidienkirche als östlichem Brückenkopf.
Die schmucken, kleinen Häuser beherbergen zahlreiche Läden
und Galerien, in denen Töpfer, Maler und andere Künstler
ihre Waren feil bieten. Darüber hinaus werden auch Souvenirs
und typische Produkte aus dem Freistaat Thüringen angeboten.
Die Krämerbrücke ist das verbindende Element zwischen
dem Wenigemarkt und dem Benediktsplatz und zugleich das älteste
profane Bauwerk der Landeshauptstadt Erfurt. Darüber hinaus
handelt es sich bei der Krämerbrücke um die älteste
vollständig bebaute Brücke Europas. Da wundert es nicht,
dass ihr zuehren alljährlich das Krämerbrückenfest
veranstaltet wird. Neben diesem Highlight, das kein Erfurter gern
verpasst, sind auch der historische Weihnachtsmarkt oder das Weinfest
feste Größe im Erfurter Veranstaltungskalender.
Neben diesem wohl markantesten Wahrzeichen Erfurts sind es vor
allem die Bauwerke aus den Epochen des Mittelalters, die der Stadt
ein einmaliges Gesicht geben. In unmittelbarer Nähe des Domplatzes
befindet sich mit der gut erhaltenen Zitadelle
Petersberg die einzige barocke Stadtfestung in Mitteleuropa.
Neben ihrem imposanten Gesamtbild beeindruckt sie vor allem mit
ihren bei Führungen zu besichtigenden unterirdischen Minengängen.
In der Nachbarschaft von Krämerbrücke und dem in der zweiten
Hälfte des 19. Jahrhunderts erbauten neugotischen Rathaus,
entdeckt der interessierte Besucher mit der Alten Synagoge eines
der eindrucksvollsten Baudenkmale Thüringens. Im Originalzustand
sind die Außenwände, die Pforte zum Synagogenraum, ein
romanisches Zwillingsfenster und eine gotische Fensterrose erhalten.
In dem um das Jahr 1300 erbauten Augustinerkloster
lebte einst Martin Luther über fünf Jahre als Bettelmönch
und wurde in dieser Zeit zum Priester geweiht. Ebenfalls sehenswert
ist das Predigerkloster mit der Predigerkirche und das Haus zum
Roten Ochsen auf dem Fischmarkt. Am Fischmarkt, der unter anderem
vom Rathaus flankiert wird, befinden sich mit dem Haus zum Breiten
Herd und dem Gildehaus, zwei der schönsten Häuser ganz
Erfurts.
Selbstverständlich reduziert sich Erfurts Stadtbild nicht
ausschließlich auf die historischen Bauten. So hat das ehemalige
Hotel Erfurter Hof durch den Besuch des Bundeskanzlers Willy Brandt
im Jahr 1970 einen bleibenden Namen erhalten. In mehreren Museen,
wie dem Stadtmuseum im "Haus zum Stockfisch" oder im Museum
für Thüringer Volkskunde, dessen Kernstück die Darstellung
des Dorflebens im 19. Jahrhundert ist, sind aufschlussreiche Einblicke
in die Geschichte der Stadt und des Freistaats zu gewinnen.
Neben dem bereits beschriebenen Egapark verfügt Erfurt über
weitere schöne Parks, über einen flächenmäßig
großen Zoo mit weit über 1000 Tieren und mit dem Steigerwald
im Süden der Stadt über ein nahe liegendes Ausflugs- und
Wandergebiet.
Idyllische Wanderwege bietet auch die Geraaue, während für
Freunde von Baden, Angeln, Segeln oder Surfen im Norden der Stadt
um die dortigen Baggerseen ein weiträumiges Naherholungsgebiet
im Entstehen begriffen ist. Großer Beliebtheit erfreut sich
dagegen schon seit vielen Jahren der Freizeit- und Erholungspark
"Nordstrand". Wer hätte gedacht, dass in einem Urlaub
in Erfurt neben Kultur und historischem Flair auch so etwas wie
Strandfeeling aufkommen kann?
Bei all der gebotenen Verführung durch die bereits geschilderten
Sehenswürdigkeiten und Freizeitmöglichkeiten sollte ein
Besuch in Thüringens Landeshauptstadt Erfurt auch dazu genutzt
werden, über den prachtvollen Anger zu flanieren, durch die
Gassen der Innenstadt zu schlendern und in einer der schmucken Einkaufspassagen
oder auf dem Markt am Domplatz sein Schnäppchen zu machen.
Und schließlich erwarten zahlreiche Restaurants und Imbisslokale
die hungrig gewordenen Besucher der Stadt, um ihnen mit Thüringer
Klößen oder einer heimischen Bratwurst die hauseigene
Küche schmackhaft zu machen.
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